Rettende Zivilgesellschaft

Es ist keine schöne Richtung, in die die Diskussion rund um das Flüchtlingsdesaster sowohl in Österreich als auch in Europa gegangen ist.

Damit sind nicht das Schlepperunwesen und die damit begangenen Verbrechen gemeint. Auch nicht das offensichtliche Versagen des Föderalismus angesichts der katastrophalen Unterpferchungssituation in Traiskirchen – all das spielt sich an der Oberfläche einer Gesellschaft ab und kann mehr oder weniger rational, wenn auch unbefriedigend erklärt werden.

Wirklich besorgniserregend war in Wirklichkeit der breit ausgewalzte Hass, der von einigen Wenigen über soziale Medien kolportiert und dann im Rahmen der traditionellen Berichterstattung weitergetragen wurde. Die solcherart geäußerten Abscheulichkeiten sind hinlänglich bekannt – und haben auch uns in der Redaktion, gelinde gesagt, schockiert.

Die Frage stand im Raum, ob das wirklich unsere Gesellschaft sein kann. Die Antwort durfte nur lauten: Nein. Also haben wir uns umgehört und umgesehen. Und zwar dort, wo laut manchen nur die Margen zählen – also in der Wirtschaft. Wir haben einen Aufruf gestartet, um Beispiele für Hilfsbereitschaft in Österreich zu finden. Nicht, um die Probleme schönzureden – das wäre ein sinnloses Unterfangen –, sondern um einen Kontrapunkt zu setzen und den Menschen Mut zu machen, die sich für Menschlichkeit und Hilfsbereitschaft einsetzen.

Wir hoffen, uns ist das gelungen. Wenn Sie die ersten Seiten des Heftes durchlesen, sehen Sie gut organisierte Schlafstätten am Wiener Flughafen, ordentlich zusammengestellte Hilfskörbe von dm, Bildungsinitiativen und andere vorbildliche Projekte, mit denen Flüchtlingen, die bei uns gestrandet sind, ein menschenwürdigeres Dasein ermöglicht werden soll.

Die angespannte Lage der letzten Wochen hat mitunter das Schlechteste in uns zutage gefördert, sie hat schonungslos die Schwächen unseres Staates bloß gestellt, sie hat aber auch gezeigt, dass die Zivilgesellschaft bereit ist, einzuspringen, wenn Not am Mann ist. Egal, ob in Form der zahlreichen privaten Hilfsmaßnahmen oder in unternehmerischer Form.

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