Da geht noch was…

Der Wettlauf auf die Neue Ökonomie ist nicht vorbei. Immer noch hört man: „Corporates müssen zusehen, dass sie bei der Digitalisierung..

Der Wettlauf auf die Neue Ökonomie ist nicht vorbei. Immer noch hört man: „Corporates müssen zusehen, dass sie bei der Digitalisierung dranbleiben.“ Zwar haben Unternehmen der Alten Ökonomie aus Desinteresse oder Arroganz anfangs viel verpasst – aber ganz ehrlich, wer kann das denn jetzt noch hören?

Die meisten Unternehmen der Alten Ökonomie, egal wie groß, beschäftigen sich mittlerweile sehr intensiv mit der Neuen Ökonomie, und das zu Recht. Unternehmen der Neuen Ökonomie schaffen Innovation. Niedrige Eintrittsbarrieren eröffnen das Feld für ungeahnte Player sowie Geschäftsideen. Als neue Konkurrenten verändern sie Branchen, die aus mangelndem Wettbewerb eingeschlafen waren. In der Theorie führt das zu einem besseren Angebot für Kunden. Die Neue Ökonomie bricht Regeln und ist unheimlich flink, smart und frech. Aber trotzdem – deswegen auch das Unverständnis über diesen anhaltenden Wettlauf – ist die Neue Ökonomie allein nicht der Weisheit letzter Schluss, das sehen wir nun seit über 15 Jahren.

Wir erinnern uns an das Platzen der Dotcom-Blase im März 2000. Nun, seitdem hat sich im Mindset der Betroffenen vieles geändert, trotzdem ist manche Unternehmensbewertung nach wie vor absurd hoch – und das ohne erwartbare Umsätze. Airbnb zum Beispiel: Mit einer Bewertung von 30 Milliarden US-$ hofft das Unternehmen 2016, acht Jahre nach seiner Gründung, zum ersten Mal schwarze Zahlen zu schreiben. Während 1990 die Top-Drei-Autoproduzenten in Detroit mit 36 Milliarden US-$ Marktkapitalisierung 1,2 Millionen Angestellte hatten, beschäftigten 2014 die Top-Drei-Unternehmen des Silicon Valley mit einer Marktkapitalisierung von über einer Billion US-$ 137.000 Angestellte, so der Economist. Die Skaleneffekte der Digitalisierung erschweren die Finanzierung sozialer Systeme über den Faktor Arbeit, zudem sich Unternehmen durch internationale Profitverschiebungen in weniger steuerintensive Länder ihrer Steuerpflicht entziehen; doch das betrifft sowohl Player der Alten aus auch der Neuen Ökonomie.

Die Neue Ökonomie wirft noch weitere Fragen auf: Es entstehen massenhaft Daten von Kunden – eine Offenlegung, was wann wo und wie gesammelt wird und wie viel Geld damit gemacht wird? Fehlanzeige. Jede Denkschule hat ihr Für und Wider und wir müssen uns ernsthaft mit ihren Implikationen für die Gesellschaft auseinandersetzen. Politische Entscheidungsträger müssen anfangen, Einhalt zu gebieten. Das muss ja kein Verbot des Sammelns und Verwertens von Daten bedeuten. Transparenz wäre schon gut, denn auch das impliziert die Neue Ökonomie: Wir sind aufgeklärter. Für Unternehmen heißt das, Kunden und Kooperationspartnern auf Augenhöhe zu begegnen.

Für die Politik heißt das, Debatten nicht mehr hinter verschlossenen Türen zu führen, wie das etwa bei den Handelsabkommen TTIP und CETA der Fall war. Ob die Neue Ökonomie etwas via Wertschöpfungsabgabe zurückgeben sollte, ist fraglich. Wir brauchen ein ganzheitliches Modell, das Vor- und Nachteile der neuen und alten Welt mit Blick auf aktuelle Bedürfnisse und Herausforderungen auf gesellschaftlicher Ebene verbindet. Da geht es nicht nur um Wirtschaft. Vielleicht ist das ein gemeinsam finanziertes Grundeinkommen, gekoppelt an eine wert- oder sinnstiftende Bürgerpflicht. Was wir zuerst einmal aber am allermeisten brauchen, sind Akteure, die bewusst Schritte Richtung übermorgen setzen, anstatt der Neuen Ökonomie hinterherzuhecheln – frei von Arroganz, Furcht oder Bequemlichkeit.

Dieser Kommentar ist in unserer Oktober Ausgabe erschienen.

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