Superfoods: Eine Frage der Beere

Superfoods wie die asiatische Goji-Beere erobern den Lebensmittelmarkt.

FORBES Austria hat vier junge Unternehmen besucht, die das große Potenzial der omnipotenten Nahrungsmittel auch wirtschaftlich für sich entdeckt haben.

Chia, Goji, Matcha und Acai klingen eigentlich wie die Namen der Heldinnen einer japanischen Anime-Serie. Irrtum! Alle vier sind Lebensmittel, die sich aufgrund ihres außergewöhnlichen Nährstoffspektrums und ihrer teils medizinisch wirkenden Inhaltsstoffe von allen anderen Lebensmitteln unterscheiden. Experten bescheinigen diesen „Superfoods“ fast durchwegs Höchstgehalte an spezifischen Nährstoffen (siehe Auflistung am Ende des Artikels).

Der Begriff Superfoods wurde vom amerikanischen Ernährungsspezialisten David Wolfe geprägt, der die hochwertigen Beeren, Samen, Nüsse oder Pflanzen auch als Nahrungsergänzungsmittel entdeckt hat. „Superfoods gibt es schon lange, der Name hat sich allerdings erst in den letzten Jahren vor allem durch intensive Medienberichterstattung verbreitet und etabliert. Mit ein Grund für die zeitliche Verzögerung ist, dass sie meist exotisch und oft schwer zu ernten sind und häufig lange Transportwege haben“, erklärt Ernährungswissenschaftlerin und -beraterin Julia Pabst.

Eines der ersten in Mitteleuropa etablierten Super- oder auch „Functional Foods“ war die asiatische Goji-Beere, das einzige bekannte Lebensmittel, das die körpereigene Produktion von Wachstumshormonen anregt. Sie soll außerdem 21 Spurenelemente enthalten, die es aufgrund ausgelaugter landwirtschaftlicher Böden in unseren Breiten kaum noch gibt. Die schrumpeligen Beeren werden als natürliche Verjüngungskur angepriesen – Popstars wie Madonna schwören deshalb darauf und knabbern sie angeblich täglich. In den letzten Jahren befindet sich die rote Wunderfrucht, die bei uns schmucklos Bocksdorn heißt, in immer besserer Gesellschaft, denn weitere Superfoods haben den Einzug in unsere Supermarktregale geschafft.

SUPERFOOD-UNTERNEHMER

Das kürzlich in Wien gegründete Handelsunternehmen Green Panda vertreibt im Monat rund zwei Tonnen verschiedener Superfoods in Österreich und Deutschland. „Wir sind mit unseren Produkten im Moment in rund 1.200 Supermärkten in ganz Österreich vertreten“, erzählt der gebürtige Südtiroler Rudolph Pöhl. Während einer Südamerika-Reise ist er auf Chia gestoßen. Die unscheinbaren Samen waren für die Maya Grundnahrungs- und Heilmittel in einem, da sie überdurchschnittlich viel Eiweiß enthalten und ein gutes Verhältnis von Omega-3- zu Omega-6-Fettsäuren liefern.

Heute importiert der Jungunternehmer gemeinsam mit seinem Partner Paul Pallweber Bio-Superfoods aus der ganzen Welt. „Chia, Maca und Acai kommen beispielsweise aus Südamerika, Goji-Beeren beziehen wir aus Usbekistan. Nur die Leinsamen werden zu 100 Prozent in Österreich hergestellt“, erklärt Pallweber. Die angelieferten Kilosäcke werden in Niederösterreich von einem veganen Bio-Abfüller in bunte, nachhaltige Verpackungen portioniert. „Bisher war es die größte Herausforderung, gute Lieferanten zu finden, die gute Rohstoffe in guter Qualität anbieten. 95 Prozent auf dem Weltmarkt fallen schon aufgrund fehlender Zertifizierungen durch. Wir sind dabei die Bittsteller und über den Preis braucht man gar nicht erst diskutieren“, schmunzelt Pöhl.

Bisher hat die Markteinführung mit Eigenfinanzierung und der Unterstützung von „Friends, Fools and Family“ optimal geklappt. „Die Ernährungsgewohnheiten unserer Kunden verändern sich im Moment stark in Richtung gesunder Lebensmittel“, sagt Pallweber, und sein Geschäftspartner ergänzt: „Bislang können wir aus dem Cashflow wachsen, doch bald suchen wir einen Investor, der uns auch mit Know-how unterstützt, die nächsten Schritte anzugehen“, so Pöhl, der in diesem Jahr mit 300.000 € Umsatz rechnet.

JUNGBRUNNEN ZUM TRINKEN

Dass es mit einem gesunden Produkt gar nicht so leicht ist, in Österreich Fuß zu fassen, musste Armin Breinl in den letzten Jahren erfahren. „Ein Markteintritt kostet fünf bis zehn Millionen €. Das ist als Einzelunternehmer fast nicht finanzierbar“, sagt er. Der Grazer Gynäkologe hatte während eines Anti-Aging-Kongresses die Idee, verjüngende und kräftigende Substanzen in einem natürlichen Getränk zu vereinen. Gemeinsam mit seinem Arztkollegen Martin Metka entwickelte er die Marke „2b“, die mittlerweile mit Getränkedosen in zwei Geschmacksrichtungen in nahezu allen großen Supermärkten vertreten ist. Zu natürlichem Fruchtsaft mischt Breinl Aminosäuren und Su- perfoods wie Gelée royale, Ginseng, Granatapfel oder auch Maca. Letzteres ist eine Knolle aus dem Hochland Südamerikas, die schon von den Inkas als natürliches Aphrodisiakum eingesetzt wurde und als stärkender Nahrungszusatz besonders bei Potenzproblemen, Libidomangel und schwindender Leistungsfähigkeit wirkt. „In den letzten Jahren haben wir bereits zwei Millionen Dosen verkauft, die bei Starzinger in Frankenmarkt abgefüllt werden“, erzählt der Frauenheilkundler.

2013 wurde seine Marke bei der deutschen Ernährungsmesse Anuga mit dem „Taste 13“, einem Innovationspreis, ausgezeichnet. „Andere kaufen sich einen Porsche oder ein Zweithaus. Ich habe mein Geld lieber in das Produkt gesteckt“, sagt der Mediziner, der seine Säfte selbst täglich mehrmals trinkt.

Auch Thomas Grömer ist Superfood-Überzeugungstäter, auch er genießt seine Produkte selbst. Zwei Liter grüner Tee und zwei bis drei Schalen Matcha täglich sind bei ihm die übliche Ration. „Eine Schale Matcha hat so viele positive Inhaltsstoffe wie zwei Liter Grüntee“, erklärt der Tee-Experte. Matcha besteht aus erlesenen, fein gemahlenen Grüntee-Blättern und wird in Japan schon seit dem 12. Jahrhundert als Heilmittel eingesetzt, das früher nur einer Elite zugänglich war. Die hohe antioxidative Wirkung macht es zum Superfood innerhalb der Teewelt. Grömer, Europas einziger ausgebildeter Experte für japanische Tees – in Japan gibt es einen Lehrgang „Tea Science“ –, hat seine Marke „Kissa“, die neben verschiedenen Grüntees, Rooibos oder auch Schwarztee vor allem Matcha vertreibt, im März dieses Jahres gelauncht. Kissa steht in Japan für das zeremonielle Teetrinken.

Bisher konnten 100.000 Dosen Tee zu nicht gerade preiswerten 16 bis 18 € je Stück verkauft werden. „Wir werden 2015 unsere selbst gewählte Latte von einer Million € Umsatz übertreffen. Unsere Wachstumsrate ist beachtlich, doch es gibt ein Limit: Weltweit werden jährlich etwa fünf Millionen Tonnen Tee produziert, davon sind 2.000 Tonnen Matcha und vielleicht 50 bis 100 Tonnen in Bioqualität“, so der Tee-Unternehmer. Der Tee für Kissa wird im Südwesten Japans an den Vulkanhängen des Kirishima-Kinkōwan-Nationalparks angebaut. „Ich habe einen direkten Draht zum dortigen Teebauern und kann direkt auf die Art und Weise der Teeproduktion Einfluss nehmen“, so Grömer.

GESUNDE SNACKS IM BÜRO

Superfoods sind also vermehrt in guter Qualität auch hierzulande erhältlich. Sie haben einen hohen Nährwert und ihnen wird eine positive Wirkung bei der Vorbeugung gegen Alzheimer, Diabetes, koronare Herzkrankheiten und Krebs nachgesagt. Klingt zu schön, um wahr zu sein. „Diese speziellen Nahrungsmittel als Unterstützung zu gesunder Ernährung einzunehmen ist absolut gerechtfertigt. Superfood kann aber immer nur einen Beitrag zur gesunden Lebensweise liefern, nicht aber schlechte Essgewohnheiten ausgleichen“, relativiert Ernährungsexpertin Julia Pabst.

Auch für eine umfassend gesunde Ernährung am Arbeitsplatz und für zwischendurch ist dank „Treats“, einem innovativen Wiener Start-up, das auch im Rennen um die Start-up Academy ist, inzwischen gesorgt. „Ich habe während meines Ernährungswirtschaftsstudiums bemerkt, dass es viele tolle Snacks gibt, die aber nicht den Weg zum Konsumenten finden, da dieser nicht ausreichend Zeit hat, sich damit auseinanderzusetzen“, erzählt Mitgründerin Camilla Sievers.

Ende September ist ihr Webshop, über den man sich individuell abgestimmte Snackboxen gefüllt mit Schokoriegeln, Kokoschips oder getrocknetem Bio-Fleisch bestellen kann, online gegangen. In den ersten vier Wochen am Markt konnten 400 dieser Boxen zwischen 13,5 und 14,5 € abgesetzt werden. Für Unternehmen hat sie mit ihrer Partnerin Ines Grangl und einer Designerin auch schmucke Snackmaschinen (s. Bild) entwickelt, die per Tablet und einer speziell entwickelten App persönliche Vorlieben und Bedürfnisse aufnehmen und so den idealen Snack ermitteln. Dieser kann dann gleich gekauft und entnommen werden. „Im Moment werden zwei dieser Automaten bei der Werbeagentur Jung von Matt und bei Siemens getestet. 15 weitere Firmen warten darauf, dass wir unsere Maschinen aufstellen. Vor allem in der IT, im Pharma- und Medizinbereich, den Creative Industries sowie im Bereich Consulting sind gesunde Snacks sehr gefragt. Da müssen die Leute oft lange arbeiten und brauchen Brainfood“, sagt die Jungunternehmerin.

ACAI-BEERE – Brasilien
. Die kleine Beere soll den Stoffwechsel ankurbeln. Wegen des hohen Gehalts an Antioxidantien gilt sie auch als Jungbrunnen.

CAMU CAMU – Südamerika. 
Enthält Kalzium, Phosphor, Kalium, Eisen, die Aminosäuren Serin, Valin und Leucin und soll die Konzentration fördern und für gute Laune sorgen.

CHIA-SAMEN – Mexiko. 
Ihre Stärke besteht darin, Säuren und Giftstoffe zu binden und auszuleiten. Darüber hinaus beinhalten sie außergewöhnlich hohe Werte an Kalzium, Antioxidantien, Kalium, Eisen, Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren.

FLOHSAMENSCHALEN – Indien und Pakistan. 
Ihr Verzehr unterstützt die Herz- und Gefäßgesundheit und beugt Krankheiten vor, die zum Metabolischen Syndrom führen können.

GOJI-BEERE – China, Mongolei. 
Beinhaltet eine Kombination aller lebenswichtigen Nähr- und Vitalstoffe sowie eine Vielzahl sekundärer Pflanzenstoffe. Soll verjüngend wirken.

HANF – China, Indien. 
Hanfsamen bestehen zu bis zu einem Viertel aus hochwertigem Protein in Form essenzieller Aminosäuren und enthalten die seltene Gamma-Linolen-säure, die u. a. entzündungshemmend wirkt.

KAKAO – Süd- und Mittelamerika
. Rohe Kakaobohnen enthalten unter anderem hohe Mengen an Eiweiß, Eisen, Zink, Kupfer, Omega-6-Fettsäuren, Magnesium und Antioxidantien – ein Mix, der vitalisierend wirken und für jede Menge Glücksgefühle sorgen soll.

MACA – Südamerika
. Die Knolle galt bei den Inkas als königliche Mahlzeit, soll als Aphrodisiakum und der Leistungssteigerung dienen und Potenzprobleme bekämpfen.

MATCHA – Japan
. Der Tee hilft u. a. beim Abnehmen und wirkt positiv auf den Stoffwechsel.

SPIRULINA ALGEN – Südamerika
. Die Algen sollen das Leistungsvermögen steigern und gegen Allergien helfen.


Text: Barbara Duras


Fotos: Matthias Hombauer , beigestellt
Negative Space Stock (CC)

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