ALLES AUS EINER HAND

Die Digitalisierung stellt für viele Unternehmen eine Herausforderung dar. Das gilt vor allem für Branchen, in denen Bedarf nach physischen Standorten vorhanden ist. Ein Beispiel dafür: Optiker. Das österreichische Familienunternehmen sehen! wutscher hat sich vor vier Jahren digital transformiert – und seinen Umsatz damit verdoppelt. Unterstützt wurde der Traditionsbetrieb dabei vom Zahlungsdienstleister Concardis.

Die Coronapandemie erweist sich für den stationären Handel als massive Heraus­forderung. Lockdowns und Ansteckungsgefahr führen zu ausbleibender Kundschaft – die Menschen kaufen online ein. Auswahl, Preisvorteile und Bequemlichkeit beschleunigten den bereits vorhandenen Trend hin zu E-Commerce. Dabei haben großteils Riesen wie Amazon und Co profitiert. Für kleinere Betriebe stellt die Digitalisierung oft eine Hürde dar, denn es braucht Know-how, Investitionen und zeitliche Ressourcen – so zumindest die Annahme. Doch Chancen der Digitalisierung können auch einfacher genutzt werden. Man braucht jedoch einen ­starken Partner – etwa den Payment-Omnichannel-Anbieter Concardis.

Doch was heißt „Omnichannel“? Stellen Sie sich vor, Sie kaufen bei einem Händler online ein, wollen die Ware aber im Geschäft retournieren. Oft geht das nicht, da die Online- und Offline­geschäfte getrennt betrieben werden, erläutert Damir Leko, ­Vertriebsdirektor für Österreich und Osteuropa bei Concardis. „Tatsächlich muss man sich das vorstellen wie zwei voneinander getrennte Straßen, die zu einer Autobahn zusammengeführt werden. Dahinter stecken sehr viele technische Hindernisse“, erklärt Leko. So müssen die Schnittstellen zwischen Online- und Offlinewelt programmiert werden, die Terminals und Kassensysteme der stationären Standorte müssen zudem mit dem Onlineshop kommunizieren können. Dies sei technisch auf verschiedenen Ebenen eine Herausforderung und erfordert innovative Lösungen. Doch genau darum kümmert sich Concardis.

Sobald die beiden Vertriebswege erfolgreich zusammengeführt wurden, werden zahlreiche Vorteile realisiert – sowohl für die Kunden als auch für den Betrieb selbst. Denn die Kunden betreten ein Marken-Ökosystem, in dem Online- und Offlinewelt nahtlos ineinander verschmelzen. Während man online das Sortiment durchsuchen, Beratungs­termine vereinbaren oder Produkte vorbestellen kann, erfolgt die Abholung im Geschäft selbst.

Damir Leko ist Leiter E-Commerce für Österreich und Osteuropa bei Concardis.

Concardis ging 2003 aus dem Unternehmen Euro ­Kartensysteme hervor. Das Ziel: ein Allround-­Anbieter für den digitalen Zahlungsverkehr zu werden. In den Jahren 2005 und 2007 expandierte Concardis in die Schweiz bzw. nach Österreich. Im Juli 2019 fusionierte der Betrieb mit einem führenden europäischen Paymentanbieter, der Nets Group. Gemeinsam erwirtschaftet die Gruppe eine Milliarde € Nettoumsatz, verwaltet über 700.000 Händlerstellen, davon 140.000 digital, und hat mehr als 4.000 Mitarbeiter in 19 Ländern europaweit engagiert.

Als eines der Erfolgsbeispiele des Concardis-Modells gilt der österreichische Brillenhändler sehen! ­wutscher. 1966 von Fritz Wutscher senior gegründet, ist das Unternehmen heute der größte Markenanbieter unter den Optikern in Österreich im Premium­segment. Insgesamt betreibt das Familienunternehmen rund 90 Fachgeschäfte für Augenoptik, man ist in allen neun Bundesländern vertreten. 2000 ging die Geschäftsführung auf Fritz Wutscher junior über, den Sohn des Gründers. 2010 beschäftigte sich Wutscher junior erstmals mit dem Aufbau eines Onlinegeschäfts: „Anfangs haben wir geglaubt, man kann Brillen ganz leicht auch online verkaufen. So einfach funktioniert das aber nicht, das haben wir über mehrere Jahre hinweg gelernt.“ Denn vor allem für Optiker ist die Umstellung auf E-Commerce eine heikle Sache, da das Aussuchen des Brillengestells eine höchst individualisierte Entscheidung ist. „Daher lautet unser Ansatz, dass wir Kunden die Brille immer noch direkt anpassen wollen“, so Florian Krischan, der als Prokurist bei sehen! wutscher tätig ist.

Somit ging Wutscher 2016 gemeinsam mit Concardis den Aufbau eines Omnichannel-Vertriebskanals an. Vorrangiges Ziel war dabei, online neue Kunden zu gewinnen und diese ins Geschäft zu bringen. Denn für Optiker wird der stationäre Handel wohl nie vollständig durch E-Commerce ersetzt werden. Damit war der Omnichannel-Ansatz für eine erfolgreiche Digitalisierung bei sehen! wutscher unerlässlich. Die Wette hat sich ausgezahlt: Seit der Zusammenarbeit mit Concardis hat das Familienunternehmen seinen Umsatz verdoppelt. Und das, obwohl auf dem Markt zahlreiche internationale Konkurrenten auftauchten, etwa der niederländische Anbieter Ace & Tate oder die Schweizer Marke Viu Eyewear. Beim rasanten Wachstum sei es vor allem wichtig, über Backend-Infrastruktur zur verfügen, die skalierbar ist, erzählt Leko. Dank Concardis war ­diese Kapazität eine Selbstverständlichkeit, so Wutscher. Noch dazu musste die Buchhaltung trotz doppeltem Umsatzvolumen nicht vergrößert werden.

Fritz Wutscher, CEO, Optikermeister und Inhaber.

Die Vorteile des Omnichannel-Konzepts können aber genauso von Einzelhändlern und Kleinboutiquen ausgenutzt werden. Denn Concardis mache die Umstellung sehr rasch und mit wenig Kapital möglich, so Leko. „Unser Ziel ist, Kleinhändlern eine Chance zu geben, in das E-Commerce-­Universum einzusteigen. Dabei sollen sie sich nicht auf Riesenkonzerne wie Amazon und deren Marketplace verlassen müssen.“ Das geht vor allem mithilfe ­maßgeschneiderter ­Angebote, etwa dem Aufbau eines One-Page-­Shops, oder Payment-Links für die einfache digitale Bezahlung von Waren. Mit solchen Lösungen können auch Ein-Personen-Geschäfte ihre Waren ohne große Mühe online vertreiben, ganz ohne Hardware. Seit Jänner 2021 gibt es ein spezielles Angebot von Concardis für Kleinunternehmen (also jene, die weniger als 2.000 € Monatsumsatz erzielen, Anm.) – - um ohne Fix- und monatliche Kosten innerhalb von 24 Stunde eine Online-Präsenz aufzubauen.

Die Coronakrise hat die Digitalisierung für viele Unternehmen, vor allem aber Klein- und ­Familienbetriebe, zu einer absoluten Notwendigkeit gemacht. Wie es um ihre Zukunft bestellt ist, hängt unter anderem von der Bereitschaft ab, Digitalisierung richtig anzugehen. „Richtig“ heißt dabei, den Kunden ein Online-offline-Erlebnis ­anzubieten – Omnichannel eben.

Text: Sophie Spiegelberger
Fotos: sehen! wutscher, Concardis

Diese Advoice erschien in unserer Forbes Daily "Wiener Wirtschaft".

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