Sparring der Generationen: Es geht darum gemeinsame Lösungen zu finden

Knapp 30 Lebensjahre trennen PSPDFKit-Gründer Peter Steinberger von Medizinerin Karin Gutiérrez-Lobos.

Knapp 30 Lebensjahre trennen PSPDFKit-Gründer Peter Steinberger von Medizinerin Karin Gutiérrez-Lobos. Beide haben sich beruflich selbst verwirklicht und es geschafft, sich finanziell gut abzusichern.

Forbes Austria hat den jungen Techniker und die erfahrene Fachärztin zum verbalen Schlagabtausch in den Boxring geladen. Angesichts der Herausforderungen, die eine immer älter werdende Gesellschaft mit sich bringt, sind sich die Sparringpartner jedoch schnell einig, dass es zukünftig nicht darum gehen wird, Jung gegen Alt auszuspielen, sondern darum, gemeinsame Lösungen zu finden.

Wie präsent sind die Themen Pension und Ruhestand in Ihrem täglichen Leben?
GUTIÉRREZ-LOBOS: Sie sind natürlich präsent, denn gerade an den Universitäten oder auch in der Medizin geht es im Zuge des demografischen Wandels darum, wie man die Erfahrung der Älteren, die einen Wert hat, retten kann, ohne dem Nachwuchs die Chancen, Arbeitsplätze und Möglichkeiten zu nehmen. Es wird sicherlich eine gesellschaftliche Aufgabe sein, die Generationen nicht gegeneinander auszuspielen.
STEINBERGER: Ich werde dieses Jahr 30 Jahre alt und da ist die Pension überhaupt noch kein Thema. Doch meine Mutter hat mich alleine aufgezogen, steht jetzt kurz vor der Pension und konnte immer nur halbtags arbeiten, weil sie sich um mich gekümmert hat. Ihre Pension ist jetzt sehr mager und nicht einmal vierstellig. Es ist mir persönlich möglich, ihr unter die Arme zu greifen und zu helfen, doch es ist bestimmt nicht jeder in dieser Situation, und da kann es durchaus einmal knapp werden.
GUTIÉRREZ-LOBOS: Das ist ein wichtiger Punkt. Es geht nicht nur darum, welchen Beruf man gemacht hat. Eine angenehme Pension ist auch eine Geschlechterfrage.

Frau Gutiérrez-Lobos, Sie sind unter anderem Expertin im Bereich „Gender Medicine“. Inwiefern gehen die Geschlechter unterschiedlich an das Thema Altersvorsorge heran?
GUTIÉRREZ-LOBOS: Wenn ich schon prekär gearbeitet habe, werden die Ressourcen in der Pension nicht anders aussehen. Frauen sind zudem gesundheitsbewusster, achten mehr auf die Ernährung, werden älter, und es hängt auch davon ab, wie man sich auf das Altern einstellt. Gesellschaftliche Tendenzen wie Schönheits- oder Jugendwahn – obwohl die Männer da jetzt nachziehen – sind sicherlich Dinge, die Frauen lange Zeit beeinträchtigt haben, da sie das gute Altern an den Rand gedrängt haben.
Oberflächlichkeiten sind diesbezüglich bestimmt nicht zielführend. 2030 wird mehr als ein Drittel der Menschen über 65 sein, und das ist eine große Gruppe an Personen, die die Gesellschaft gestalten werden. Man wird sich überlegen müssen, wie man ältere Menschen auch beruflich und über das Pensionsalter hinaus stärker integriert und Kooperationen mit den Jungen verstärkt.

Wie lange werden Sie arbeiten?
GUTIÉRREZ-LOBOS: Bis ich umfalle. Ich möchte arbeiten, solange ich kann und gesundheitlich fit bin. Da hat man es in meinem Job leicht, denn als Arzt kann man ja auch freiberuflich tätig sein.
STEINBERGER: Es gibt diese fixen Grenzen, wo man plötzlich aus der Arbeit gekickt wird, weil man 65 Jahre alt oder zu teuer ist. Andererseits ist es, wenn man ein gewisses Alter hat, sehr schwierig, noch einen Job zu finden. Doch ich kann den Unternehmern nicht einmal böse sein, denn wenn ich in der Situation wäre und weiß, dass ich diesen Menschen nur mehr ein paar Jahre anstellen kann, dann ist es nicht besonders attraktiv, in diese Person zu investieren. Idealerweise möchte man, dass die Leute länger bei einem bleiben.
GUTIÉRREZ-LOBOS: Mit speziellen Modellen zur Wiedereingliederung wird es älteren Leuten möglich gemacht, etwas weniger zu arbeiten, aber doch zu arbeiten. Das ist gut für das Selbstwertgefühl und für die geistige und körperliche Gesundheit. Es gibt einige Projekte von Unternehmen, die damit gute Erfahrungen gemacht haben. Was aber nicht geht, ist, dass sich der Staat aus der Verantwortung stiehlt und es gleichgültig wird, was ein älterer Mensch in der Pension macht.

 

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Haben Sie bewusst Vermögen veranlagt, um im Alter gut leben zu können?
STEINBERGER: Ich habe durchaus ein bisschen vorgeplant und darüber nachgedacht, weil die Firma derzeit gut läuft und wir trotzdem in einem Hochrisiko-Segment arbeiten, wo man die nächsten fünf Jahre nicht voraussehen kann. Derzeit gibt es zu wenige Entwickler am Markt und man kann dadurch einen guten Preis erzielen, aber was ist, wenn sich das ändert? Ich habe daher klassisch eine Wohnung gekauft, die wir jetzt als Büro verwenden, die aber so angelegt ist, dass man sie auch als Wohnung verwenden könnte. Wir sind auch ein bisschen konservativer, was das Firmenwachstum angeht, und versuchen, immer so viel Budget flüssig zu haben, dass wir selbst, wenn alle Einnahmen stoppen würden, unsere Mitarbeiter mindestens ein halbes Jahr weiterbeschäftigen könnten. Es ist mir wichtig, dass wir genug Rücklagen bilden, weil wir auch Mitarbeiter mit Familien und Kindern haben.
GUTIÉRREZ-LOBOS: Ich habe auch eine Wohnung, aber keine großartigen Reichtümer und habe viel in Bildung und Ausbildung investiert, etwa in die meines Sohnes.

Herr Steinberger, Sie setzen für Ihr Unternehmen PSPDFKit auf Bootstrapping, also Eigenfinanzierung. Wie nachhaltig ist diese Entscheidung?
STEINBERGER: Wir haben bisher keine Investoren in die Firma gelassen, obwohl es in letzter Zeit einige Angebote gegeben hat. Dazu eine Anekdote: Im März habe ich beim Austrian-Start-ups-Stammtisch über Bootstrapping geredet, meine Geschichte erzählt, und auch, was es bedeutet, am Anfang alleine zu arbeiten und 20 Hüte gleichzeitig zu tragen. Trotzdem wollten in der Fragerunde die meisten nur wissen, wo man Investoren findet und was man ihnen am besten erzählt. Keiner dort wollte hören, dass man auch reinbeißen und Opfer bringen muss. Langfristig ist es gut für das Unternehmen, da wir ohne Investor Entscheidungen treffen können, und wir müssen uns auch nicht so positionieren, dass sich jemand einkaufen möchte. Obwohl es mehrere Angebote gegeben hat, über die ich auch nachgedacht habe, ist es mir am liebsten, gar kein Angebot zu kriegen, das mir den Schlaf rauben könnte. Im Moment möchte ich nichts ändern.

Sie sind erst relativ spät zum iPhone-Nutzer geworden und haben aus Begeisterung gleich eigene Anwendungen programmiert. Sind Sie nun „Early Adopter“?
STEINBERGER: Wenn man technisch interessiert ist, ist man im Prinzip immer ein Early Adpoter. Für mich ist es natürlich wesentlich einfacher, gewisse Dinge schon früher auszuprobieren. Apple ist für uns ein wichtiger Partner und wir werden schon auch mal eingeladen, neue Produkte zu testen, um unsere Software anzupassen.
GUTIÉRREZ-LOBOS: Das ist zum Beispiel eine Sprache, die von älteren Menschen gar nicht mehr verstanden wird, und man weiß, dass Menschen mit 65 Jahren weltweit zwar schon Internet, aber kaum Social-Media-Tools oder Apps nutzen. Dabei gibt es auch für ältere Menschen in diesem Bereich schon tolle Angebote, Hilfen und Möglichkeiten.

Letzte Frage: „Das letzte Hemd hat keinen Sack.“ Was genau bedeutet dieser Spruch für Sie?
STEINBERGER: Man kann nichts mitnehmen! Mein Lebensziel ist es auch nicht, Reichtümer anzuhäufen, sondern dass ich meine Mitarbeiter gut behandle und sie besser bezahle, als ich müsste. Das ist mir wichtiger, als noch eine Wohnung zu kaufen.
GUTIÉRREZ-LOBOS: Am Ende wird das Wichtigste sein, dass man eins ist mit dem, was man sich vorgestellt hat, und gute Beziehungen mit Freunden und der Familie führt. Ich glaube auch, dass man sonst nichts nachhaltig irgendwohin mitnehmen kann.

 

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