Krieg der Maschinen

An sich ist der September ja dafür bekannt, dass er den Börsen gegenüber schon mal recht ruppig auftreten kann.

Was wir dieser Tage sehen, kommt aber einem Kursgemetzel gleich, das – zumindest in seinem Ausmaß – rational nicht erklärt werden kann.

Bemerkenswerterweise kommt diese Irrationalität aus einer Quelle von der man annehmen müsste, dass sie genau zu dieser Emotion nicht fähig ist. Warum? Weil sie schlicht nicht und nichts fühlen kann.

Die Rede ist von Maschinen. Von Computern. Von Trading-Programmen.

An sich laufen diese Modell nach dem schlichten Modell: Verluste begrenzen, Gewinne laufen lassen. Das klingt simpel. Wie es aber bei simplen Lösungen so oft der Fall ist, handelt es sich auch bei dieser um eine falsche. Denn diese automatischen Order haben einen Nachteil: Sie begrenzen Verluste nicht nur, sie garantieren sie auch. Mitunter vergrößern sie sie auch.

Das beste Beispiel: Die VW-Aktie. 40 Prozent Wertverlust in zwei Tagen. Kann das sein? Kann dieser Weltkonzern plötzlich nur noch knapp die Hälft von dem wert sein, was er es noch vergangene Woche war? Wohl nicht. Allerdings haben bei der Nachricht ein paar menschliche Trader auf den Sell-Knopf gedrückt. Das hat dazu geführt, dass diverse Stop-Loss Barrieren erreicht wurden. Ein erfahrener Händler hätte sich nach zehn Prozent Minus vielleicht gedacht “jetzt ist es aber gut”, die Maschine in ihrer Erbarmungslosigkeit führt aber nur den vorgegebenen Verkaufs-Befehl aus. Das geht natürlich rasend schnell. Und muss sequenziell abgearbeitet werden. So kann es passieren, dass eine Verkaufsorder zu einem Zeipunkt X ausgelöst wird, aber erst zu einem späteren Zeitpung Y realisiert wird, an dem der Kurs schon wieder zwei weitere Prozent tiefer notiert. Der Trade wird ausgelöst, es kommt am Markt eine entsprechend tiefere Kursbildung zustande, die wiederum – erraten – neue Stop Loss-Order auslöst.

Die Maschinen stürmen also mit voller Wucht ins Kurstal – Widerstand ist, wie manch‘ Trekkie unter den Tradern weiß, “futile”, also sinnlos. Die Volatilitäten sind entsprechend brutal.

Das Gute daran: So automatisch, wie die Verkaufsorder in Kraft treten, greifen schließlich auch die Kauforder. Es geht dann in der Regel stetig und – mitunter wieder – gegen jegliche Vernunft nach oben. Bewahrt man also die Nerven und wirft die jeweiligen Aktien nicht weg, wenn sie am günstigsten sind, kann man solche Talfahrten oft ganz gut durchtauchen. Ausgenommen davon sind natürlich Hebelprodukte jedweder Art. Hier verstärkt sich die Gefahr eines Totalverlustes massiv.

Der Krieg der Maschinen wird auf dem Schlachtfeld der globalen Finanzmärkte also irrationaler geführt, als es sich selbst der gefühlsduseligste Broker jemals gedacht hätte. Und das in jedwede Richtung.

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