Voestalpine: Renditen aus Stahl

Die Voestalpine ist eine der großen österreichischen Erfolgsstorys auf dem internationalen Parkett. Das war dem Unternehmen nicht in die Wiege gelegt…

Die Voestalpine ist eine der großen österreichischen Erfolgsstorys auf dem internationalen Parkett. Das war dem Unternehmen nicht in die Wiege gelegt.

Ein Freitag, der 13. trägt im westlichen Kulturkreis nicht den Nimbus von Glück und Erfolg in sich. Am Freitag, dem 13. Mai 1938 erfolgte in Linz mit großem Pomp der Spatenstich der „Hermann-Göring-Werke“. Es war quasi der „Geburtstag“ der Großmutter der heutigen Voestalpine. Auf der grünen Wiese und in einem Hochwassergebiet wurden ab 1941 Panzerteile gefertigt, was Linz rasch zum gern besuchten Ziel alliierter Bombenangriffe machte. Nach Kriegsende wurde das Unternehmen von den USA beschlagnahmt, mit einem neuen Namen, nämlich Vereinigte österreichische Eisen- und Stahlwerke, kurz VÖEST, versehen und später an die Republik Österreich zur treuhändigen Verwaltung übergeben. Das für heimische Begriffe riesige Unternehmen war dann auch die Basis für die „Verstaatlichte Industrie“, aus der die ÖIAG erwuchs – und gleichzeitig die Keimzelle für deren spätere Probleme.

Ab 1947 ging’s mit der VÖEST jedenfalls aufwärts, der Marshallplan wirkte wie ein warmer Sommerregen, Wiederaufbau war angesagt und Stahl höchst gefragt. Die Ingenieure zeigten, was sie konnten, und entwickelten das Linz-Donawitz-Verfahren zur Herstellung kohlenstoffarmen Stahls, mit dem noch heute mehr als 70 Prozent der Weltrohstahlproduktion hergestellt werden. Kohlenstoff macht das Material spröde, es bricht leichter; die Linzer hatten eine Technik zur Reife gebracht, mit der der Kohlenstoff quasi „ausgeblasen“ wurde. Wäre der Stahl, mit dem die Titanic zusammengenietet worden war, aus Linz gekommen, hätte das Schiff die Kollision mit dem Eisberg wahrscheinlich gänzlich unbeschadet überstanden. Zusätzlich zur überlegenenTechnik brachte das LDVerfahren auf Jahre hinaus einen Konkurrenzvorteil, weil sich damit die Kosten für Stahlherstellung und Investitionen gegenüber den bisherigen Verfahren um 30 bis 50 Prozent reduzieren ließen.

Es war in den 70er-Jahren, das Land wurde vom weisen „Sonnenkönig“ Bruno I. Kreisky regiert und Österreich galt noch als die „Insel der Seligen“ (© Papst Paul VI.), da machte sich eine Krise breit – und der unheilvolle Einfluss der Politik erfasste auch die VÖEST: Die wirtschaftlich in Bedrängnis geratene Alpine Montan AG wurde auf Druck von „oben“ in die VÖEST eingegliedert. Dem neuen Unternehmen verpasste man den Namen VÖESTAlpine. Damit hatten aber auch öffentliche Amtsträger Blut geleckt; die „Verstaatlichte“ wurde fortan vor allem zur Arbeitsplatzsicherung benutzt. Es war die Stunde der Multifunktionäre wie etwa VÖEST- „Betriebsratskaiser“ Franz Ruhaltinger, der wortgewaltig auch noch auf seine Pfründe bestand, als das Unternehmen längst unter seiner Schuldenlast zusammenzubrechen drohte. Erst einer der wenigen luziden Finanzminister, die die Republik hervorgebracht hatte, nämlich Ferdinand Lacina, säuberte mit einem Kahlschlag den Wildwuchs in der VÖEST-Alpine: Er feuerte nicht nur den gesamten Vorstand, sondern zog auch einen Schlussstrich unter das unsägliche Proporzsystem, das die Bestellung der Unternehmensführung von politischer Zugehörigkeit anstatt von wirtschaftlicher Qualifikation abhängig gemacht hatte. Neben einem Aderlass beim Personal und einer kräftigen Kapitalspritze wurde der gesamte Stahlbereich neu geordnet. Lacina schuf damit auch die Basis für den Börsegang der VÖEST-Alpine im Jahr 1995, wo der Staat das Unternehmen gleichsam aus seiner Umklammerung freigab. (Die letzten Staatsanteile wurden 2003 verkauft; Anm.). Das war dann auch der Beginn der Erfolgsgeschichte, die bis heute andauert.

Die heutige Voestalpine ist in vier Bereichen – Stahl, Bahnsysteme, Motion (ab Ende 2005 Automotive) und Profilform – weltweit tätig. Der einstige Pleitekandidat beschäftigt rund 48.500 Mitarbeiter in 50 Ländern rund um den Globus und verfügt über 500 Konzerngesellschaften und Standorte. Man setzt auf qualitativ höchstwertige Produkt- und Systemlösungen aus Stahl und anderen Metallen und ist als Nischenplayer dort erfolgreich, wo andere passen müssen. Insider meinen, dass bei Problemen, wo andere längst das Handtuch geworfen haben, die Ingenieure der Voestalpine ihre Lösungskompetenz beweisen. Der Erfolg der Voestalpine ist mit ihrem Steuermann, Wolfgang Eder, verknüpft: Seit 1978 im Unternehmen, hat er alle Höhen und Tiefen mitgemacht. 2004 wurde Eder CEO der Voestalpine; das hat die Expansion, allen Dumping-Angriffen aus Fernost zum Trotz, weiter beflügelt.

Neuester Schachzug des Masterminds: Er sicherte sich einen 500-Millionen-US-Dollar-Auftrag eines deutschen Premium-Automobilherstellers und will mehr als 60 Millionen US-Dollar in zwei Standorte in den Vereinigten Staaten investieren. An die 400 Arbeitsplätze sollen entstehen. Das ist auch ein wichtiger Schritt Eders hin zu seinem Ziel, bis 2020 den Voestalpine-Umsatz im NAFTA-Raum, der nordamerikanischen Freihandelszone, von 1,2 auf drei Milliarden Euro auszuweiten.

Das Umfeld ist aktuell schwierig; niedrige Stahlpreise sowie schwache Bestellungen aus der Öl- und Gasindustrie drücken auf die Bilanz: Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) sackte im ersten Quartal verglichen mit dem Vorjahreszeitraum um 27,6 Prozent auf 172 Millionen Euro ab. Der Umsatz sank um 7,6 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro, der Überschuss brach um fast zwei Drittel auf 101 Millionen Euro ein. Doch das ist der Blick zurück. Die Zukunft sieht rosiger aus: Für den weiteren Geschäftsverlauf ist das Management nämlich recht zuversichtlich. Die jüngsten Preiserholungen dürften zunehmend auch in den Konzernergebnissen ankommen. Auch im Öl- und Gasbereich erwartet die Voestalpine zumindest gegen Ende des im März 2017 auslaufenden Geschäftsjahres eine „gewisse Entspannung“.

Das alles schmeckt den Analysten, und so gibt es rundum Daumen, die nach oben zeigen: Die Société Générale bestätigte für die Voestalpine die Empfehlung „Halten“; das Kursziel wurde von 25,2 auf 31,9 Euro angehoben. Die Analysten von AlphaValue empfehlen „Add“ und sehen den Kurs der Aktie bei 34,2 Euro. Billiger geben es nur die Experten von Morgan Stanley: Hier lautet die Empfehlung „Equalweight“; das Kursziel liegt bei 29,3 Euro.

Unter dem Strich ist die Aktie der Voestalpine kein „Brüller“, wenn es um Kursgewinne geht: Sie pendelt heute rund 40 Prozent über dem Wert von vor zehn Jahren. Durchaus interessant ist aber die Dividendenrendite, die um die 3,5 Prozent liegt. Macht nach Abzug der KESt noch immer 2,5 Prozent – davon können Sparer nur träumen.

INFOS VOESTALPINE WKN: 897200 ISIN: AT0000937503 Marktkapitalisierung: 5,4 Mrd. € Kurs am 1. 9. 2016: 30 € KGV 2016e: 11,16 KGV 2017e: 9,60 Div.-Rend. 2016e: 3,32$% Div.-Rend. 2017e: 3,56$%

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