Wie drei junge Oberösterreicher versuchen mit ihrer App in Los Angeles Fuß zu fassen

Swell sind drei junge Oberösterreicher, deren App sich der mangelnden Entscheidungsfreudigkeit ihrer User widmet.

Seit Beginn dieses Jahres versuchen sie, damit in Los Angeles Fuß zu fassen.

Was man anziehen soll, ist ja für manch einen bereits am frühen Morgen eine schwere Entscheidung. Mit Kleidungsfragen haben die Swell-Gründer selbst kein Problem: Kaum am Set, waren schon die Hosen unten. Zitat: „Die URL unserer Seite endet ja auch auf ‚.wtf‘ („what the fuck“, Anm.)“, scherzt Gründer und CEO Peter Buchroithner. „Hose runter“ passt also zum Spirit und ist somit keine Überraschung. Er und seine Co-Gründer Manfred Strasser (COO) und Philipp Holly (CTO) sind zwar jung – zwischen 24 und 28 Jahren –, haben aber schon wegweisende Erfahrungen gesammelt. „In meinen fast zehn Jahren als Selbstständiger im Modebereich habe ich immer wieder festgestellt, wie unsicher Menschen bei Kaufentscheidungen sind“, erklärt Peter Buchroithner, wie er auf die Idee kam, die zunächst Dvel hieß und im zweiten Anlauf zu Swell wurde.

„2014 war ein Chaosjahr. Ich hatte einen Modevertrieb und einen Shop und irgendwie hat das alles nicht so richtig funktioniert. Uns ging das Geld aus, mein CTO sprang ab, meine Freundin und ich trennten uns, und da merkte ich, ich muss etwas ändern. Eigentlich haben wir das ganze Jahr nur Blödsinn gemacht“, so Buchroithner. Es folgte ein Anruf bei Manfred Strasser, bei dem sich herausstellte, „dass wir Dvel voll durchziehen wollen“, so der Gründer weiter. Sie holten noch Philipp Holly an Bord, der als CTO für alles Technische verantwortlich ist. Im März 2015 ging es dann voll los. „Ich wollte etwas schaffen, das langfristigen Impact hat und mich ständig fordert. Ein schnell wachsendes Start-up mit internationalen Usern war da genau das Richtige“, so Buchroithner weiter über die Hintergründe des neuen Vorhabens. Die App Dvel launchten die drei wenig später, im September 2015.

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Er und Manfred Strasser sind als Geschäftsführer der troutloud GmbH, die bereits 2013 eingetragen worden ist, gelistet – mit Dvel als erstem gelaunchten Produkt respektive Swell seit März 2016 als redesignte und umbenannte Version. Die App hat heute 80.000 User (8.000 davon täglich, 40.000 monatlich aktiv), die insgesamt 55 Millionen Votes abgegeben haben und rund 200.000 Fragen an die Community stellten. Die User posten zwei Alternativen in Form von Bildern, die Community stimmt darüber ab, was man anziehen oder wohin man essen gehen soll. „Die meistverwendeten Kategorien sind Fashion, Beauty und Food“, so Manfred Strasser, „beziehungsweise #whattobuy, #whattowear und #whattoeat.“ Mit Swell komme Feedback schneller als auf anderen sozialen Plattformen wie Facebook. Innerhalb weniger Sekunden kommen die ersten Votes, das Ergebnis steht nach 24 Stunden fest, so ist der Algorithmus programmiert. Dieses Konzept fand bald Anklang. „Wir brauchten knapp über einen Monat, um auf 10.000 User zu kommen“, so Buchroithner, „und hatten nach wenigen Wochen Investorengespräche geführt.“

Das erste Investment stellten die drei über die Puls-4-Show „2 Minuten 2 Millionen“ auf. So kamen sie zu Finanzierung von Stefan Kalteis, Michael Eisler und Hansi Hansmann. Zuerst wollten die Gründer eigentlich weniger Geld nehmen, haben sich dann aber doch für eine größere Summe entschieden: insgesamt 825.000 €, davon 400.000 € Medienvolumen und 425.000 € Cash. „Wir wussten, dass der US-amerikanische Markt ein Thema ist“, so Buchroithner zur Begründung, doch mehr Firmenanteile herzugeben. So ist auch der Relaunch von Dvel auf Swell erklärt: Für den US-Markt brauchte es aus phonetischen Gründen eine Umbenennung und ein leichtes Redesign.

Vor allem eines haben die Swell-Gründer gemein: Sie wollen richtig groß werden und hängen dem American Dream nach: „Wir dachten: ,Wenn wir ohnehin bei null starten, warum etwas in Österreich aufbauen, das in den USA viel größer werden kann?‘ Deswegen haben wir die Dvel Inc. gegründet. Wir wollen bei der nächsten Finanzierungsrunde auch amerikanische Investoren an Bord holen.“ Die Wahl der US-Base fiel dabei nicht, wie viele vielleicht annehmen würden, auf das Silicon Valley, sondern Silicon Beach, also Los Angeles. Die größte Stadt Kaliforniens, die für Hollywood und eine hohe Star-Dichte bekannt ist, entwickelte sich in den letzten Jahren auch zu einem Tech-Hub. Das Silicon Valley ist schon gesättigt und die Tech-Wellen schwappen über. „Snapchat und Tinder sind auch in L. A., Google hat einen riesigen Campus gebaut. Die größten Industrien sind dort“, erklärt Manfred Strasser und spielt damit auf Mode und E-Commerce an; Bereiche, die auch Swell forciert. „Außerdem sind wir ja mehr Media-Tech als Hightech“, so Strasser weiter. Bildungsausflüge ins Silicon Valley sind aber nicht ausgeschlossen.

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„Vielleicht mal zwei, drei Wochen“, so der COO weiter. Dennoch bewährt sich L.A. als Standort. „Dort sind viel mehr reiche Menschen, die noch keine Business Angels sind und auch nicht täglich 100 Pitches von Jungs in Hoodies hören“, setzt Buchroithner fort. Seit Beginn des Jahres versuchen die drei also, mit Swell auf der Wachstumswelle zu surfen. Allerdings nicht konkurrenzlos. „Wishbone“ ist ähnlich und mit rund drei Millionen monatlich aktiven Usern schon groß in den USA. „Es sind zwar auch Fotos, die verglichen werden, aber man bekommt nicht so schnell Feedback, daher machen wir uns keine Sorgen“, so Strasser auf Nachfrage. Darüber hinaus seien die Inhalte dort von Wishbone selbst generiert, bei Swell sind es aber die User, die für Inhalte sorgen und kräftig voten. Und genau das soll sich langfristig über Unternehmensumfragen monetarisieren. „Marken können innerhalb kürzester Zeit Ergebnisse bekommen. Momentan müssen sie lange warten, manchmal so lang, dass die Umfrage vielleicht gar nicht mehr relevant ist.“ Bis die Monetarisierung anläuft, braucht es noch weitere Investments: „Wir haben schon rund 20 Gespräche mit US-Investoren geführt und arbeiten auch viel mit Influencern vor Ort“, erklärt Buchroithner die Strategie, die Swell zu größerer Verbreitung und Wachstum verhelfen soll. Influencer sind in diesem Umfeld eine einflussreiche Gruppe – ihre Dichte ist in L. A. nicht nur höher, sie erreichen auch mehr Fans. Oft betreiben sie eigene Blogs oder Mikroblogs auf Seiten wie Youtube oder Instagram, über die sie viele Follower erreichen und ihnen Wert und Funktionsweise der App erklären.

Buchroithner ist schon wieder am Silicon Beach, seine Co-Gründer folgen in Kürze. Ob es schwierig ist, im Ausland zu sein? „Sicher. Das Netzwerk fehlt noch und die Sprache – egal, wie gut man Englisch kann – oder kulturelle Unterschiede sind auch Barrieren“, erklärt der CEO. „Der Spirit in L. A. ist ganz anders. Ich habe mich sehr schnell zurechtgefunden. Es war eher ein Kulturschock, wieder nach Österreich zu kommen“, lacht Manfred Strasser und beschreibt damit wohl auch einen Grund, warum die drei so gut nach L. A. passen. Wie gesagt: „What the fuck“.

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