Antiquierter Kammer-Protektionismus

Die Wirtschaftskammer warnt davor, Weihnachtsgeschenke im Ausland zu kaufen.

Dass österreichische Unternehmen auch von Exporten profitieren wird nicht erwähnt. Totaler Protektionismus als moderne Strategie? Das kann nicht gutgehen.

In Sachen Panikmache hat die Wirtschaftskammer dieser Tage den Vogel abgeschossen. „Wenn Sie nächstes Jahr Ihren Arbeitsplatz noch haben wollen, dann kaufen Sie Ihre Weihnachtsgeschenke gefälligst in österreichischen Läden ein und nicht bei diesen bösen amerikanischen Online-Händlern“, lautet die Botschaft sinngemäß. Schon klar, die Wirtschaftskammer muss für die Ihren eintreten und zusehen, dass unsere Unternehmer nicht zu kurz kommen – aber so? Immerhin profitieren unsere Unternehmen auch vom Export. Und das nicht zu knapp. Wie würden es die heimischen Kämmerer wohl finden, würde die deutsche Handelskammer davor warnen, böse, österreichische Produkte zu kaufen und stattdessen ganz auf Schwarz-Rot-Gold zu setzen?

Wirtschaftliche Krisenzeiten erfordern ungewöhnliche Mittel, aber ist es wirklich notwendig, gleich mehrere Jahrzehnte in die Vergangenheit zurückzuwandern und den totalen Protektionismus auszurufen? Einer Wirtschaftskammer modernen Zuschnitts geziemt das meiner Meinung nach nicht. Können österreichische Produkte nicht durch ihre außergewöhnliche Güte und Qualität überzeugen? Und ganz ehrlich – Zielpunkt muss nicht zusperren, weil die Menschen zu wenig bereit waren, bei einem österreichischen Anbieter zu kaufen, sondern weil das Konzept schlecht war. Weder Diskonter, noch Premium-Supermarkt, weder Fisch noch Fleisch. Fehlende Business-Konzepte lassen sich auch durch rot-weiß-rotes Fahnenschwingen nicht wettmachen. Das sollte auch der Interessenvertretung der Wirtschaft klar sein.

Up to Date

Mit dem FORBES-NEWSLETTER bekommen sie regelmässig die spannendsten Artikel sowie Eventankündigungen direkt in Ihr E-mail-Postfach geliefert.