Österreichs letzter Schmied

Florian Stockinger ist 23 und einer der letzten Schmiede in Österreich. 2014 hat er den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt.

Seitdem produziert er Messer aus Damaszener Stahl. Forbes Austria hat ihn in seiner Werkstatt im niederösterreichischen Ernstbrunn besucht.

Die Kraft des Feuers, in dem Florian Stockinger den Rohling eines Messers immer wieder erhitzt, mutet ebenso archaisch an wie der wuchtige Schlag mit dem er den Lufthammer in regelmäßigem Rhythmus auf das glühende Metall fallen lässt.

Dabei versinkt der 23-Jährige völlig in seinem Element, während Staub- und Schmutzwolken in die flirrend heiße Luft aufsteigen. „Stahl hat mich immer schon fasziniert“, sagt er. Der junge Niederösterreicher hat sein Hobby zum Beruf gemacht und mit dem Schritt in die Selbstständigkeit 2014 alles auf eine Karte gesetzt: all sein Erspartes – und momentan auch seine Freizeit. Darüber, ob das angesichts der Investitionsintensität und der technischen Herausforderungen seines Berufs – beim Messerschmieden kann so einiges schief gehen und wertvolles Rohmaterial verloren gehen – vielleicht zu riskant sein könnte, denkt Stockinger nicht nach.

Bereits mit zwölf Jahren produzierte der Schmiedemeister sein erstes Messer. „Das war ein dreilagiges Stahlmesser und als solches undefinierbar“, schmunzelt der Jungunternehmer über seine ersten Gehversuche. Das, was Florian Stockinger in Ernstbrunn heute produziert, ist mit diesen Anfängen aber nicht mehr zu vergleichen. Mittlerweile fertigt er nämlich vor allem Einzelstücke aus feinstem Damaszener Stahl. Wenn der Handwerker über das Material zu sprechen beginnt, kommt er ins Schwärmen: „Ich finde es spannend, wie man Materialien kombinieren kann und sich die wellenartige Faserung des Stahls verändert. Damaszener heißt ja wellenartig“, erklärt Stockinger. Das edle Metall hat eine lange, traditionsreiche Geschichte. Der Name selbst leitet sich von der syrischen Stadt Damaskus ab, die im Mittelalter als wichtiger Handelsplatz für Waffen galt. Vor allem bei Schwertern fand das Material Einsatz.

Mit Waffen hat das, was Florian Stockinger heute herstellt, jedoch nur wenig zu tun. „Meine spannendste Bestellung war ein Brieföffner, der als Gastgeschenk nach Oman ging.“ 2015 stellte der Niederösterreicher rund 150 Einzelanfertigungen her. Zwischen zwei und fünf Arbeitstagen braucht er dabei pro Stück. Auf lange Sicht möchte der Unternehmer die Serienproduktion von Messern im größeren Stil etablieren – sie ist ressourcenschonender, weil nicht jedes Stück neu entworfen und getestet werden muss. Den ersten Auftrag dafür hat er bereits an Land gezogen: eine Serienproduktion für den Gastronomieausstatter Hutterer. Stockinger ist aufgeregt, wenn er darüber spricht, er kann von seinem Geschäft im Moment nämlich noch nicht leben, wie er sagt. „Ich investiere jeden Cent in das Unternehmen. Meine Eltern unterstützen mich. Ich bin aber noch lange nicht dort, wo ich hinwill.“ Die nächsten Schritte auf diesem Weg sind ein Kapazitätsausbau und die Fertigung eines Serienklappmessers. Das wird die 60 Wochenarbeitsstunden, die Stockinger zum Großteil in seiner kreativ „zusammengebastelten“ Werkstatt verbringt, sicher nicht verringern.

Sein Erfindungsreichtum schlägt auch hier durch: „Ich habe selbst eine Schweißmaschine und einen elektrischen Härteofen gebaut und konnte sie dank meiner Ausbildung am TGM auch gewerblich einsetzen. Ein paar Maschinen habe ich über eine Betriebsablöse zu einem echten Spottpreis bekommen“, schildert der 23-Jährige, wie man auch sparsam zum Ziel kommen kann.

Mut ist auf diesem Weg ebenso ein Vorteil – auch wenn die Alternative Fixanstellung in Wahrheit nie eine war. „Ich wollte selbstständig sein. Ich würde es nicht aushalten, in einem Büro zu arbeiten und Dinge delegiert zu bekommen.“ Doch neben ideologischer Motivation treiben Stockinger auch geschäftliche Interessen an: „Ich glaube an das Handwerk, damit kann man ein gutes Geschäft machen. Mit Damaszener Stahl ist man in einem hochpreisigen Segment, außerdem kann das in Österreich so gut wie niemand mehr herstellen. Schmiede sind fast ausgestorben – da sehe ich viel Potenzial.“ Aber genauso schnell wie falsch behandelter Stahl verworfen wird, kann auch das Geschäft den Bach runtergehen. Daran aber verschwendet der Schmied keinen Gedanken: „Ich traue mir das zu“, zeigt sich Stockinger selbstbewusst.

Fotos: j3t.cz

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