Warum das Start-up FoodNotify nach Tel Aviv ein Investment absagte

Thomas Primus, Gründer und CEO des Start-ups FoodNotify erzählt bei Forbes Austria exklusiv über seine Teilnahme an „Go Tel Aviv“.

Am 7. Mai reisten wir nach Tel Aviv, um fünf Wochen lang in einem komplett neuen Setting an unserem Unternehmen zu arbeiten. Nach einem Tag Eingewöhnung machten wir uns an einem Sonntag an die Arbeit. Ja, richtig gelesen: Am Sonntag. In Tel Aviv beginnt die Woche nämlich einen Tag früher. Gemeinsam mit den anderen Start-ups aus Österreich, die einen Platz bekamen (Beavr, Gensoup, Onlim, Startup-Live, Lumika, Zippr und Ikarus) saßen wir drei Tage die Woche, vier Wochen lang, von 09:00 bis 18:00 Uhr in der Universität von Yaffa – wieder zurück auf die „Schulbank“ also.

Jede Woche gab es einen anderen Schwerpunkt, auch im Austausch mit israelischen Start-ups bekamen wir viel Input. Unsere Mentorin Noga Kap, selbst Serial Entrepreneur und Professorin an dieser Universität, hat uns begleitet und geholfen, Ideen vor Ort zu sondieren. Sie hat außerdem Kontakte zu Unternehmen, die zu uns passen könnten, hergestellt.

In Tel Aviv kommt man, wenn es ums Geschäft geht, sehr schnell zum Kern der Sache. Hier lebt man, dass Gründen etwas sehr Persönliches ist. Jeder Gründer muss zu 100 Prozent hinter seiner Idee stehen. Entscheidungen trifft man sehr schnell, die Entschlossenheit ist ansteckend – es gibt kein „probieren wir mal“, nur ein „ganz oder gar nicht“. Fehler sind keine Option. Wir analysieren also gleich in den ersten Sessions, wo wir mit unserem Unternehmen stehen und wo wir hinsteuern wollen. In kürzester Zeit bin ich ich mir wieder völlig sicher, das Unternehmer zu sein das Richtige für mich ist. Zudem merke ich, woran es in meinem Management zuletzt fehlte. Wir hatten uns total auf das Produkt fokussiert und darauf verlassen, dass unsere Partner uns an den Kunden bringen, unsere Folder mitnehmen und erklären wie FoodNotify funktioniert. Wir hatten also niemanden im Marketing, das muss sich in Zukunft ändern. Kundensegmentierung hatten wir nicht auf dem Schirm und auch die strategische Ausrichtung bezüglich (potenzieller) Partner ist verbesserungswürdig. Von der Finanzierung über Marketing bis hin zur Strategie in der Mitarbeiterführung: Alles wurde neu erhoben, reflektiert und besprochen, wie man es verbessern kann. Wir haben jetzt viele neue Herangehensweisen und Ziele.

Nach der internen Analyse beschäftigen wir uns mit der Frage, welche Märkte für FoodNotify interessant sind. Schnell konzentrieren wir uns auf die USA. Viele Start-ups hier nutzen Israel als Testmarkt, und gehen nach Nordamerika. Wir bekommen schon nach der ersten Woche Gelegenheit, unsere Unternehmensidee mit US-Kontakten zu diskutieren. Überhaupt stehen viele Meetings mit Networking auf dem Programm, der gewonnene Input lässt sich also gleich im Feldtest ausprobieren. In Tel Aviv kann man schnell so Einiges weiterbringen, denn die Wege sind direkt und damit kurz. Wie viele Geschäftskontakte man trifft und was man ergo alles vorantreiben kann, basiert immer noch auf Eigeninitiative. Die öffentlichen Stellen geben einem Möglichkeiten, indem sie Kontakte herstellen und 80 Prozent der Kosten übernehmen, maximal aber 5.000 €. Das Meiste aus der Reise herauszuholen liegt aber an einem selbst.

Go Tel Aviv“ war viel Input, der sich sofort auch auf das eigene Unternehmen anwenden ließ. Fünf Wochen verschieben Perspektiven und brechen Alltag auf. Das tut einem selbst und in weiterer Folge auch dem Unternehmen gut.

Schlussendlich haben wir uns kurz nachdem ich nach Wien zurückgekommen bin gegen ein mittleres sechsstelliges Investment entschieden. Nach fast sechs-monatigen Verhandlungen hat uns dies natürlich in eine schwierige Situation gebracht. Wir haben genauso wie unsere Investoren mit dem Deal gerechnet. In Tel Aviv aber hat sich unser Businessplan stark geändert und es hat leider nicht mehr gepasst. Bei Investments muss ich noch viel intensiver hinterfragen, welche Zukunft beide Parteien sehen. Das war keineswegs vorhersehbar, aber wir sind überzeugt, dass es die richtige Entscheidung war und stehen nach wie vor in gutem Kontakt mit dem Investor.

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