VON NULL AUF HUNDERT

Als Adela Mehic-Dzanic vor sechs Jahren nach Österreich kam, kannte sie niemanden und stand erst am Anfang ihrer Karriere – mittlerweile ist sie Führungskraft beim Softwareunternehmen Mavoco sowie Vizepräsidentin des Female-Leaders-Netzwerks der WU Executive Academy.

Estée Lauder sagte einst folgende Worte: „Ich habe nie vom Erfolg ­geträumt, ich habe dafür gearbeitet.“ Diese Zeilen treffen jedoch nicht nur auf die 2004 verstorbene Selfmade­milliardärin zu, sondern auch auf Adela Mehic-Dzanic. Als sie vor sechs Jahren nach Österreich kam, war für sie quasi alles Neuland: die Sprache, die Menschen, die Kultur, die Berufswelt. Dennoch hatte sie sich dazu entschlossen, ihre Heimat Bosnien zu verlassen und in Wien neu zu starten. „Ich bin sehr ehrgeizig und möchte im Leben Großes erreichen. In meiner Heimat hatte ich einfach das Gefühl, nicht mehr voranzukommen“, sagt Mehic-Dzanic.

Also fing sie in einem fremden Land von null an – und setzte sich durch. Sie begann zunächst beim Telekommunikationsunternehmen Tele2 GmbH Austria als Trainee und wurde befördert, arbeitete dann für Tele2 im Bereich Internet of Things (IoT) in Wien und Stockholm und landete schließlich im Oktober 2019 bei Mavoco. Mavoco bietet IoT-Software im Bereich Connectivity Management Platform (CMP) in Österreich an, Mehic-Dzanic leitet beim Unternehmen das Segment Cloud Solution Provider (CSP). „Wenn ich gefragt werde, wie ich das geschafft habe, sage ich immer: ‚Denke größer, als du es dir vorstellen kannst, halte deine Augen offen und setze dich gegen alle Widrigkeiten durch. Dann werden die Gelegenheiten kommen!‘“, so Mehic-Dzanic. Mit ihrer Zielstrebigkeit und ihrem Erfolg ist sie ein Vorbild für andere, insbesondere für Frauen – und fordert diese immer wieder dazu auf, die Dinge, die sie für ihr berufliches Vorankommen benötigen, einzufordern und sich selbst sicht­barer zu machen.

Das WU Executive Academy Female Leaders Network
... wurde 2018 gestartet und verzeichnet mittlerweile mehr als 200 Mitglieder. Die Idee: weibliche Führungspersönlichkeiten für Wissens- und Erfahrungsaustausch zu Karrierefragen zusammenzubringen.

Denn egal, ob als Mitarbeiter oder Führungskraft: Die Relevanz der Außendarstellung der eigenen Person steigt stetig. Bereits 2001 belegte die PR-Agentur Burson Cohn & Wolfe (damals Burson-Marsteller) in einer Analyse, dass zwei Drittel der Reputation eines Unternehmens vom Image des CEOs bestimmt werden. Es beeinflusst auch 48 % der Deutschen und 95 % der Amerikaner beim Aktienkauf. In Zeiten von Social Media ist dieser Faktor wichtiger denn je: Laut einer Studie aus dem Jahr 2018 nutzen 70 % der Arbeitgeber soziale Medien, um Kandidaten während des Ein­stellungsprozesses zu überprüfen.

Mehic-Dzanic verdeutlicht das im Gespräch noch einmal: „Es geht um Kommunikation. Zeig der Welt, woran du arbeitest und wer du bist, damit sie dich wahrnimmt und weiß, wofür du stehst!“ Als Katalysator sieht sie dabei Netzwerke – deshalb engagierte sie sich auch während ihres MBA-Programms in Entrepre­neurship und Innovation an der WU Executive Academy im Frauennetzwerk Female Leaders Network. Mittlerweile ist die Aufsteigerin dort Vice President und maßgeblich für das Wachstum wie auch die Vernetzung der Mitglieder innerhalb und zwischen verschiedenen Netzwerken zuständig. „Ich bin Erschafferin und Konnektorin in einem“, sagt Mehic-Dzanic.

Die Idee zum Netzwerk entstand während eines Aufenthalts an der Carlson School of Management der University of Minnesota in den USA, im Rahmen eines MBA-Programms. Christa Gschweitl, Özlem Sensin, Priyanka Dutta-Passecker, Anita Kirilova und Olena Khlon, die späteren Gründerinnen des Female Leaders Network, lernten dort ein starkes Frauennetzwerk kennen und entschieden sich, in Österreich ein Netzwerk für Absolventinnen und Teilnehmerinnen der MBA-Programme der WU Executive Academy zu gründen.

WU-Executive-Academy-Dekanin Barbara Stöttinger (Bild links) sieht im Netzwerken die Möglichkeit, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Martina Ernst (Präsidentin des Female Leaders Network, Bild rechts) hielt beim Breakfast einen Workshop über Geld und Verhandlungen.
Katarina Stanisavljevic, Managing Director bei Carat und WU-Executive-Academy-Alumna, hielt als Gastgeberin des Female Leaders Breakfast eine Keynote zum Thema „Hidden Bias“.

„Das Tolle an diesem Netzwerk ist, dass sich Gleichgesinnte treffen, gegenseitig motivieren und füreinander als Vorbilder fungieren“, sagt die Dekanin der WU Executive Academy, Barbara Stöttinger. Der Kandidatinnenpool war von Anfang an vorhanden: Alleine zur Gründungszeit des Netzwerks bildeten sich 250 weibliche Führungskräfte an der WU Executive Academy weiter.

Im September 2018 fand das Kick-off-Event statt, drei Monate später zählte das Netzwerk bereits 30 Mitglieder, gegen Ende 2019 waren es schon 100. Das Wachstum ging weiter – heute umfasst das ­Female Leaders Network 250 weibliche Führungspersönlichkeiten. Seit 2019 finden auch größere Events statt, etwa das Female Leaders Breakfast, bei dem nicht nur die „No-show-Rate“ 0 % betrug, sondern zum ersten Mal in der Geschichte der WU Executive Academy sogar mehr Gäste teilnahmen, als sich registriert hatten. Auch 2020 startete erfolgversprechend: Der Pharmariese Novartis konnte als Partner des Netzwerks gewonnen werden, zudem wurden Kooperationen mit anderen Frauennetzwerken wie „Zukunft Frauen“ oder „Women of Bosnia and Herzegovina“ eingegangen.

Das Erfolgsgeheimnis der Initiative liegt laut Mehic-Dzanic auf der Hand: „Alle unsere Tätigkeiten sind darauf ausgelegt, nicht nur die derzeitigen Trends und Herausforderungen zu thematisieren, sondern die Mitglieder unseres Netzwerks nach ihren Interessen zu fragen und diese in unsere Events mit einfließen zu lassen.“ Besonders Themen wie etwa erfolgreiches Netzwerken stehen auf dem Programm. Am 6. März wurde beim Female Leaders Breakfast jedoch ein anderer Schwerpunkt gelegt: Geld und Verhandeln.

Wenn man nichts fordert, erhält man genau das: nichts. Es ist wichtig, dass man lernt, für seinen Wert einzustehen.

Den Workshop dazu leitete Martina Ernst, Präsidentin des Female Leaders Networks der WU Executive Academy und ehemalige Leiterin des Bereichs Human Resources der Erste Bank. Zudem ist Ernst Gründerin der Plattform Salary Negotiations. Ihr Rat: seinen eigenen Wert kennen – und den ersten Schritt wagen. „Wenn man nichts fordert, erhält man genau das: nichts. Es ist wichtig, dass man lernt, für seinen Wert einzustehen.“ Am Workshop nahmen 40 Mitglieder des Netzwerks teil, Gastgeberin war Katarina Stanisavljevic, Managing Director bei Carat, dem ­Marktführer in digitalen und diversifizierten Medialösungen. Von 2006 bis 2015 für die Leitung der Niederlassung in Belgrad zuständig, zog sie 2015 nach Wien, um an der WU Executive Academy ihr MBA-Programm zu absolvieren; 2019 übernahm sie dann die Leitung von Carat Austria.

In einer Keynote über „Hidden Bias“ sprach sie darüber, wie Stereotype infrage gestellt werden können und wir unsere Wahrnehmung erweitern, um auf allen Ebenen einer Organisation Gleichberechtigung im Geschäfts- und Privatleben zu fördern. Das Zusammenkommen von Frauen sieht sie als eine tolle Gelegenheit, den Zusammenhalt zu stärken und sich gegenseitig zu stützen: „Es ist wichtig, dass sich Frauen untereinander austauschen und voneinander lernen, denn manchmal sehen wir uns herausfordernden Situationen gegenüber, die andere bereits erlebt und erfolgreich gemeistert haben“,
so Stanisavljevic.

Studien zeigen, dass Personen, die ein diverses Netzwerk pflegen, in der Lage sind, zu genau jenen Informationen zu gelangen, die sie für die Umsetzung ihrer Ideen benötigen. Das Problem: Oftmals verbringen Teilnehmer eines Netzwerkevents den Großteil ihrer Zeit mit Menschen, die sie bereits kennen. „Beim Netzwerken geht es nicht darum, auszugehen und Leute zu treffen. Es geht darum, jene Leute ausfindig zu machen, die für eine Person und deren Vorhaben oder deren Unternehmen essenziell sind, diese zu treffen und sie Teil des engsten Kreises werden zu lassen“, so Mehic-Dzanic. „Jeder steckt in seiner Karriere einmal fest – und an dem Punkt braucht man Freunde, einen Coach oder eben die Unterstützung eines starken Netzwerks.“

Gerade in den aktuell heraus­fordernden Zeiten sind der Zusam­menhalt und die gegenseitige Unterstützung innerhalb eines Netzwerks essenziell. Und damit das auch so bleibt, soll das Female Leaders Network auch in Zukunft wachsen, vor ­allem durch den Ausbau inter­nationaler Kooperationen. Das Fundament des Netzwerks ist dafür gebaut. „Bisher sind wir sehr zufrieden“, sagt Mehic-Dzanic. „Aber gleichzeitig hungrig nach mehr.“

Adela Mehic-Dzanic weiß, was es heißt, etwas von Grund auf neu zu erschaffen: Als sie vor sechs Jahren nach Österreich kam, kannte sie niemanden und stand erst am Anfang ihrer Karriere – mittlerweile ist sie Führungskraft beim Softwareunternehmen Mavoco sowie Vizepräsidentin des Female-Leaders-Netzwerks der WU Executive Academy. Doch für Mehic-Dzanic wie auch das Netz­werk ist das alles erst der Anfang.

Text: Andrea Gläsemann
Fotos: David Visnjic

*Hierbei handelt es sich um eine bezahlte Anzeige.

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