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Mit 21 Jahren zählt Alex Eala bereits zu den bekanntesten Persönlichkeiten der Philippinen. 2026 verdiente die Tennisspielerin bislang 1,7 Mio. US-$ Preisgeld, ihre Einnahmen abseits des Platzes lagen laut Forbes-Schätzung in den vergangenen zwölf Monaten bei mehr als 5 Mio. US-$. Der sportliche Aufstieg könnte ihren Marktwert weiter deutlich erhöhen.
Alex Eala ist schon unzählige Male am Ninoy Aquino International Airport in Manila gelandet. Als Kind kehrte sie von Jugendturnieren zurück, später von der Rafael Nadal Academy in Spanien oder während der Saisonpause der WTA Tour. Doch bei ihrer Ankunft im Juli wurde der 21-Jährigen deutlich, wie sehr sich ihr Leben inzwischen verändert hatte.
Eine Liveband und Tausende Fans empfingen sie im Terminal. In der darauffolgenden Woche wurde Eala auf ihren Wegen von einem Sicherheitsteam des Präsidenten begleitet. „Du hast den Philippinen so viel Stolz gebracht“, sagte Präsident Ferdinand Marcos Jr. bei einem Empfang zu ihren Ehren im Malacañang-Palast in Manila. „Du zeigst die besten Eigenschaften der Filipinos.“
Die Begeisterung um Eala machte in diesem Sommer auch vor Nordamerika nicht halt. Bei ihren Stationen auf der WTA Tour kamen Tausende philippinische Fans mit Fahnen zu ihren Matches. Beim Turnier in Washington, D.C., wo sie im vergangenen Monat ihren ersten Einzeltitel als Profi gewann, entfielen laut Turnierbesitzer Mark Ein mehr als 80 % der Ticketanfragen auf Partien mit Eala.
„Ich verstehe, wer zu mir aufschaut und wofür ich stehe“, sagte Eala wenige Tage vor Beginn der U.S. Open 2026 gegenüber Forbes. Die Rolle als Repräsentantin der Philippinen habe ihr stärker bewusst gemacht, wie sie wahrgenommen werde – und motiviere sie, die beste Version ihrer selbst zu sein. Der Aufmerksamkeit auszuweichen, hält sie nicht für sinnvoll. Sie habe akzeptiert, dass die öffentliche Wahrnehmung inzwischen zu ihrem Leben und ihrer Karriere gehöre.
Mehr als 5 Mio. US-$ abseits des Platzes
Der Status als nationale Sportheldin bringt auch wirtschaftliches Potenzial. Neben 1,7 Mio. US-$ Preisgeld, die Eala 2026 bislang erspielt hat, schätzt Forbes ihre Einnahmen abseits des Tennisplatzes in den vergangenen zwölf Monaten auf mehr als 5 Mio. US-$ – vor Steuern sowie Gebühren für Agenten und Manager. Ein grosser Teil davon stammt von Unternehmen aus den Philippinen.
Auch sportlich hat sich Eala deutlich nach vorne gearbeitet. Sie steht derzeit auf Rang 18 der Weltrangliste. Sollte sich diese Entwicklung fortsetzen, könnte ihr Verdienstpotenzial in den kommenden Jahren erheblich steigen. Max Eisenbud, Head of Client Representation bei WME Sports und der Tochtergesellschaft IMG Tennis, geht davon aus, dass Eala bereits 2027 zu den bestbezahlten Sportlerinnen der Welt gehören könnte. Eisenbud vertrat beziehungsweise betreute in vergleichbaren Situationen unter anderem Coco Gauff, Maria Sharapova und Emma Raducanu.
Zum Vergleich: Forbes schätzte die Einnahmen von Coco Gauff abseits des Platzes für 2025 auf 25 Mio. US-$. Dahinter lagen die chinesische Freestyle-Skifahrerin Eileen Gu mit 23 Mio. US-$ und Tennisspielerin Qinwen Zheng mit 21 Mio. US-$. Aryna Sabalenka und Iga Swiatek kamen jeweils auf geschätzte 15 Mio. US-$.
Der Durchbruch begann 2022
IMG begann bereits vor vier Jahren damit, die Grundlage für Ealas kommerziellen Erfolg zu legen. Kurz zuvor hatte sie 2022 die Juniorinnen-Konkurrenz der U.S. Open gewonnen und war damit die erste philippinische Tennisspielerin geworden, die einen Grand-Slam-Titel holte. Für die Agentur war ihr Vermarktungspotenzial früh erkennbar. Eala war jung, erfolgreich und auf der internationalen Bühne präsent. IMG schickte deshalb Agent Carter Lin auf die Philippinen, um dort mit Unternehmen über mögliche Partnerschaften zu sprechen.
Die ersten Jahre seien stark davon geprägt gewesen, potenziellen Partnern die internationale Dimension des Tennissports zu erklären, sagt Lin. Viele Unternehmen seien vor allem Sponsoringmodelle rund um Manny Pacquiao gewohnt gewesen, bei denen einzelne grosse Momente im Mittelpunkt standen. Ealas Team wollte dagegen langfristige Partnerschaften. Im Zentrum des Verkaufsarguments stand die weltweite und ganzjährige Sichtbarkeit über die vier Grand-Slam-Turniere. Anfangs sorgte die Höhe der geforderten Sponsoringbeträge laut Eisenbud teilweise für Überraschung. Das änderte sich nach den Miami Open 2025. Eala besiegte dort unter anderem die Top-Ten-Spielerinnen Madison Keys, Paula Badosa und Iga Swiatek und erreichte das Finale. Auf den sportbegeisterten Philippinen entwickelte sich Tennis daraufhin zu einem neuen Publikumsmagneten. Der frühere Weltranglistenerste Andy Roddick erklärte, Eala bringe „buchstäblich Hunderte Millionen neue Fans zum Tennis“. Besonders bemerkenswert sei für ihn, wie souverän sie mit der Aufmerksamkeit umgehe.
Weltrangliste entscheidet über Millionen
Ealas Sprung von Rang 140 vor Miami 2025 in die Top 20 vor den U.S. Open 2026 ist auch wirtschaftlich relevant. Viele Tennisspieler erzielen einen grossen Teil ihrer Einnahmen abseits des Platzes über Ausrüsterverträge, deren Vergütung an die Position in der Weltrangliste und sportliche Bonuszahlungen gekoppelt ist.
Eala arbeitet bereits seit längerer Zeit mit Nike zusammen. Vor Wimbledon im vergangenen Jahr produzierte der Sportartikelkonzern für sie ein besonderes Geschenk: ein Haarband in Form einer Sampaguita, der Nationalblume der Philippinen, versehen mit der Tagalog-Botschaft „Kung may tinanim, may aanihin“. In der Vorlage wird der Satz mit „Jeder Traum beginnt als Samen“ übersetzt. In diesem Jahr nahm Nike zudem ein Sampaguita-T-Shirt in das Eala-Sortiment auf und präsentierte kurz vor den U.S. Open ein neues Outfit für die Spielerin. Einen wichtigen Teil ihrer Einnahmen sichern jedoch Unternehmen aus ihrer Heimat. Globe Telecom, wo ihre Mutter zuletzt als Finanzchefin tätig war, und die Bank of the Philippines Islands (BPI) verlängerten Anfang 2026 ihre Zusammenarbeit jeweils um vier Jahre.
Die garantierte jährliche Vergütung liegt bei mehr als 1 Mio. US-$. Im Gegenzug sind die Marken über Aufnäher an Ärmeln beziehungsweise Brust ihres Nike-Outfits sichtbar. Laut Eisenbud bildet diese Grössenordnung inzwischen auch die Untergrenze für Unternehmen, die mit Eala zusammenarbeiten wollen. Langfristig sieht Eisenbud weiteres Potenzial. Eala gehöre zu den wenigen Sportlern, die ein grosses Lizenzgeschäft rund um ihren Namen oder ihr Bild aufbauen könnten. Dabei würde sie an jedem verkauften Produkt beteiligt, das ihre Marke trägt.
Diese Produkte müssten nicht zwingend etwas mit Tennis zu tun haben. Vor den U.S. Open wurde Eala in New York unter anderem mit einer Chanel-Tasche, einem Hermès-Armband und einer Cartier-Tank-Uhr gesehen. Ihre Bekanntheit auf den Philippinen ist inzwischen so gross, dass Eisenbud sagt: „Auf den Philippinen muss sie eigentlich nur atmen.“ Selbst ohne weitere Tennissiege sei sie dort bereits aussergewöhnlich bekannt.
Vom Muschelplatz auf die Weltbühne
Eala wurde in Quezon City nahe Manila als Tochter zweier Führungskräfte geboren, die selbst keinen Tennis-Hintergrund hatten. Auch ihre Heimatstadt besitzt keine ausgeprägte Tennistradition. Mit vier Jahren brachte ihr Grossvater sie zum Sport. Er hatte sich das Tennisspielen selbst beigebracht. Gemeinsam mit ihrem älteren Bruder trainierte Eala zunächst auf einem Platz aus zerkleinerten Muscheln, Sand und etwas Lehm. Ihr Talent fiel früh auf. Später erhielt sie die Möglichkeit, an die Rafael Nadal Academy in Spanien zu wechseln. Ihr Bruder Miko spielte anschliessend für Penn State, während Eala den Schritt ins Profitennis schaffte.
Mit der zunehmenden Bekanntheit umzugehen, sei nicht immer einfach gewesen, sagt sie. Das höhere Einkommen ermögliche ihr beispielsweise, Freunde zum Essen einzuladen oder ihren Trainern und Betreuern Business-Class-Flüge zwischen Turnieren zu bezahlen. Mental versuche sie jedoch, den enormen Zuspruch bei Turnieren nicht zu sehr auf sich selbst zu beziehen. Als ihre Bekanntheit erstmals stark zunahm, habe sie zunächst nicht akzeptieren wollen, berühmt zu werden. Sie habe verhindern wollen, dass dies ihr Tennis oder ihre Routinen beeinflusse. Inzwischen sehe sie die Aufmerksamkeit als Teil ihres Berufs und ihres Lebens.
Dabei hilft ihr auch die Organisation ihres Sponsorengeschäfts. Eala bündelt einen grossen Teil ihrer kommerziellen Verpflichtungen auf zwei einwöchige Aufenthalte pro Jahr auf den Philippinen – einen im Sommer und einen im Winter. Während dieser Wochen ist jeweils ein eigener Tag für einzelne Sponsoren und deren Content- oder Promotionaktivitäten reserviert. Das Programm ist intensiv, ermöglicht es ihr aber, sich vor Turnieren weitgehend auf den Sport zu konzentrieren.
Der nächste Schritt
Bei den U.S. Open dürfte Eala erneut besonders viel Unterstützung erhalten. New York und insbesondere Queens verfügen über eine grosse philippinische Community. Schon ihre Trainingseinheiten ziehen inzwischen erhebliche Aufmerksamkeit auf sich. Livestreams ihrer Trainings erreichten auf YouTube fast 100.000 Aufrufe. Andere Topspieler kommen laut Vorlage bei vergleichbaren Videos teilweise nicht einmal auf 10.000.
„Eine Sache, an die ich mich gewöhnen musste, ist, dass praktisch alles, was ich mache, öffentlich beobachtet wird“, sagt Eala. Sie habe weiterhin Privatsphäre, allerdings weniger als früher. Bei den U.S. Open dürfte diese Aufmerksamkeit weiter steigen. Die Tribünen gelten als laut, gleichzeitig sitzen Vertreter grosser Sponsoren in den Logen. Sollte Eala im Turnier weit kommen, könnte aus dem philippinischen Nationalstar endgültig eine international bekannte Sportlerin werden.
Für Eala selbst steht jedoch weiterhin das sportliche Ziel im Mittelpunkt. Schon als Kind stellte sie sich einen umgebauten Basketballplatz auf den Philippinen als Centre Court von Wimbledon oder als Arthur Ashe Stadium der U.S. Open vor. Ihr Ziel: die Nummer eins der Welt zu werden. Dass sie diesen Traum heute tatsächlich verfolgen könne, fühle sich surreal an, sagt Eala. Gleichzeitig werde ihr mit jedem Turnier bewusster, wie schwierig der Weg sei. „Je besser ich werde, desto steiler wird der Berg“, sagt sie. „Also versuche ich einfach, ihn Tag für Tag zu erklimmen.“
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Text: Matt Craig
Foto: Hameltion