Ein Steve Jobs, made in Austria

Hermann Hauser wird als Steve Jobs des United Kingdom bezeichnet. Wir haben ihn getroffen.

Apple Watch am Handgelenk, Tesla in der Garage und ein Vermögen durch Mikroprozessoren: Man ahnt, woher der Vergleich kommt. In Alpbach traf FORBES Austria den Mann, der seinem Nachbarn Stephen Hawking dessen erste Stimme gab.

FORBES: Herr Hauser, in Ihrer Brust schlagen zwei Herzen. Sie sind in Österreich geboren und aufgewachsen, Karriere gemacht haben Sie aber in England. Wie sehen Sie Ihre Entscheidung, auszuwandern, heute?

HERMANN HAUSER: Wissen Sie, als ich vor 20 Jahren einen Vortrag über Risikokapital in Wien gehalten habe, war ich mit massiver Skepsis konfrontiert: Wie kann ich als Business Angel einen Teil einer Firma haben wollen und gleichzeitig beraten, Mentor sein und mitbestimmen wollen? Die Engländer sind da ganz anders. Da gab und gibt es eine Schlange von Leuten vor meinem Büro, die genau das wollen. In den letzten fünf Jahren hat sich die österreichische Haltung aber stark geöffnet.

Hermann Hauser Forbes

In Österreich wurden Wirtschafts- und Wissenschaftsministerium unter großem Aufschrei zusammengelegt. Verstehen Sie die Sorge um die Kommerzialisierung der Wissenschaft?


Wissen Sie, ich komme gerne nach Österreich – nur ist hier alles von Dogmen infiziert. Es ist doch das Gegenteil von problematisch, diese Ministerien zusammenzulegen! Wir haben ja auch in angelsächsischen Ländern viele Drittmittel, die an Unis gehen. Wenn ich mir die global führenden Professoren anschaue, wie meinen Freund Richard Friend, der beinahe den Nobelpreis gewonnen hätte, dann interessiert den sehr, ob seine Forschung wirtschaftlich verwertet werden kann. Natürlich lässt er sich von der Wirtschaft nicht vorschreiben, woran er forscht und in welche Richtung es geht. Wenn es aber große Themen wie das Energie-, das Klima- oder das Solarenergieproblem gibt, will er etwas beitragen. Dieser Gedanke motiviert ihn und er nimmt auch Geld dafür. Es ist ja auch sinnfrei, wenn Wirtschaft und Wissenschaft entkoppelt voneinander arbeiten. Ideen, die in der Wirtschaft keinen Markt finden, müssen aus öffentlichen Mitteln finanziert werden. Bei allen anderen Projekten muss man Unternehmen und Unis verbinden.

Wie sieht die ideale Verschränkung beider Welten aus?


Die Gründung von Unternehmen im universitären Rahmen muss flexibler werden, die Zusammenarbeit mit Firmen intensiviert. Eine Firma könnte in einem Institut starten, dort sechs Monate bleiben und dann in Büros nahe des Campus übersiedeln. Nach zwei Jahren würde sie dann in einen „Science Park“ übersiedeln. Diese stufenweise Entwicklung ist wichtig.

Sie waren in Wolfgang Schüssels Advisory Board. Würden Sie Werner Faymann auch beraten? Was würden Sie ihm vorschlagen?

Natürlich würde ich Werner Faymann auch beraten. Ich würde das Dogma, dass alle studieren können, abschaffen. Es ist eine sozialistische Illusion, dass das gut für die Gesellschaft ist. Wenn man das systematisch durchdenkt, nicht dogmatisch, sieht man, dass es Studenten gibt, die eigentlich nicht studieren sollten oder es nicht wirklich wollen. Die werden dann auch noch von jenen, die arbeiten, statt zu studieren, subventioniert. Gleichzeitig ist die Betreuung derer, die wirklich studieren wollen, mangelhaft, weil es zu viele Studenten gibt und Ressourcen fehlen. Das nützt doch niemandem. Ich wäre generell für einen Numerus Clausus oder Aufnahmetests, wie es sie in Österreich schon in manchen Studienrichtungen gibt.

Ihre ARM-Prozessoren befinden sich in jedem iPhone. Was verbindet Sie mit dem wertvollsten Unternehmen der Welt noch?


Ich erzähle Ihnen eine Geschichte, die nur wenige kennen: Ich werde ja „Steve Jobs des United Kingdom“ genannt. Wir waren mit Acorn Computers Konkurrenten von Apple. In den 80er-, 90er-Jahren hatten wir probiert, ARM (Anm.: Acorn RISC Machine) auszugliedern, weil kein Hardware-Konzern einen Mikroprozessor von einem Konkurrenzunternehmen kaufen wollte. Dafür, den Chip selbst weiter zu entwickeln, war die Firma aber zu klein. Drei Jahre wollte uns niemand Geld für ARM geben. Dann hat uns Apple 1,5 Millionen US-$ für 43 Prozent angeboten. ARM hat sich gut entwickelt – mittlerweile ist die Firma 25 Milliarden US-$ wert. Unter John Sculley (Anm.: CEO von Apple zwischen 1983 und 1993) geriet Apple dann in Schwierigkeiten, wäre beinahe pleite gegangen. Sculley hat geschrieben, wenn er damals die Anteile nicht für 800 Millionen US-$ verkaufen hätte können, wäre Apple gescheitert. Wir haben also als früherer Konkurrent von Apple dazu beigetragen, dass es sie heute überhaupt noch gibt. Besonders stolz bin ich trotzdem auf den BBC Micro. Mit ihm habe ich Stephen Hawking seine erste Stimme gegeben.

Sie tragen eine Apple Watch und fahren Tesla. Wie sehen Sie neue Technologien?


Ich bin ein absoluter Geek. Fast hätte ich mein Studienfach zu künstlicher Intelligenz (AI) gewechselt. Sie hat sich übrigens in den letzten drei Jahren unglaublich rasant entwickelt. Ich bin überzeugt, dass wir 2050 Superintelligenzen haben werden.

Das klingt nach Science-Fiction. Haben Sie keine Angst vor künstlicher Intelligenz?


Ich beschäftige mich, wie Stephen Hawking oder Elon Musk, mit AI. Angst haben wir nicht, man muss richtig lesen, was Stephen gesagt hat: Maschinelles Lernen ist das größte, was die Menschheit hervorgebracht hat, und hoffentlich nicht das letzte. Wir müssen uns gut überlegen, wie wir mit Superintelligenzen umgehen. Eine Initiative, die genau das macht, heißt CSER (Center for Study of Existential Risk). Wir behandeln dort die Frage, wie wir die AI dazu bringen, das Ziel zu verfolgen, das wir ihr vorgeben. Denn genau in der Definition der Ziele sind wir Menschen extrem schlecht. Eigentlich müssten wir der AI folgenden Befehl geben: „Finde heraus, was ich wirklich will. Denn ich selbst weiß nicht, ob ich das weiß.“

FOTOS: Luzia Puiu

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