Bank of China will österreichische Unternehmen

Die Bank of China eröffnet schon bald eine Filiale im ersten Wiener Bezirk.

Sie könnte, wie bereits in unserer aktuellen Print-Ausgabe berichtet, das Hauptquartier für die CEE Region werden – wir haben mit dem Vizepräsidenten der Bank of China International Lam Kwong Siu gesprochen.
 
Man muss schon eine gewisse innere Hemmschwelle überwinden, wenn man den Vizevorsitzenden der Bank of China International, Lam Kwong Siu, wegen eines Interviews direkt ansprechen will. Die Gelegenheit dazu hatten wir im Rahmen der zweiten Sino Austrian Investoren und Business Konferenz der Initiative 21st Austria in Kooperation mit Außenwirtschaft Österreich in Hong Kong – und natürlich ließen wir sie nicht verstreichen.
 
Bewusst müssen einem aber die sagenumwoben Tücken der asiatischen Geschäftswelt und der ebenso diffizilen Gesprächsführung sein: Kleinste – den meisten Europäern unbekannte – Details im Umgang miteinander sind entscheidend. Seine Visitenkarte zu bekommen und zu sehen, wie meine in seiner Geldbörse verschwindet fühlte sich also wie ein Ritterschlag an.
 
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Später sagte mir sein Mitarbeiter (in der Mitte des Bildes), dass es eine große Ehre sei, wenn sich dieser Mann 20 Minuten Zeit für jemanden nimmt, wobei manchen Fragen, wie der nach der geplanten Filialgröße in Wien und den erwarteten Volumina an Geschäften, elegant ausgewichen wurde. Soviel scheint trotzdem festzustehen: 15-20 Mitarbeiter sollen anfangs in der Wiener Zentrale beschäftigt werden, der Manager wird aus dem Headquarter in Peking kommen. Der Mietvertrag ist bereits abgeschlossen für eine Liegenschaft im ersten Bezirk in Wien. Der operative Betrieb soll mit Anfang 2016 beginnen – es könnte aber zu Verzögerungen kommen. Hier jedenfalls Auszüge aus unserem Interview:
 
FORBES Austria: Sie werden bald eine Filiale in Wien eröffnen, welche Geschäfte werden Sie forcieren und warum gehen Sie ausgerechnet nach Wien?
Lam Kwong Siu: Die Bank of China ist bereits in über 40 Ländern tätig. Mit Wien wollen wir unser Geschäft verbreitern. Wir erweitern schon seit Jahren unser Netzwerk und werden uns vor allem auf den Corporate Bereich konzentrieren. Solange es den Bedarf seitens österreichischer Unternehmen an finanziellen Dienstleistungen im chinesischen Raum gibt, werden wir die Plattform dafür sein.
 
Wird Wien die Zentrale für die CEE Region werden?
Für uns ist entscheidend, wie vorteilhaft die gesetzlichen Rahmenbedingungen für ausländische Banken sind. Wir vergleichen Steuervorteile und Bedingungen chinesische Mitarbeiter ins Land zu bringen, oder lokale Mitarbeiter anzustellen, mit jenen anderer Länder. Außerdem schauen wir uns die Kosten sehr genau an. Ein anderer entscheidender Faktor ist das Marktpotenzial. Wenn sich Österreich nach Prüfung all dieser Bedingungen als strategisch sinnvolles Portal für die CEE-Region erweist, dann werden wir es natürlich als Headquarter etablieren.
 
Was muss man tun, um das Interesse eines chinesischen Investoren zu wecken?
Chinesische Firmen schauen sich immer mehr in innovativen Ländern, außerhalb Chinas um. Sie sind vor allem an Hightech Firmen interessiert. Diese Konferenz hat deutlich gemacht, dass Technologie ein sehr wichtiger Teil der österreichischen Wirtschaft ist. Einige spannende Firmen wurden präsentiert, wie zum Beispiel Riegl Laser. China ist der zweitgrößte Markt für diese Firma und es gibt auch andere österreichische Firmen, die mit China verbunden sind. Wir glauben, dass großflächige chinesische Investments in österreichische Firmen nur eine Frage der Zeit sind. Die Entscheidung zur Filiale in Wien liegt in dieser strategischen Überlegung begründet.
 
Werden sie auch Retail Banking machen?
Trade, Settlement und Corporate Deals zwischen den Ländern werden der Hauptfokus sein. Bezüglich des Retail Geschäfts müssen wir uns die Rahmenbedingungen ansehen – wenn Österreich dafür offen ist und wir Potenzial sehen, werden wir auch das gerne machen.
 
Wie können österreichische Unternehmen ihren Fuß in den chinesischen Markt bekommen?
Österreichische Firmen sind sehr sehr spannend. Ich habe heute auf dieser Konferenz zum ersten Mal von einigen gehört. Aus meiner Sicht sollten österreichische Firmen ihr Geschäftsmodell und ihre Produkte viel stärker international promoten. Advantage Austria macht das schon, aber es braucht noch mehr solcher Initiativen in diesem Teil der Welt.
 
Kann sich eine Börsennotierung, vielleicht auch marketingtechnisch, als Vorteil erweisen?
Von Claus Raidl (Anm. Präsident der OeNB) habe ich heute gehört, dass die Unternehmen, die in Wien an der Börse gelistet sind, sehr gesund sind und einen guten Return on Investments abwerfen. Sie sind aber nicht bekannt genug bei uns. Wir als führende chinesischen Investmentbank haben sehr gute Beziehungen zu Investoren in China und Hong Kong. Wir wollen unbedingt mehr über Unternehmen an der Wiener Börse erfahren und ihnen helfen hier Fuß zu fassen und weitere Investoren zu finden. Zum Beispiel hat das Unternehmen Riegl Laser sehr viel Potenzial. Es ist neu und wächst sehr schnell. Sie sollten über einen Börsegang an der Hong Konger Börse nachdenken. Das ist eine Einladung. Österreichische Firmen sollten generell mehr über Hongkong als Sekundärmarkt nachdenken. Hong Kong ist ein Kaptialzentrum Asiens, so wie Singapur. Es gibt hier sehr viel Geld. Das ist sicher eine attraktive Option, die wir uns immer gerne mit österreichischen Firmen ansehen.
 
Übrigens hat die Geschichte auch international Interesse geweckt, den Link zur Reuters Meldung gibt es hier.

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