618.000 Kreditkarten: Hacker setzt KI für Angriffe auf Unternehmen ein

Ein chinesischsprachiger Cyberkrimineller soll innerhalb von nur fünf Tagen bis zu 100 Unternehmen mit KI-Agenten angegriffen haben. Laut der Cybersecurity-Firma Gambit wurden dabei Daten von mindestens 618.000 Kreditkarten auf den Servern des Hackers gefunden. Bis zu 488.000 Karten sollen US-Amerikanern gehört haben.

Zum Einsatz kamen DeepSeek, Kimi und eine ältere Version von Anthropics Claude. Die KI-Agenten wurden auf die Websites der Unternehmen angesetzt und sollten eigenständig nach Schwachstellen suchen. Laut Gambit verschafften sie sich bei mindestens 30 Websites zwischen dem 10. und 15. September Zugang.

Auch die Kosten der Angriffe waren vergleichsweise gering. Laut den von Gambit ausgewerteten Daten kostete ein Angriff zwischen 3 und 180 US-$ pro Ziel. Insgesamt soll der Hacker rund 8.000 US-$ für die Kampagne ausgegeben haben.

Zu den betroffenen Unternehmen sollen unter anderem ein US-Hotelkonzern mit mehr als 10 Mrd. US-$ Jahresumsatz, eine große US-Fluggesellschaft und ein Online-Modehändler mit mehr als 1 Mrd. US-$ Umsatz gehören. Ob die gestohlenen Kreditkartendaten bereits für Betrug verwendet wurden, ist bislang unklar.

Die KI-Agenten konnten laut den Forschern unterschiedliche Angriffsmöglichkeiten für die einzelnen Ziele identifizieren. Bei erfolgreichen Zugriffen wurden unter anderem sogenannte Skimmer installiert, die Kreditkartendaten beim Bezahlvorgang abfangen. Anschließend sollten die Systeme von Spuren des Angriffs bereinigt werden.

Anthropic bestätigte, den für die Angriffe verwendeten Account identifiziert und gesperrt zu haben. Auch die Infrastruktur des Hackers wurde teilweise abgeschaltet. Laut Gambit wurden jedoch bereits neue Server eingerichtet.

Der Fall zeigt eine neue Dimension automatisierter Cyberkriminalität: KI kann die Suche nach Sicherheitslücken, den Angriff und den Diebstahl von Daten über viele Ziele hinweg koordinieren. Dafür sind nicht zwingend die neuesten oder leistungsfähigsten Modelle erforderlich.

Foto: Philip Oroni

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