Henne oder Ei? – Die Zukunft des Euro

Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem und der österreichische Finanzminister Hans Jörg Schelling im Late Night Talk in Alpbach.

Es ging um die Zukunft des Euro. Dabei blieb jedoch eine Frage unbeantwortet: Henne oder Ei?

Vielen Themen widmeten sich „Mister Euro“ Jeroen Dijsselbloem und Hans Jörg Schelling. Etwa der Bankenunion, dem wieder erstarkenden Wachstum in vielen europäischen Ländern oder der Frage nach einem Euro-Finanzminister.

Die Griechenland-Krise nahm indes überraschend wenig Platz ein – sowohl in der Rede von Dijsselbloem, als auch in der anschließenden Diskussion mit Schelling. Deutlich länger besprochen wurde hingegen der Weg zu einer gesunden Zukunft des Euro. Dijsselbloem verschob den Vorschlag einer stärkeren Integration der Mitgliedsstaaten, etwa in Form eines gemeinsamen Pensionssystems, in die nicht näher definierte Zukunft.

Auf die Frage, ob und wenn ja, wann denn eine Fiskalunion sinnvoll sei, sagte Dijsselbloem: „Hier muss man zuerst die Frage stellen: Wollen wir eine stärkere Integration? Wollen wir ein gemeinsames Sozialversicherungs-, Bildungs- und Pensionssystem? Ich denke, dass zuerst eine Konvergenz zwischen den einzelnen Staaten erreicht werden muss. Denn wenn die Mitgliedsländer des Euro auseinander driften, wäre das eine Gefahr für die gesamte Währungsunion.“

Was kommt zuerst?

Die Frage, die sich dabei stellt, ist: Würde eine stärkere Integration ebendieser Bereiche nicht genau zu Konvergenz führen? Oder sind die Unterschiede zwischen den einzelnen Staaten der Währungsunion (noch immer) zu groß, um solche Projekte umsetzen zu können? Was kommt zuerst: Henne oder Ei?

Im Finanzsektor wird die Integration in Form einer Bankenunion indes sehr wohl vorangetrieben, wenn auch nur schrittweise, wie Dijsselbloem betonte. „Hier werden Maßnahmen über acht Jahre hinweg implementiert, um Unterschiede nach und nach zu beseitigen.“

Auch in der Flüchtlingsfrage zeigte sich Dijsselbloem von der Notwendigkeit einer gemeinsamen europäischen Lösung überzeugt: „Wir müssen Solidarität zeigen und brauchen eine europäische Lösung.“

Ab und zu gemeinsam…

Es scheint, als sei Europa in einigen wenigen Fragen für gemeinsame Lösungen bereit – und in vielen nicht. Denn auch der Vorschlag eines Euro-Finanzministers, dem Schelling einiges abgewinnen konnte, kommt für den Niederländer zu früh. Dijsselbloem sieht bereits jetzt Schwierigkeiten mit der demokratischen Legitimität bei Entscheidungen innerhalb der Eurozone.

Die, möglicherweise essentielle, Frage, ob Konvergenz Integration rechtfertigen muss oder ob eine stärkere wirtschaftspolitische Harmonisierung die Euro-Mitgliedsländer nicht automatisch näher zusammenrücken lassen würde, blieb die Diskussion leider schuldig.

Foto: Michael Steindorfer

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Chief Editorial Team

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