FoodNotify: Noch in diesem Halbjahr steht das erste große Investment ins Haus

Ende 2014 hat Thomas Primus FoodNotify gegründet, eine App zur Kennzeichnung von Speiseinhaltsstoffen für die Gastronomie.

Noch in diesem Halbjahr steht das erste große Investment ins Haus, und soeben erfolgte der Roll-out der App in Deutschland. Alles kein Grund, lockerzulassen: Primus will die USA.

Thomas Primus hat die Wiener Börse gegen die Wiener Küche getauscht. Der ehemalige Investmentbanker war nach acht Jahren im Job nicht mehr zufrieden. „Ich habe realisiert, wie diese Industrie tickt, und das hat mir dann keinen Spaß mehr gemacht. Ich habe es nicht mehr ausgehalten und im April 2013 gekündigt.“ In die Vorbereitung für die Selbstständigkeit investierte er ein Jahr Zeit und hatte vor allem einen Gedanken im Sinn: „Wenn man etwas Eigenes beginnt, muss man damit rechnen, fünf bis zehn Jahre mit diesem Thema beschäftigt zu sein – und da war Essen für mich eine logische Konsequenz“, so der Jungunternehmer über seine Sinnsuche. Daraus folgt: Thomas Primus isst und kocht gerne. Dabei gerät er auch schnell ins Schwärmen: „Vor Kurzem habe ich ein Gulasch gekocht. Das Lustige ist – und das wissen die wenigsten –, wenn man Gulasch macht, muss man die Zwiebeln richtig lange anbraten. Dann hat man eine unschlagbare Basis und kann nichts mehr falsch machen. Das Fleisch dafür hatte ich von einem Bauern im Waldviertel. So ein Fleisch bekommt man in keinem Supermarkt.“

Bei der Güte der Zutaten und Speisen kennt er kein Pardon. Deswegen sind ihm Wirte, die ihre Kunden „über den Tisch ziehen“, ein Dorn im Auge.
„Der Konsument sollte öfter von seinem Recht Gebrauch machen, die Speisen zurückzuschicken, vor allem dann, wenn es sich um offensichtlichen Etikettenschwindel handelt, etwa wenn eine Packerlsuppe als selbst gemachte Consommé angepriesen wird.“ Als Verfechter qualitativ hochwertiger Kulinarik plädiert er für mehr Konsumenteninformation: „Was bestimmt kommen wird, ist die Kennzeichnung der Herkunft von Lebensmitteln. Dann können sich auch jene Gastronomen abheben, die Mehrwert anbieten – zum Beispiel qualitativ hochwertigeres Fleisch aus Österreich statt billigen, mit Antibiotika versetzten Produkten. Die Menschen müssen auch mal darüber nachdenken, warum jemand ein Schnitzel um zwei Euro anbieten kann.“ So betrachtet ist die App FoodNotify die Manifestation seiner hohen Ansprüche an Nahrungsmittelinformation. Die Gastro-App wurde Ende 2014 von Primus und seinen Co-Gründern gelauncht.

Über ein Konzept für eine spielerische Rezepteplattform ähnlich kochabo.at und nach weiterer Recherche kam der Gründer auf die Idee, die gesetzliche Not der Gastronomen, alle 14 Allergene ab Ende 2014 ausweisen zu müssen, in eine unternehmerische Chance umzuwandeln. Die Abo-App umfasst mittlerweile 500.000 Artikel, die Daten kommen von den Lebensmittelproduzenten, die bei Fehlangaben haften – der Gastronom ist damit abgesichert. Man gibt einfach ein, welches Produkt man verwendet hat, so werden alle allergenen Stoffe automatisch in die Beschreibung des Gerichts eingefügt. Wer sämtliche Zutaten aller Gerichte beisammenhat, kann das Ergebnis als Speisekarte exportieren. Ändert sich die Zusammensetzung einer Zutat, wird der Gastronom informiert – verwendet er die neue Variante, wird die Speisekarte angepasst.

Man kann via App auch den Deckungsbeitrag einer Speise ermitteln oder Lebensmittel bestellen. Ein Kooperationspartner seit der ersten Stunde, der Lebensmittelgroßhändler Metro, liefert die Bestellungen. Mit anderen Lieferanten ist man zurzeit noch im Gespräch. Auch Informationen zu Nährwert oder Zusatzstoffen bietet die App je nach Bedarf an. Der Bedarf an diesem Service ist, gemessen am Erfolg der Unternehmung, jedenfalls da: „Schon in unseren ersten Tagen haben wir Umsatz gemacht. Dabei hatten wir zu Beginn, 2014, gerade mal 20.000 Artikel.“

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4.000 registrierte User, darunter 1.000 zahlende Kunden, hat das Start-up in Österreich und Deutschland aktuell. Mit 286.000 Gastronomiebetrieben in der DACH-Region ist in Europa noch reichlich Luft nach oben. Der Markteintritt beim großen Nachbarn vor rund einem Monat via Metro war aber erst ein guter Anfang. „Das war ein perfektes Tandem. Wir boten die Innovation, Metro als Gastronomiezulieferer – aktiv in ganz Europa – die Reichweite.

Wie sonst hätte ich ohne Riesenbudget, mit damals nur vier und heute neun Mitarbeitern so eine Verbreitung erreichen können?“ Nächstes Ziel: Die Schweizer Eidgenossen sollen in Sachen Nahrungsmittel ebenfalls aufgeklärt werden. „Wir führen bereits Gespräche“, so Primus, der das ganz große Ziel aber in den USA wittert. Und überhaupt: „Wir wollen Nahrungsmitteldaten auf der ganzen Welt sammeln und aufbereiten.“ Hier werden Datenschützer vielleicht hellhörig – das ehrgeizige Unternehmen weckt aber vor allem das Interesse von Geldgebern. „Wir sind mit mehreren Investoren im Gespräch und prüfen die Angebote. Es geht um siebenstellige Beträge. Im ersten Halbjahr 2016 wollen wir closen.“

Auch auf Kundenseite läuft es gut. Von Anfang an waren – neben Metro – namhafte Kunden wie der Spartenvertreter Tourismus und Freizeit der WKO, Berndt Querfeld (u. a. Café Landtmann), oder die Austria Trend Hotels mit von der Partie. Seit Jänner 2016 jüngster Kunde ist Tim Mälzers Salonplafond. „Sie wollen paperless arbeiten und sind damit echte Vorreiter“, so Primus. „Die digitale Durchdringung in der Gastronomie ist noch lange nicht da, wo sie sein könnte“, so der Unternehmer. Trotzdem, das Geschäft mit Essen und Gesundheit läuft gut. Rund 40 Prozent der Menschen in westlichen Industrieländern sind von Lebensmittelunverträglichkeiten betroffen.

Der weltweite Markt für glutenfreie Lebensmittel ist in den letzten fünf Jahren um 50 Prozent gestiegen – dabei bringen „frei von“-Lebensmittel meistens nichts, so Experten. Im Gegenteil: Unverarbeitete Nahrungsmittel sind gesünder. Allein in Österreich hat sich eine lebendige Start-up-Szene in diesem Bereich gebildet. Ein Beispiel ist Kiweno, ein Start-up, das Nahrungsmittelunverträglichkeits-Selbsttests anbietet und kürzlich sieben Mio. € Mediavolumen einheimsen konnte. Wie viel FoodNotify 2016 an Investitionen abräumen wird, wird sich bald weisen.

 

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