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Der Münchner Markus Dickhardt machte Roadsurfer zum größten Campervan-Vermieter Europas. In diesem Jahr will er erneut schwarze Zahlen schreiben – und mit frischem Kapital in die USA expandieren.

Outdoor-Traveling ist ein Trend – wohl auch als Folge der Pandemie. Im Jahr 2021 umfasste der Camping- und Cara­vaning-Markt noch 62 Mrd. US-$, in diesem Jahr soll er laut einer Analyse von Transparency Market Research auf 68,93 Mrd. US-$ wachsen; da­zu gehören auch Freizeitfahrzeuge, also Wohnmobile oder Caravans. Urlauber konnten die beliebten Campervans lange Zeit nur schwer mieten – das hat Markus Dickhardt, Mitgründer und Geschäftsführer von Roadsurfer, längst geändert.

Gemeinsam mit seiner Frau Susanne Dickhardt, Christoph Niemann, Stephie Niemann und Jean-Marie Klein gründete der Münchner im Jahr 2016 den Cam­per-­Vermieter Roadsurfer. Anfänglich umfasste die Flotte des Münchner Unternehmens 25 VW Bullis, heute sind es fast 5.000 Fahrzeuge, darunter großzügige Kastenwagen mit Aufstelldach oder die kompakten VW T6.1. „Damit sind wir die größten Camper-Vermieter und -Abnehmer in ganz Europa“, weiß Dickhardt. Noch in diesem Jahr will Roadsurfer mit seinen Campern die 100-Mio.-€-Umsatz-­Marke knacken.

Die Idee entstand im Sommer 2016 bei einem Campingausflug der Freundesgruppe und späteren Gründer: Während die Niemanns einen eigenen Camper besaßen, war es für die Dickhardts unmöglich, ein Gefährt für eine bestimmte Zeit zu mieten. Campervans haben zahl­­reiche Vorteile: Sie sind kleiner als Wohnmobile und somit alltags­tauglicher. Die Freundesgruppe erkannte die Marktlücke und gründete noch im selben Jahr Road­surfer. Nur sechs Monate später hatten sie den ersten Mieter.

 

Die Flotte besteht aus Originalfahrzeugen von VW, Mer­cedes, Ford, Westfalia, Knaus und Bürstner. Roadsurfer erhält die Fahrzeuge komplett ausgebaut und foliert sie anschließend bunt. Eines der 13 Modelle ist der Ford Nugget. Dieser Camper ist mit einer Komplettküche, Außendusche sowie Strom ausgestattet. Während unseres Zoom-Interviews sitzt Markus Dickhardt vor genau so einem Gefährt. Der Ford Nugget ist rot bemalt, an der Seite prangt das Roadsurfer-Logo. „Eigentlich bin ich gerade im Pfingsturlaub“, so der CEO, „währenddessen klappern wir unsere Stationen ab.“ Er ist mit seiner Familie (Mitgründerin und Geschäftsführerin Susanne und seinen zwei Kindern) unterwegs.

Gestartet sind sie in München, anschließend ging es über Mailand nach Rom, wo Dickhardt vom Cam­pingplatz aus mit uns spricht. Ziel der Reise ist Sizilien. Insgesamt gibt es in Europa 50 dieser Road­surfer-Stationen. „Mittlerweile gibt es so viele, dass ich etliche noch gar nicht kenne“, erzählt Dickhardt. Das Konzept von Roadsurfer ist einfach: Mieter können online ihr prä­feriertes Modell ab 65 € pro Nacht buchen und holen es an einer Station ab. Bis zu 29 Tage später kann der Camper wieder zurück­gegeben werden.

Markus Dickhardt studierte an der San Diego State University Business Management. 2011 grün­dete er die Social-Media-Agentur One Two Social. Seit 2016 konzen­triert er sich auf Roadsurfer. Im Jahr 2019 folgte die erste Eigen­kapitalfinanzierung im mittleren siebenstelligen Bereich, 2021 wurde aufgestockt – in einer Finanzierungsrunde erhielt das Münchner Unternehmen 28,5 Mio. €.

Das Geld nutzt Roadsurfer, um zu expandieren. Mittlerweile kümmern sich rund 600 Mitarbeiter um 50 Stationen in Europa. Diesen Juni wurde die erste Station in den USA eröffnet, gelegen ist sie in Los Angeles in der Nähe des Flughafens. „Von dort aus starten viele Reisende ihre Roadtrips auf dem Highway Number One oder nach Las Vegas“, weiß Dickhardt. Während seiner Studienzeit war Dickhardt selbst oft in dieser Gegend unterwegs und weiß, wie gefragt Reisemobile dort sind: „In den USA ist das Thema Outdoor-Travel sogar noch größer als in Europa.“

Alle Gründer in einem Bus: Markus Dickhardt und Christoph Niemann (hinten), Stephie Niemann, Jean-Marie Klein und Susanne Dickhardt (von links).

Dickhardt glaubt, es ist der Mix aus Freiheit und Flexibilität, der das Reisen mit den Campervans verlockend macht. „Man ist raus aus dem stressigen Job- und All­tags­leben“, erklärt er. Auf einmal gehe es um Fragen wie: Wo putze ich meine Zähne? Wie wasche ich mich? Wo schlafe ich heute Nacht? „Ich merke an mir, dass ich bei dieser Art von Urlaub viel schneller abschalten kann“, so der CEO.

Die Folgen der Coronaviruspandemie waren für die Tourismusbranche verheerend, doch die Pandemie gab dem Campingsektor Aufwind. Auch Dickhardt meint, in den vergangenen zwei Jahren sei ein verzerrtes Bild des Reise­verhaltens der Deutschen entstanden. Tat­sächlich sind überdurchschnittlich viele Deutsche im Inland verreist, dennoch sei der reise­lustige Bundesbürger auch gern bereit, an ein Fernziel zu reisen.

Darum wollten die Roadsurfer-Gründer gerade jetzt die Station in den USA eröffnen, was ursprünglich erst für 2023 geplant war. „Der Markt ist unserer Meinung nach reif für das, was wir machen wollen – also warum länger warten?“, so der Gründer. Der Sprung über den Atlantik bringt aber einige Risiken: Dickhardt kann dort nicht so problemlos vorbeischauen wie in diesen Tagen bei den italienischen Stationen. Zum anderen ist Roadsurfer in Europa schon eine Marke – „das müssen wir uns in den USA erst noch aufbauen“, sagt Dickhardt. Doch er ist überzeugt, dass das Produkt an sich passt: „Ich glaube, da sind wir richtig aufgehoben und auch im Trend.“

Roadsurfer will das Jahr 2022 mit einer schwarzen Null abschließen. Dickhardt: „In diesem Jahr wollen wir die Spielregeln in den USA kennen­lernen und uns im kommenden Jahr dann um ein Vielfaches vergrößern.“ In wenigen Jahren will Dickhardt dann mit seiner Familie zwischen L. A. und New York so viele Stationen ab­­klappern wie derzeit in Italien.

Fotos: Roadsurfer
Infografik: Valentin Berger

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Redakteurin

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