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Waabi gehört zu den derzeit am höchsten finanzierten Startups im Bereich autonomes Fahren. Das Unternehmen sichert sich bis zu 1 Mrd. US-$ frisches Kapital. Kern ist eine überzeichnete Series-C-Runde über 750 Mio. US-$, angeführt von Khosla Ventures und G2 Venture Partners. Zusätzlich stellt Uber bis zu 250 Mio. US-$ bereit. Die Mittel sind an klar definierte Meilensteine im Robotaxi-Geschäft gekoppelt.
Die Finanzierung zählt zu den größten Einzelrunden der Branche seit Jahren. Sie zeigt, dass Kapitalgeber wieder gezielt auf Autonomie-Plattformen setzen, bei denen Technologie, Skalierbarkeit und Geschäftsmodell zusammenspielen.
Simulation statt Testkilometer
Waabi wurde 2021 von Raquel Urtasun, früher Chefwissenschaftlerin bei Uber ATG, gegründet. Der Ansatz unterscheidet sich bewusst von klassischen Autonomieprogrammen: Waabi entwickelt seine Systeme simulation-first.
Im Zentrum steht der Waabi Driver, eine generative End-to-End-KI, die Wahrnehmung, Planung und Fahrzeugsteuerung in einem Modell vereint. Trainiert wird primär in der hauseigenen Simulationsumgebung Waabi World, die reale Verkehrssituationen in großem Maßstab nachbildet. Ziel ist es, reale Testkilometer zu reduzieren, Entwicklungszyklen zu verkürzen und Sicherheitsnachweise schneller zu erbringen.
Für Investoren ist dieser Ansatz wirtschaftlich relevant: Simulation senkt Kosten, beschleunigt Produktreife und erhöht die Skalierbarkeit – zentrale Faktoren für die Kommerzialisierung autonomer Systeme.
Uber als Plattformhebel
Strategisch entscheidend ist die Partnerschaft mit Uber. Beide Unternehmen planen, mindestens 25.000 Robotaxis mit Waabi-Software auf der Uber-Plattform einzusetzen. Ein konkreter Zeitplan für den breiten Roll-out wurde nicht genannt, die Kooperation ist jedoch exklusiv auf die Uber-Infrastruktur ausgerichtet.
Für Uber ist das Modell klar: keine eigene Autonomieentwicklung, sondern Integration spezialisierter Technologiepartner. Für Waabi bedeutet die Partnerschaft Zugang zu einer globalen Nachfrageplattform – ein kritischer Vorteil gegenüber Wettbewerbern, die zunächst eigene Nutzerökosysteme aufbauen müssen.
Autonomes Trucking bleibt zweite Säule
Neben Robotaxis treibt Waabi weiterhin autonome Lkw-Programme voran. Der Güterverkehr gilt als früher kommerziell nutzbar als urbane Personenmobilität. Langstrecken, standardisierte Routen und planbare Einsatzszenarien senken technische und regulatorische Hürden.
Branchenstudien sehen im autonomen Trucking einen Milliardenmarkt, getrieben von Personalmangel, Kostendruck und Effizienzanforderungen in globalen Lieferketten. Waabi positioniert sich damit bewusst zweigleisig: Robotaxis als langfristiger Skalierungshebel, Trucking als potenzieller Umsatztreiber früherer Phase.
Signal an den Markt
Zu den Investoren zählen neben Venture-Capital-Fonds auch strategische Industriepartner wie Nvidia-nahe NVentures, Volvo Group Venture Capital und die Porsche Automobil Holding SE. Die breite Beteiligung unterstreicht, dass autonome Fahrsoftware zunehmend als industrielle Basistechnologie gesehen wird – nicht als reines Forschungsprojekt.
Die zentrale Frage bleibt offen: Gelingt Waabi der Übergang von Simulation und Pilotbetrieb zur robusten Serienanwendung? Mit 1 Mrd. US-$ Kapital, einer klaren Plattformstrategie und einem fokussierten Technologieansatz sind die Voraussetzungen geschaffen – der Markttest steht nun bevor.
Foto: KI generiert