Reden wir übers Geld

In Österreich war Crowdfunding bis jetzt im Graubereich. Seit Anfang September ist die Finanzierung einer Start-up Idee durch den „Schwarm“ zum ersten Mal reguliert.

Start-ups sind die Popstars des Unternehmertums – mit dem Potenzial ganze Märkte auf den Kopf zu stellen. Die meisten scheitern, manche machen aus ihren Gründern Milliardäre. Für viele Sinnbild eines American Dream. Denn meist schweift beim Thema der disruptiven Geschäftsmodelle unser Blick nach wie vor nach Amerika.

Da sind die echten Geldfabriken und Innovationsmaschinerien, wie Apple, Google oder Facebook zu Hause. Und dort gehts zugegebenermaßen um viel mehr Geld und Marktmacht als bei uns, im sehr viel kleineren Österreich. Ein prominentes Beispiel aus den USA ist der WhatsApp Exit. 2014 schluckte Facebook den Messaging Dienst um 19 Milliarden US-Dollar – vier Milliarden bar, der Rest wurde in Facebook Aktien abgegolten. Zum Vergleich: Runtastic wurde kürzlich für 220 Millionen Euro von Adidas gekauft. Einer der größeren Exits Österreichs der dagegen etwas mickrig aussieht. Trotzdem: In nur zwei Jahren hatte das Start-up der vier Oberösterreicher seinen Wert verzehnfacht.

„Die Größe der Deals hängt mit der Größe der Länder zusammen. Das Silicon Valley saugt viele Unternehmen an, primär wegen der großen Geldmengen. Gründer glauben dort am besten skalieren zu können. Es ist eine Intellectual-Property-Fabrik,“ erklärt Harald Mahrer, Staatssekretär im Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft im Gespräch mit FORBES Austria, im Rahmen der Technologiegespräche des europäischen Forum Alpbach.

Bis zum erfolgreichen Exit aber braucht es Geld – und davon nicht zu wenig.

Wo das Geld liegt

Nicht überraschend wies das Beratungsunternehmen EY in Sachen Risikokapital die USA mit Investitionen in der Höhe von 52,1 Milliarden US-Dollar im Jahr 2014 als Nummer eins weltweit aus – samt sattem Plus von 47 Prozent im Vorjahresvergleich. „In Österreich müssen Start-ups hart kämpfen, damit sie zumindest ein paar Brösel vom Risikokapitalkuchen bekommen“, so EY-Expertin Eva-Maria Berchtold, zur APA. Nur 27 Millionen US-Dollar (25,2 Mio. Euro) haben Risikokapitalgeber 2014 österreichischen Unternehmen zur Verfügung gestellt. Im Europavergleich ist Österreich auf Rang 19 von 40 untersuchten Ländern. 2014 hatte sich das Risikokapital in China mit 15,6 Milliarden US-Dollar verdreifacht und damit erstmals – dafür gleich haushoch – Europa überholt. Europa scheint beim Venture Capital ins Hintertreffen zu geraten.

Land in Sicht

Dem soll nun mit dem Alternativfinanzierungsgesetz entgegen gesteuert werden. Die Regierung rechnet mit zusätzlichen 65 Millionen Euro für Start-ups. „Ich begrüße das außerordentlich, dass wir nun im Bereich der Schwarmfinanzierung aufgeschlossen haben. Ich halte das für bestimmte Geschäftsmodelle, die beispielsweise eine starke Marketingkomponente aufweisen, für sehr spannend. Aber zu glauben, damit wäre die Kreditklemme der KMUs gelöst oder man könnte damit breitflächig die Bankenfinanzierung substituieren, wäre naiv. Es ist nach wie vor sehr komplex und auch nicht gerade günstig, wenn man sich die Gesamtkosten anschaut,“ so Werner Wutscher, New Venture Scouting-Geschäftsführer und Business Angel auf FORBES Austria-Anfrage.

Kleinanleger wie Du und Ich

Start-ups haben schon vorher den geldgewordenen Enthusiasmus des Kollektivs genutzt, um Ideen auf den Weg zu bringen ohne Kredite bei Banken aufzunehmen oder große Investoren in Entscheidungsebenen als Business Angels einzubinden. Was bis dato ein Graubereich war, wird nun in geregelte Bahnen überführt. Anleger dürfen pro Projekt pro Jahr maximal 5.000 Euro investieren – diese Grenze kann überschritten werden, verdient jener mehr als durchschnittlich 2.500 Euro netto. Und zwar, wenn Geldgeber erklären, nicht mehr als das Doppelte ihres Einkommens zu investieren, respektive zehn Prozent ihres Finanzvermögens. Damit will man Anleger schützen – nach wie vor sind Start-ups ein riskantes Geschäft: nur rund zehn Prozent aller Unternehmen schaffen den Durchbruch.

Außerdem wurden bürokratische Hürden abgeschwächt: erst ab fünf Millionen Euro soll die volle Kapitalmarkt-Prospektpflicht gelten – in der Regel weist ein Kapitalmarktprospekt Kennzahlen für Investoren im Detail aus. Die Grenze lag zuvor bei 250.000 Euro. Zwischen eineinhalb und fünf Millionen gibt es die Prospektpflicht „light“. „Damit sind wir sogar ein wenig Vorreiter,“ analysiert Werner Wutscher. Die Arbeiterkammer kritisierte, der Anleger sei zu wenig geschützt. „Die Debatte um den Kleinanlegerschutz ist die ewig österreichische Debatte, die davon ausgeht, dass man jedem Bürger einen Konsumenten- und Anlegerschützer zur Seite stellt. Es ist Risikokapital, das hier investiert wird und dessen muss sich jeder Anleger bewußt sein. Aber wir brauchen mehr Unternehmertum und Selbstverantwortung in diesem Land“, so Wutscher weiter.

Wettkampf

Auch wenn Start-ups zur Zeit als recht gehypt gelten, Österreich hat ihre Innovationskraft dringend nötig. „Wir sind eine kleine offene Volkswirtschaft die ungeheuer exportabhängig ist. Wir verdienen fast sechs von zehn Euro unserer Bruttowertschöpfung im Export. Wenn wir international mitmischen wollen, was Innovation und Kreativität betrifft, müssen wir dran bleiben. In vielen sehr hochspezialisierten Bereichen haben wir bereits Spitzenleute und -einrichtungen,“ sagt Harald Mahrer. Außerdem sei vielen die globale Dynamik nicht bewusst: bis 2022 werde China die USA an der Spitze der Forschungs- und Entwicklungsausgaben ablösen. Es bewegt sich viel und das schnell.

In Österreich will man in Zukunft jedenfalls mehr vom Kapital-Kuchen haben. „Wir arbeiten gerade an einem Modell für einen Venture-Capital-Freibetrag in der Einkommens- und Körperschaftssteuer für jegliche rechtliche Form von Anleger – sei es Privatperson, AG, GmbH, Privatstiftung und so weiter. Meiner Meinung nach wären 100.000 Euro auf einen Zeitraum von fünf Jahren gerechnet ideal. Also 20.000 jährlich“, so der Staatssekretär.

Alle Weichen sind also darauf gestellt für Start-ups attraktiver zu werden. Mit dem neuen Gesetz zu Crowdfunding hat man einen Schritt gesetzt.

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