"Ein Manager, der sich zurücklehnt, hat schon verloren" – Konica Minolta Chef im Interview

Seit 2013 leitet Johannes Bischof Konica Minolta Business Solutions Deutschland, die für Österreich und Deutschland zuständig ist.

Hierzulande ist der Konzern seit Beginn als Hauptsponsor beim Pioneer’s Festival aktiv und pflegt auch abseits davon den regen Austausch mit Start-ups. Wir sprachen mit Bischof über Innovation in großen Unternehmen, unruhigen Schlaf und wo die Musik spielt.

FORBES Austria: Konica Minolta ist seit langen Jahren Sponsor vom Pioneer’s Festival. Wie kommt’s?

Johannes Bischof: Wir waren von Anfang an dabei als einer der – wenn nicht der – Hauptsponsor. Das schon zu einer Zeit, als das Festival noch StartEurope geheißen hat. Ich bin überzeugt, dass sich Konica Minolta als traditionelles Unternehmen eng an junge Start-ups oder Ideen attachen sollte. Um Nutznießer zu sein, aber auch um solche Dinge wie Governance, Leadership oder Investitionen weiterzugeben. Wir schaffen es mittlerweile auch, diese Idee weltweit zu vermarkten.

Was meinen Sie damit?

In der Zwischenzeit kommen unsere R&D-Mitarbeiter aus Tokio sowie die Leiter der R&D-Abteilungen und nehmen hier in Wien an Pitches teil, um neue Ideen zu bekommen. Die ersten Erfolge sind da, wir haben da ganz konkrete Projekte. Ein Beispiel ist unsere Investition bei dem Salzburger Unternehmen Wikitude.

Wie groß ist Ihre Rolle bei diesen Vorgängen?

Ich sehe mich schon als denjenigen, der von europäischer Seite versucht, sich stark innovativ aufzustellen. Das gelingt uns, wir haben auch bereits Investments getätigt. Etwa in ein großes IT-Unternehmen in Stuttgart, womit wir unsere Ziele weiter verfolgen können. Einen nicht unbedeutenden Teil machen wir ja genau in diesem Umfeld von IT- und Managed IT-Services.

Wie schwierig ist es, als großes Unternehmen „innovativ“ zu sein? Wie hinderlich sind träge Strukturen und lange Entscheidungswege?

Wir müssen uns als „Big Player“ gewissermaßen neu erfinden. Trägheit hat dabei Vor- und Nachteile. Trägheit stabilisiert das System, deswegen sind wir als großes Unternehmen attraktiv für langfristige Zusammenarbeit. Sie ist aber kein Garant für Innovation. Mit unseren Business Innovation Centers haben wir es aber geschafft, die Innovation näher zum Kunden zu bringen. Denn nun gibt es fünf Standorte weltweit – das europäische Center ist in London – und nicht mehr, wie bisher, nur einen in Tokio.

Sie haben die Kooperation mit Wikitude angesprochen. Welche Chancen erhoffen Sie sich von Augmented Reality?

Wir stehen hier sicher noch am Anfang des Weges. Es wird nun mehr und mehr erkannt, dass Augmented Reality mehr als eine Spielerei ist. Hier gibt es viele Möglichkeiten – etwa die Wartung von Industrieanlagen, die sehr aufwändig ist. Alle Komponenten, die etwa in einem Kraftwerk zusammenarbeiten, müssten gewartet und auf dem neuesten Stand gehalten werden. Ein Riss in einem Rohr könnte so vielleicht das ganze Werk lahm legen. Das kann mithilfe von Augmented Reality automatisiert werden, da die Technologie beim Auffinden der Komponenten, die gewartet werden müssen, extrem hilfreich sein kann.

Der starke Fokus auf Start-ups legt den Schluss nahe, dass die hauseigene Forschungsabteilung zu wenig Erfolg hatte. Ist dem so?

Man beschäftigt sich in großen Unternehmen mit den Themen, die am Tisch liegen – aber bis zu einem gewissen Grad auch mit sich selbst. Das ist auf die Dauer aber ungesund, die Musik spielt draußen bei den Kunden. Insofern ist es wichtig, in den Business Innovation Centers und Start-ups neue Ideen zu entwickeln. Eine einzelne R&D-Abteilung in Tokio sitzen zu haben, die von dort aus zentral arbeitet, war uns schlicht zu wenig.

Sehen Sie einen möglichen Trade-Off zwischen Innovation und Profit?

Es gibt viele Beispiele, die zeigen, dass dem nicht so ist. Apple und Google geht es blendend und die sind auch innovativ. Die beiden Aspekte sind also gut verträglich. Wir glauben, dass wir mit dem Einstieg in höhere technologische Sphären unsere Wertschöpfung noch deutlich ausweiten können. Dazu müssen wir aber die Skills an Bord haben und daran arbeiten wir.

Können Sie trotz der zahlreichen verschiedenen Bereiche im Wissen, dass Sie Trends verpassen, überhaupt noch gut schlafen?

Wenn man als junger Manager ein Unternehmen übernimmt, muss man erstmal lernen, auch wieder gut schlafen zu können. Denn es ist tatsächlich so, dass man immer das Gefühl hat, etwas zu übersehen. Das ist aber auch ein gutes Gefühl. Denn ein Manager, der sich zurücklehnt, hat schon verloren.

Sie beschäftigen sich auch intensiv mit dem Arbeitsplatz der Zukunft. Wie sieht der aus?

Der Arbeitsplatz der Zukunft wird kein Ort sein, sondern mehr eine Situation. Die zeitliche Komponente wird sich stark verändern, Jobs von 9 bis 17 Uhr wird es viel weniger geben. Heutzutage sehen wir Gegensätze: wir haben einerseits eine gesetzlich stark regulierte Arbeitswelt; und auf der anderen Seite viele Menschen, die selbständig arbeiten wollen. Die wollen sich diesen Schranken nicht unterwerfen. Letztendlich wird man Aufgaben erledigen, zeitlich begrenzt, in einem Team, dass sich je nach Projekt verändert. Dieses Thema wird in unserer strategischen Ausrichtung immer wichtiger.

Zur Person: Johannes Bischof ist seit 33 Jahren in Management-Positionen in der internationalen IT-Industrie tätig. 2000 wurde der 56-jährige Geschäftsführer von Konica Minolta Österreich. Seit 2012 steht Bischof dem neu geschaffenen Cluster West vor. Im gleichen Jahr übernahm er auch die Geschäftsleitung der Konica Minolta Business Solutions Deutschland GmbH ein. Er hält unter anderem einen MBA von der Donau-Universität-Krems.

Konica Minolta CEO

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