Europäische Start-ups, raus in die weite Welt!

Der Strategieberater Roland Berger hat eine Studie zu Start-ups in Europa veröffentlicht.

Vor allem die Internationalisierung ist entscheidend. Hier gibt es schon einige Initiativen.

Man braucht sich nicht verstecken und sollte sich auf keinen Fall zu sehr am Silicon Valley orientieren. Das postuliert das Beratungsunternehmen Roland Berger in der neuen Studie „Can European Start-ups crack the code? How to realize the old continent’s digital vision“. Das Fazit ist positiv: Der Unternehmenswert aller großen europäischen Start-ups liege insgesamt bei 110 Milliarden US-$ und die finanzielle Ausstattung der europäischen Start-ups ist im ersten Halbjahr 2015 um 86 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gestiegen – das ist der höchste Anstieg weltweit. Außerdem seien Europäische Firmen attraktive Investitionsziele für Private Equity-Gesellschaften: Von 2010 bis 2014 haben internationale PE-Firmen rund sechs Milliarden Euro investiert.

Wo geht es hin?

„Europa sollte auf seine eigenen Fähigkeiten setzen, die richtigen Nischen finden und neues, unerforschtes Terrain betreten. Am Ende winkt eine neue, digitale Zukunft für unseren Kontinent“, prognostiziert Roland Falb, Österreich-Chef von Roland Berger. Die Stärken europäischer Start-ups liegen, laut Falb, vor allem in der Industriekompetenz, Vielfalt und Internationalisierung.

Wo wir jetzt stehen

In Österreich ist man bereits dabei die Internationalisierung zu forcieren. Die Initiative „21st Austria“ will über die Generierung von Investoren hinaus, die heimischen „Hidden Champions“ der Industrie international präsentieren und Österreich ein Image verpassen, das über jenes einer Kulturnation hinaus geht. Das Wirtschaftsministerium hat dazu kürzlich das Programm „GIN“ (Global Incubator Network) vorgestellt: Es soll in zehn Ländern ein Netzwerk von Inkubatoren umfassen und wurde von der Nationalstiftung für Forschung, Technologie und Entwicklung mit vier Millionen Euro dotiert. FORBES Austria hat Harald Mahrer, Staatssekretär im Wirtschafts- und Wissenschaftsministerium auf eine GIN-Arbeitsreise nach Hongkong begleitet. Dort bemühte er sich um die Stärkung der Beziehungen zwischen Hongkong, Israel, Singapur und Österreich. „Wir begleiten sowohl österreichische Start-ups bei ihrer Internationalisierung, holen aber auch Start-ups und Investoren aus dem Ausland nach Österreich“, so Mahrer.

In Hongkong kam das gut an. Asiatische Investoren bekundeten enormes Interesse an österreichischen Unternehmen, wie David Chen, Co-Gründer von Angel Vest, eines Fonds mit rund 100 Investoren aus dem asiatischen Raum, im Gespräch mit FORBES Austria bestätigt. „Ich war in diesem Jahr am Pioneers Festival und bin begeistert von der lebhaften Szene, die man hier findet. Nicht nur die Mentalität der Österreicher ist extrem interessant, auch ihre Innovationskraft und ihr Potenzial machen sie für uns spannend.“ Und, Hongkong ist für österreichische Start-ups interessant, wie Gerald Eder, Gründer des Finanzdienstleisters „Compare Asia“ im Gespräch zu FORBES Austria sagt: „Ich finde viele Unternehmen streben die Internationalisierung viel zu spät an. Wir haben in Asien gegründet und das war auch gut so. Die Steuern hier sind viel geringer, die internationale Vernetzung ist sehr einfach, es ist viel unkomplizierter Arbeitskräfte anzustellen und die Arbeitsmentalität hier ist hervorragend. Und: Das Wachstumspotenzial ist mit 600 Millionen Konsumenten riesig. Gleichzeitig gibt es hier viele Dinge noch nicht, man kann also auch noch First Mover sein.“

Ungebrochene Begeisterung?

Internationalisierung birgt Chancen, etwa wenn dadurch neue Kundenkreise erschlossen werden können, oder im Ausland größere Wachstumsraten locken bzw. günstigere Rahmenbedingungen vorherrschen. Sie birgt aber auch Risiken: Die Kenntnis über Zielmärkte entscheidet über Wohl und Weh einer Unternehmung, Markt und Wettbewerbsbedingungen können sich mitunter sehr stark voneinander unterscheiden. Strategieberater Falb steht mit seiner Forderung nach international anerkannten Normen deshalb auch nicht alleine da. „Dazu gehören wichtige Bereiche wie Datensicherheit, Data Governance, Zahlungsmodelle und Verbraucherrechte“, betont er. Einen Konsens zwischen Industrie und Politik zu finden, so Falb weiter, stellt zwar ein schwieriges und langfristiges Unterfangen dar, nur so aber kann sichergestellt werden, dass nicht allein privatwirtschaftliche, sondern auch öffentliche Interessen Platz finden werden.

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