Mit dem FORBES-NEWSLETTER bekommen Sie regelmässig die spannendsten Artikel sowie Eventankündigungen direkt in Ihr E-mail-Postfach geliefert.
Die Anwälte von OpenAI-CEO Sam Altman fordern, dass Teile seiner Befragung im Prozess gegen Elon Musk von der Jury nicht berücksichtigt werden. Musks Anwalt habe unbelegte Vorwürfe erhoben und fälschlich nahegelegt, der US-Senat untersuche Altman.
Worum es geht: Im Zentrum steht der laufende Rechtsstreit zwischen Elon Musk und OpenAI. Musk wirft Sam Altman und weiteren OpenAI-Mitgründern vor, ihn über die ursprüngliche Ausrichtung des Unternehmens getäuscht zu haben: OpenAI sei als Non-Profit gestartet, habe sich später aber in Richtung eines gewinnorientierten Modells entwickelt. Nun sorgt Altmans Aussage vor Gericht für neuen Streit – diesmal wegen der Befragung durch Musks Anwalt.
Die Anwälte von OpenAI-CEO Sam Altman haben nach dessen Aussage im Prozess gegen Elon Musk beantragt, dass die Jury Teile der Befragung ignorieren soll. Hintergrund sind Aussagen von Musks Anwalt Steven Molo, die laut Altmans Verteidigung unbelegte Vorwürfe gegen den OpenAI-Chef enthielten und die Jury unfair gegen ihn beeinflussen könnten.
In dem Verfahren wirft Musk Altman und anderen OpenAI-Mitgründern vor, ihn dazu gebracht zu haben, in OpenAI als Non-Profit-Organisation zu investieren – bevor das Unternehmen später zu einem gewinnorientierten Modell wechselte. Der Prozess findet in Oakland, Kalifornien, statt.
Altmans Anwälte erklärten in einem Schriftsatz, Molo habe das Kreuzverhör genutzt, um der Jury eine Reihe nicht belegter Anschuldigungen zu präsentieren. Sie sprechen von unbewiesenen und nicht überprüfbaren Aussagen. Besonders kritisieren sie, dass Molo fälschlich nahegelegt habe, der US-Senat untersuche Altman. Tatsächlich hatten Abgeordnete des US-Repräsentantenhauses Altman vergangene Woche einen Brief geschickt und Details zu seinen persönlichen Investments angefordert.
Auch Molos Darstellung, diese Untersuchung beziehe sich auf Altmans Aussage vor dem Kongress aus dem Jahr 2023, wonach er keine Anteile an OpenAI halte, sei laut Altmans Anwälten falsch. Altman sagte aus, er erhalte keine direkten Anteile an OpenAI, habe aber über einen anderen Fonds eine indirekte Beteiligung am Unternehmen.
Kritik übten Altmans Anwälte auch an Fragen zu einem kritischen Artikel über seine Führung im „New Yorker“. Dieser basiere aus ihrer Sicht auf Hörensagen. Zudem werfen sie Molo vor, unbegründete Anschuldigungen erhoben zu haben, Altman habe falsche Angaben in SEC-Unterlagen gemacht. Molo reagierte zunächst nicht auf eine Anfrage um Stellungnahme.
Die Anwälte fordern nun, dass das Gericht die Jury ausdrücklich anweist, Molos Andeutung zu ignorieren, Altman habe wegen seiner Kongressaussage aus dem Jahr 2023 einen Brief aus dem Senat erhalten. Einen solchen Brief habe es nie gegeben.
Der Prozess sollte am Mittwochmorgen in Oakland fortgesetzt werden und voraussichtlich bis Donnerstag laufen, bevor die Beratungen der Jury in der kommenden Woche beginnen. Für OpenAI und Altman steht viel auf dem Spiel: Sollte Musk gewinnen, könnte OpenAI gezwungen werden, zu seiner Non-Profit-Struktur zurückzukehren. Zudem könnte Altman aus dem Board entfernt werden.
Parallel steht Altman wegen möglicher Interessenkonflikte unter politischer Beobachtung. Der Kontrollausschuss des US-Repräsentantenhauses hatte ihn vergangene Woche um Informationen dazu gebeten, wie OpenAI mit potenziellen Interessenkonflikten umgeht. Im Zentrum stehen Altmans persönliche Investments. Forbes schätzt sein Vermögen auf mehr als 3,5 Mrd. US-$; aufgebaut hat er es vor allem durch Beteiligungen außerhalb von OpenAI, da er keine direkten OpenAI-Anteile hält.
Mehrere Unternehmen, in die Altman investiert hat, machen Geschäfte mit OpenAI oder standen dazu in Gesprächen. Das sorgt für ethische Fragen. Auslöser war unter anderem ein Bericht des „Wall Street Journal“, wonach Altman OpenAI zu einer Investition in dreistelliger Millionenhöhe in Helion gedrängt haben soll – ein Kernfusionsunternehmen, an dem Altman selbst erheblich beteiligt ist. Laut Bericht sollen einige OpenAI-Mitarbeiter starke Bedenken gehabt haben.
Neben dem Repräsentantenhaus haben auch Generalstaatsanwälte mehrerer US-Bundesstaaten die US-Börsenaufsicht SEC aufgefordert, Altmans Investments im Vorfeld eines OpenAI-Börsengangs zu prüfen. Der Senat hat hingegen keine Untersuchung gegen Altman eröffnet. Altman erklärte vor Gericht, er habe bei Investments in Unternehmen mit OpenAI-Bezug die geltenden Ethikvorgaben befolgt, sich bei möglichen Interessenkonflikten zurückgezogen und werde auf die Anfrage des Repräsentantenhauses antworten.
Text: Alison Durkee
Foto: Wikimedia Commons