AUF ZU NEUEN UFERN

Im Herbst 2020, mitten in der zweiten Welle der Coronapandemie, gründete die älteste Versicherung Österreichs, die Merkur Versicherung, ihr eigenes Start-up unter weiblicher Führung: das Merkur Innovation Lab.

Wohin die Reise gehen wird, war seit Längerem klar – die Coronapandemie hat diese strategische Ausrichtung lediglich beschleunigt und weiter manifestiert. Es war demnach nicht nur ein Zeichen (nach innen wie nach außen), als die älteste Ver­sicherung Österreichs, die Merkur Versicherungs AG, im November 2020, mitten in der zweiten Welle der Coronapandemie, ein konzerneigenes Start-up ausgründete: das Merkur Innovation Lab.

Es gilt, diesen herausfordernden Zeiten mit Inspiration und Ideenreichtum zu begegnen und einen intensiven Austausch mit neuen, jungen und auch erfahreneren technologieaffinen Menschen und Unternehmern zu pflegen; und natürlich mit der Forschung. Ausgesprochenes Ziel ist dabei, aus Data Smart Data, aus geteiltem Wissen mehr Wissen zu machen, von Jungen zu lernen, sie mit der eigenen Erfahrung zu unter­stützen und Geistesblitze für Produktideen wie auch junge Insurtech-Unternehmer zu fördern. Im Merkur Innovation Lab sollen Themen der Zukunft angegangen werden – und diese drehen sich um die Digitalisierung und unseren Umgang mit deren rasanter Dynamik und ihre Auswirkungen auf praktisch all unsere Lebens­welten. Im Merkur Innovation Lab wird Information gebündelt, erlernt und in sinnvolle Produkte und Beziehungen kanalisiert.

Für die auf die Gesundheit der Menschen fokussierte Versicherung geht es dabei – wie in praktisch allen anderen Unternehmen und Branchen auch – um den Erhalt der eigenen Wettbewerbsfähigkeit durch die intelligente Anwendung neuer Technologien. „Im Kern arbeiten wir daran, zu klären, wie man die Digi­talisierung, den Einsatz von digitaler Infrastruktur bis hin zu Augmented Reality und Data-driven Businesses nutzen kann, um Geschäftsprozesse und Vertriebsmodelle effizienter zu gestalten“, sagt Daniela Pak-Graf, Geschäftsführerin von Merkur Innovation Lab. Und das sei nur dann möglich, wenn man die Bedürfnisse der Kunden bestenfalls vorwegzunehmen imstande sei: „Wir wollen unsere Kunden dort abholen, wo sie gerade stehen“, so Pak-Graf weiter.

Innovation sei dabei nie Selbstzweck des Versicherers gewesen, sie habe stets das Geschäft vorangetrieben. Schließlich sollen auf 222 Jahre Unternehmensgeschichte mindestens ebenso viele folgen – Daniela Pak-Graf schmunzelt.

Im Geschäftsjahr 2019 beschäftigte die Merkur Versicherung in Öster­reich und Südosteuropa insgesamt 1.442 Mitarbeiter und managte ein Gesamtprämienvolumen von 610,8 Millionen €. Der Konzernsitz ist seit 2020 im neuen Merkur Campus Graz. Der Gebäudekomplex vereint Be­währtes mit Neuem und mutet wie ein Ort des Lernens an; ein zentrales Anliegen der Konzernführung und ein Signal für den unbedingten Ver­änderungswillen. Dies – ebenfalls – nicht ohne Grund.

Neben Daniela Pak-Graf auf der Bank: Harald Neubauer, Chief Digital Officer. Links und rechts neben Dusan Urban, Head of Innovation & Strategy, stehen Linda Kolb, Data Scientist und Jan Gebert, Data Scientist.

Denn noch nie waren sowohl Kunden als auch Mitstreiter am Markt besser informiert, und noch nie haben sich auch die Bedürfnisse und Ansprüche der zu versichernden Personen so rasch verändert wie dieser Tage. Nur durch einen verbesserten Zugang zu Kundeninformationen sei es möglich, mit den Angeboten für diese Klientel Schritt halten zu können, zeitgemäße Produkte zu ent­wickeln und Abschlüsse zu beschleunigen. So soll gemeinsam mit einem der führenden europäischen Forschungszentren für Data-driven Business und Artificial Intelligence, dem Grazer Know-Center, am Ausbau der digitalen Infrastruktur gearbeitet werden. Mit dieser externen Unterstützung werde der eigene Innovationsgeist gebündelt, um nicht nur auf die Marktdynamiken zu reagieren, sondern auch ihr Tempo mit­bestimmen zu können, heißt es aus dem Vorstand der Versicherung.

Mit Unterstützung des Grazer Know-Centers soll demnach eine eigene Data-Science-Abteilung aufgebaut werden, in der Anwendungsbeispiele umgesetzt und Forschungs­ergebnisse verwertet werden können. Dies ist vor allem durch die zunehmende Verfügbarkeit von Kunden­daten, etwa auch durch das sogenannte Internet of Things, möglich. „Unser Ziel ist es, die Bedürfnisse der Kunden noch genauer zu kennen. Denn jede Technologie und jedes Projekt startet bei den
Kunden und Kundinnen“, so Pak-Graf. Das Kunden­verhalten gebe die Richtung vor.

Nicht zuletzt spielt Ausbildung (neben Forschung und Entwicklung) dabei eine wichtige Rolle: Merkur unterstützt eine Doktorandenstelle im Bereich Social Computing für Data-Science-Spezialisten. Die Kooperation mit Spielern aus der Wirtschaft im Rahmen von Zusammenarbeit mit Start-ups und Forschungseinrichtungen macht das Merkur Innovation Lab zu einem Ort des produktiven Austauschs zum Nutzen aller Stakeholder, eben auch der Forscher: „Ziel dieses Projekts ist es“, so Stefanie Lindstaedt, CEO des Know-Centers und Direktorin des Instituts für Interactive Systems and Data Science an der TU Graz, „neue Methoden umzusetzen, um sensitive Daten sicher auszuwerten und Unternehmen dabei zu unterstützen, Daten und Algorithmen besser zu verstehen und zu nutzen – und das bei maximalem Datenschutz.“

„Komplexe Probleme lassen sich nur im Netzwerk lösen.“
Daniela Pak-Graf

Nicht unbemerkt blieb indes, dass das Merkur Innovation Lab mit Daniela Pak-Graf unter weiblicher Führung steht. Seit vielen Jahren schon ist die studierte Mathematikerin und Pädagogin im Team der Merkur Versicherung tätig – zuletzt im Bereich Risikomanagement und Konzernmathematik. Karriere habe sie aber bereits vor ihrer Zeit bei der Grazer Assekuranz gemacht; nicht unbedingt linear, sagt sie, von ihren persönlichen beruflichen Wechseln habe sie jedoch stets profitiert. Da habe man früher vielleicht noch anders darüber gedacht: „Vor 20 Jahren wäre ich für Arbeitgeber nicht besonders attraktiv gewesen: Mathematik­studium, Traineeprogramm, Consulting, Lehrerin – und dann wieder zurück in die Wirtschaft“, sagt Pak-Graf.

Heute werde selbst in einer so traditionellen Branche wie jener der Versicherungen anders auf nicht unbedingt lineare bzw. stringente Lebensläufe geblickt, sagt sie. „Wenn wir uns weiterentwickeln wollen, müssen wir einfach den Mut haben, Unternehmen zu wechseln, auch Branchen. Ich profitiere ja auch als Führungskraft davon, wenn ich Mitarbeiter mit an­deren Sichtweisen im Team habe.“

Bei der Suche nach neuen Kollegen sei demnach weniger die Ausbildung im Fokus, sondern Eigenschaften wie Mut, Neugier, kritisches und lösungsorientiertes Denken sowie die Bereitschaft, sich weiterzubilden. „Ich suche empathische Teamplayer“, so die Merkur-Innovation-Lab-Chefin. „Spezialisten werden immer gesucht, aber der Weg geht, denke ich, mehr zu Personen, die ihr Spezial- und Fachwissen mit sozialen Kompetenzen verbinden können, wodurch bereichsübergreifendes Arbeiten erst möglich wird“, sagt Pak-Graf.

Heute wird die Arbeitswelt aber nicht mehr allein durch den viel zitierten War for Talents geprägt, sondern selbstredend auch – oder zur Zeit vor allem – durch die Veränderungen, die die Coronapandemie mit sich gebracht hat. „Was Corona aus meiner Sicht gezeigt hat, ist, dass es auch Jobs gibt, ohne die wir nicht durch die Krise gekommen wären, und diese Jobs haben sich mehr gesellschaftliche Wertschätzung – auch in Form der Bonifikation – verdient.“ Besonders gefragt bleiben aber, so Pak-Graf weiter, Jobs in der IT und allem, was darunter subsumiert werden kann: Digitalisierung, Data Science, Data Management, Machine Learning Engineers, aber auch Jobs in Bereichen wie Content Management, Customer & Employee Experience und viele mehr. So reiht sich auch das Merkur Innovation Lab in die lange Reihe der Techniker suchenden Organisationen ein.

Daniela Pak-Graf
...ist studierte Mathematikerin und Pädagogin sowie Mutter zweier Kinder. Seit Herbst 2020 ist sie Geschäftsführerin des Merkur Innovation Lab.

Und auch als Führungskraft stehe man vor neuen Herausforderungen. Denn das hybride Leben und Arbeiten wird künftig keine pandemiebedingte Lösung sein, sondern die Norm werden, so Pak-Graf zu ihrer Rolle. Da­bei dürfe man nicht vergessen, dass virtuelles Arbeiten nur solange gut geht, bis man sich in einer Konfliktsituation wiederfindet. Je mehr es um Konfliktbearbeitung geht, desto weniger sei das in einer Videokonferenz machbar.

Virtuelle Führung bedeutet für Pak-Graf Vertrauensbereitschaft: „Es geht um das Abgeben von ­Kontrolle und Macht und darum, dass ich meinen Mitarbeitern die Möglichkeit gebe, sich ein Stück weit selbst zu führen. Denn das Führen aus der Position heraus hat eigentlich schon vor Corona nicht mehr funktioniert.“ Die Herausforderungen von heute seien jedenfalls nicht mehr aus der Hierarchie heraus zu lösen, auch nicht losgelöst von den jeweiligen Umwelten, so Pak-Graf. „Komplexe Probleme lassen sich nur in Netzwerken lösen“, sagt sie. Und um in diesen Netzwerken bestehen zu können, werde das lebenslange Lernen zur Selbst­verständlichkeit werden müssen.

Womit wir wieder beim Merkur Innovation Lab wären – und seinem Kerngeschäft. Hier soll die wichtigste Plattform wachsen, auf der Interessierte oder Wissensträger wie Forscher und Unter­nehmer einander für Austausch treffen und sich gegenseitig inspirieren können. Hier soll der Ort sein, an dem ambitionierte Start-ups an den Erfahrungen einer fast 223 Jahre alten Versicherung teilhaben und von ihr lernen können. Das Merkur Innovation Lab will Zukunft erarbeiten, Wissens- und Daten­generator für Produktinnovationen sein – und Daniela Pak-Graf freut sich auf das, was auf sie und ihr Team zukommt. Dazu zählt auch eine Ankündigung für den 28. Juni 2021: Unter dem Motto „Gesundheit von morgen“ können Start-ups ihre Ideen für digitale Versicherungsservices pitchen. Teilnahmebedingungen unter:
www.humantechnology.at.

Text: Heidi Aichinger
Fotos: Johanna Lamprecht

Dieses Advertorial erscheint in unserer März-Ausgabe 2021 „Künstliche Intelligenz“.

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