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Seit dem Ende seiner Fußballkarriere verdient David Beckham nicht weniger, sondern mehr als je zuvor. Allein sein Anteil am Fußballklub Inter Miami ist heute über 300 Mio. US-$ wert. Wie der Fußballstar sein Firmenimperium aufbaute, zeigt sich vor allem an einem Projekt, das zwölf Jahre und mehrere gescheiterte Anläufe hinter sich hat: dem Bau eines vereinseigenen Stadions in Miami.
Es ist 10 Uhr morgens in Chiswick, einem freundlichen Vorort im Westen Londons; Ende April – und Sir David Beckham ist bereits seit zwei Stunden am Set. Das war zu erwarten: Der 51-jährige ehemalige Fußball-Superstar ist dafür bekannt, immer früh da zu sein.
Kräne, Zelte und Wohnwagen säumen die Einfahrt eines zweistöckigen Backsteinhauses und verleihen ihm von außen das Aussehen eines Filmstudios. Im Inneren bewegen sich einige Dutzend Crewmitglieder mit routinierter Effizienz durch die Räume und kümmern sich um Kameras und Beleuchtungsanlagen. Beckhams Produktionsfirma Studio 99 hat den heutigen Dreh für den Lautsprecherhersteller Bowers & Wilkins organisiert; der gestrige Dreh war für den Haushaltsgerätehersteller Shark Ninja. In den kommenden Tagen stehen noch weitere Dreharbeiten auf dem Programm, die alle der Maschinerie namens David Beckham, Inc. dienen.
Während die Kameras laufen, sitzt Beckham in einem übergroßen Sofa – in einem weißen Hugo-Boss-Pullover, ausgewaschenen Jeans, mit einer goldenen Rolex und weißen Sneakers. Ein Cockerspaniel, der für diesen Tag gemietet wurde, hat sich neben ihm zusammengerollt. Der Hund springt mitten in der Aufnahme auf; aus dem Nebenraum beobachtet Beckhams langjährige Kreativdirektorin die Wiedergabe auf ihrem Monitor und schreitet sofort zur Tat: „Jumper! Jumper!“, ruft sie. Sie macht sich jedoch keine Sorgen um den aufspringenden Hund – es ist Beckhams Pullover (oder „Jumper“, wie die Briten dieses Kleidungsstück nennen), der ihr Sorgen bereitet. Ein Team eilt herbei, um ihn zurechtzuziehen.
„Ich habe schon früh verstanden: Nur wenn man mit den richtigen Marken zusammenarbeitet und dieselben Werte teilt wie diese Marken, kann man zehn, fünfzehn oder zwanzig Jahre lang für sie tätig sein“, erklärt Beckham. „Ich arbeite hart an diesen Beziehungen, weil sie wichtig sind. Wir übertreffen immer die Erwartungen.“
Beckham beendete 2013 im Alter von 38 Jahren seine Profifußballkarriere, nachdem er auf und neben dem Platz mehr als eine halbe Milliarde US-$ (427,8 Mrd. €) verdient hatte. Während seiner aktiven Zeit war er ein globaler Star – und wohl der erste Fußballspieler seit Pelé, den der durchschnittliche US-Amerikaner erkannte. Unglaublicherweise ist er seit seinem Rücktritt noch berühmter geworden; und um einiges reicher.
Im vergangenen Jahr strich Beckham 100 Mio. US-$ ein, indem er seine sorgfältig gepflegte Ausstrahlung für Produkte einsetzte, die von Adidas-Fußballschuhen bis hin zu Nespresso-Kaffeemaschinen reichten. Werbeverträge sind aber nicht alles – hinzu kommen Netflix-Dokumentationen, Immobiliengeschäfte in Florida und Investitionen in eine ganze Reihe von Start-ups. Im Jahr 2024 brachte Beckham IM8 auf den Markt, eine Marke für Anti-Aging- und ganzheitliche Gesundheitspräparate; außerdem gibt es „Beeup“, seine Produktlinie mit Obst-Snacks für Kinder, die aus Honig hergestellt werden. Und dann ist da natürlich noch sein 26-prozentiger Anteil an Inter Miami, einem der beliebtesten Vereine der Major League Soccer (MLS). Rechnet man alles zusammen, ist Beckham ein Milliardär mit einem Vermögen von unserer Schätzung nach knapp über 1 Mrd. US-$ – und damit einer von nur sieben lebenden (Ex-)Profisportlern, denen dieses Kunststück gelungen ist. (Die anderen sind Michael Jordan, Magic Johnson, Tiger Woods, LeBron James, Roger Federer und Ion Tiriac, der rumänische Tennisstar der 70er-Jahre.)
Den größten Teil seines Vermögens macht Beckhams Beteiligung an Inter Miami aus. Er versetzte die Fußballwelt 2007 in Staunen, als er bekannt gab, dass er den spanischen Spitzenverein Real Madrid verlassen werde, um in die amerikanische MLS zu wechseln – damals eine schwächelnde Liga zweiten oder gar dritten Rangs. „Mein Bauchgefühl sagte mir: Das ist das Richtige“, so Beckham, „und ich verlasse mich immer auf mein Bauchgefühl.“ Er handelte einen Fünfjahresvertrag bei Los Angeles Galaxy aus, der ihm 6,5 Mio. US-$ pro Jahr einbrachte (mehr als das Dreifache der Gehaltsobergrenze; die Liga gewährte klugerweise eine Ausnahmegenehmigung); sowie einen beispiellosen Anteil an den Sponsoren- und Merchandising-Einnahmen des Vereins – vor allem aber bestand Beckham auf einer Option, nach seiner Karriere für 25 Mio. US-$ einen neuen Verein auf die MLS-Landkarte zu setzen.
Aus einer Auswahlliste von MLS-zugelassenen Expansionsmärkten entschied er sich für Miami, angezogen von den vielen fußballbegeisterten Lateinamerikanern dort und der Anziehungskraft der Stadt auf Spieler. „Ich war immer davon überzeugt, dass Miami mit seiner Vielfalt und Lebendigkeit großartige Spieler anziehen könnte“, so Beckham. Heute ist Inter Miami das angesagteste Team der MLS, sowohl auf dem Platz (wo es 2025 dank Superstar Lionel Messi den MLS Cup gewann) als auch abseits davon. Forbes schätzt den Wert des Teams vor Schulden auf die ligaweite Rekordhöhe von 1,35 Mrd. US-$, womit Beckhams 26-prozentiger Anteil bei über 300 Mio. US-$ liegt – eine mehr als zwölffache Rendite auf seine ursprüngliche Investition innerhalb von etwas mehr als zehn Jahren. Im April bezog das Team das neue Nu Stadium mit 27.000 Plätzen in der Nähe des Miami International Airport. Das Bauvorhaben wurde von Beckham und den Miteigentümern, dem Bau-Milliardär Jorge Mas und seinem Bruder Jose, privat finanziert; die Kosten beliefen sich auf schätzungsweise 350 Mio. US-$. Gleich nebenan errichten Bauarbeiter derzeit für 1 Mrd. US-$ 1 Million Quadratfuß Büro- und Einzelhandelsfläche, 750 Hotelzimmer sowie einen 23 Hektar großen Park, finanziert durch Fremd- und Eigenkapital der Partner.
„Es gibt diesen zunehmenden Trend, dass Sportler sich im Profisport engagieren – sie ziehen ihre Shorts aus und schlüpfen in einen Anzug“, sagt MLS-Kommissar Don Garber. „Das ist nicht nur ein Sponsoring- oder Werbevertrag – hier ist David als Eigentümer tätig.“
Und das war insgesamt nicht einfach. Um Inter Miami ins Leben zu rufen, musste Beckham zunächst einige Partnerschaften durchlaufen und drei gescheiterte Stadionpläne hinter sich lassen. Bis 2016 – drei Jahre nach seinem Rücktritt als Fußballer – hatte er durch die Expansionsgebühr und eine Flut gescheiterter Pläne, Genehmigungen und anderer Gründungskosten bereits 39 Mio. US-$ in das Projekt gesteckt. Die MLS bot Beckham an, ihm einen Scheck über 50 Mio. US-$ auszustellen, um die Option zurückzukaufen, doch er lehnte ab: „Es gab nie einen Moment, in dem ich dachte: ‚Das wird nichts‘“, sagt er heute.
Weil die USA in diesem Sommer zum ersten Mal seit 32 Jahren die Weltmeisterschaft (mit-)ausrichteten, fügten sich alle sorgfältig ausgearbeiteten Pläne Beckhams zusammen: Miami war offizieller Austragungsort für sieben Spiele; Beckham hatte sich bereit erklärt, das Gesicht der Werbekampagne der MLS zu sein – und er nutzte die gesamte Aufmerksamkeit für eine Reihe neuer Werbespots für Adidas, Lay’s, Stella Artois, Lenovo, Verizon und Home Depot. Es wurde ein Beckham-Sommer.
„Zu sehen, welche Hindernisse er alle überwunden hat, ist bemerkenswert“, sagt Victoria Beckham, das ehemalige Spice Girl, das seit 26 Jahren Beckhams Ehefrau ist. „David versteht es einfach hervorragend, das Unmögliche möglich zu machen.“
Beckham lernte schon als Kind im Londoner East End, was es heißt, hart zu arbeiten – als Sohn von Ted, der Gasöfen reparierte und wartete, und Sandra, einer Friseurin. Sein Vater arbeitete lange, verließ das Haus um 6 Uhr morgens und kam oft erst um 21 Uhr abends zurück. Seine Mutter schnitt zu Hause bis 23 Uhr Haare, oft für ältere Frauen – und das alles, obwohl sie die Kinder von der Schule abholte, das Abendessen kochte und dafür sorgte, dass David und seine beiden Schwestern ihre Hausaufgaben machten. „Ich war dabei und habe geholfen“, sagt Beckham, „habe Tee gekocht und Kuchen gebacken. Das ist das größte Geschenk, das mir meine Familie jemals machen konnte: Es geht um das Erlernen von Arbeitsmoral.“
Beckham, ein Spätentwickler, der immer kleiner war als seine Altersgenossen, verbrachte seine Abende und Wochenenden damit, Dribblings und Stepovers zu üben. Mit elf Jahren gewann er einen Technikwettbewerb und unterschrieb mit vierzehn Jahren einen Vertrag bei der Jugendmannschaft von Manchester United für 37,50 Pfund (heute rund 40 €) pro Woche. 1996, im Alter von 21 Jahren, wurde Adidas auf ihn aufmerksam und stattete ihn mit seinem ersten Vertrag über etwa 75.000 US-$ aus (heute rund 160.000 US-$). Mit 22 war er bereits eine nationale Berühmtheit. Der Wandel beschleunigte sich, als er begann, sich mit Victoria Adams von den Spice Girls zu verabreden, die zu dieser Zeit berühmter war als er. Britische Boulevardzeitungen tauften das Paar bald „Posh und Becks“. Im selben Jahr unterzeichnete er seinen ersten Werbevertrag, einen Vierjahresvertrag mit der Haarpomade-Marke Brylcreem im Wert von rund 7 Mio. US-$.
Dann kam ein Absturz: Seine berüchtigte rote Karte bei der Weltmeisterschaft 1998, die England in den Augen vieler Anhänger das Spiel kostete, führte zu jahrelangen Beschimpfungen durch wütende Fans. Beckham hielt den Kopf unten und schoss drei Jahre später in der Verlängerung gegen Griechenland den Freistoß, der England zur Weltmeisterschaft 2002 brachte. Im Jahr 2003 war er Kapitän der englischen Nationalmannschaft, sechsmaliger Premier-League-Meister, Champions-League-Sieger – und auf dem Weg zu Real Madrid.
Während seiner Zeit bei Real Madrid verdiente Beckham abseits des Spielfelds rund 100 Mio. US-$, unter anderem durch die Unterzeichnung eines Mehrjahresvertrags mit Adidas im Jahr 2003, der Berichten zufolge einen Gesamtwert von 160 Mio. US-$ hatte (einschließlich einer Gewinnbeteiligung aus dem Verkauf von Fanartikeln und Werbetätigkeiten) und zu dieser Zeit zu den größten Sponsorenverträgen im Sport gehörte. Um sein Geschäft über das bloße Einlösen von Werbeschecks hinaus weiterzuentwickeln, unterschrieb Beckham 2003 einen Vertrag beim britischen Talentmanager Simon Fuller, der schon seit Langem mit Victoria zusammengearbeitet hatte.
Im Lauf des nächsten Jahrzehnts wechselte Beckham häufig den Verein und steigerte seine Bekanntheit, indem er bei Spitzenmannschaften in vier Ländern spielte: bei Real Madrid bis 2007, bei LA Galaxy von 2007 bis 2012, auf Leihbasis beim AC Mailand in den Jahren 2009 und 2010 sowie bei Paris Saint-Germain für eine letzte halbe Saison im Jahr 2013. Bei der Weltmeisterschaft 2006 war er erneut Kapitän der englischen Nationalmannschaft und gewann 2011 und 2012 mit LA Galaxy den MLS Cup. Dabei half Manager Fuller Beckham dabei, mehrjährige Verträge mit Unternehmen wie Vodafone, Gillette, Coty und Armani abzuschließen.
Schließlich wurde Beckham klar, dass er Fuller nicht mehr brauchte, und er kaufte 2019 dessen Anteil von einem Drittel an seinem Markengeschäft für rund 50 Mio. US-$ auf. „Ich wollte mein Leben selbst in die Hand nehmen“, sagt Beckham heute, „ich wollte mein Geschäft und meine Zukunft selbst bestimmen.“
Anfang 2022 war Beckhams Markengeschäft ein florierendes Unternehmen mit 30 Mitarbeitern, die Partnerschaften, Marketing, Social Media, PR und Kreativarbeit intern abwickelten – und einen Jahresumsatz von rund 50 Mio. US-$ erzielten. Zu diesem Zeitpunkt klopfte Jamie Salter bei David Beckham an, der Gründer und CEO der Authentic Brands Group, dem weltweit zweitgrößten Markenlizenz-Unternehmen (hinter Disney). Salter besaß bereits die Rechte an globalen Top-Berühmtheiten wie Elvis Presley, Marilyn Monroe und Shaquille O’Neal und verfügte über umfangreiche Erfahrung mit High-End-Promi-Marken.
„David legt großen Wert auf seine Marke. Er duldet keine Fehler. Wenn man sich auf das High-End-Segment konzentriert, muss man bei allem akribisch vorgehen“, beschreibt Salter den Fußballstar heute. „Er würde niemals in ein schmutziges Auto steigen. Er ist immer gut gekleidet. David Beckham ist einfach immer perfekt“, so Salter.
Jamie Salter und Beckham einigten sich im Februar 2019 darauf, dass Beckham 55 % seines Markengeschäfts für 250 Mio. US-$ in bar und im Tausch gegen Aktien des Privatunternehmens Authentic verkaufte, dessen Wert damals bei rund 13 Mrd. US-$ lag. Salter konnte damit einen der weltweit marktfähigsten Stars in sein Portfolio aufnehmen; Beckham wiederum erhielt Zugang zu einem der weltweit größten Marketinggiganten, einer riesigen Summe an Bargeld und Aktien – und behielt die kreative Kontrolle sowie einen Anteil von 45 %, was ihm einen großen Teil der Gewinnchancen sichert. „Letztendlich werden wir nichts tun, was David nicht tun will“, sagt Salter.
Seit dem Authentic-Deal boomt Beckhams Markengeschäft, wobei der Umsatz im Jahr 2025 auf 100 Mio. US-$ kletterte. Auch Beckhams Anteil an Authentic ist entsprechend gestiegen – der Markengigant mit einem geschätzten Umsatz von 2 Mrd. US-$, zu dem auch die Einzelhandelsketten Brooks Brothers und Forever 21 gehören, hat mittlerweile einen geschätzten Wert von 20 Mrd. US-$; eine Rendite von mehr als 50 % für Beckham.
David Beckham hat aber auch hart daran gearbeitet, seinen Namen im Rampenlicht zu halten. Im Jahr 2023, zum zehnjährigen Jubiläum seines Fußball-Rücktritts, veröffentlichte die Produktionsfirma Studio 99, die Beckham mitgegründet hatte, eine vierteilige Netflix-Dokumentarserie über die Karriere des Fußball-Weltstars, die in der ersten Woche mehr als zwölf Millionen Aufrufe verzeichnete, einen Emmy für die beste Dokumentarserie gewann und Beckham – ganz, wie er es sich erhofft hatte – einer neuen Generation von Fans und Kunden vorstellte. „Beckham war für uns ein durchschlagender Erfolg“, sagt Bela Bajaria, Chief Content Officer bei Netflix. Der Streaming-Riese gab grünes Licht für eine dreiteilige Serie über Victoria, die im vergangenen Oktober Premiere feierte, und schloss im Dezember einen First-Look-Vertrag mit Beckham ab, der Netflix drei Jahre lang das Vorrecht auf die Dokumentarfilme und Reality-Projekte von Studio 99 einräumt.
Ich wollte mein Geschäft und meine Zukunft selbst bestimmen.
David Beckham
Und dann sind da noch die anderen Geschäftsaktivitäten Beckhams: Frustriert von seiner übermäßig komplizierten täglichen Wellnessroutine, bei der er einen ganzen Schrank voller Tabletten verwalten musste, gründete er 2024 gemeinsam mit Prenetics, einem an der Nasdaq notierten Gesundheitsunternehmen mit Hauptsitz in Hongkong, das Anti-Aging-Nahrungsergänzungsmittelunternehmen IM8. Das Unternehmen, das ein All-in-one-Pulver und ein tägliches Nahrungsergänzungsmittel verkauft, erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 60 Mio. US-$ und hofft, im Jahr 2026 die 200-Mio.-US-$-Marke zu erreichen.
„Er ist unglaublich begabt, aber er musste auch hart arbeiten“, erzählt Victoria gegenüber Forbes. „Manche Fußballer können einfach aus dem Bett steigen und loslegen. David musste im Fußball hart arbeiten – und er musste das auch im Geschäftsleben tun.“
Kurz vor Einbruch der Dämmerung an einem schwülen Abend Anfang April, inmitten des ohrenbetäubenden Jubels von fast 30.000 Fans, schreitet Beckham in den Mittelkreis des viel beachteten Nu Stadium von Inter Miami. In einem marineblauen Anzug mit dem Vereinswappen, neben ihm die Miteigentümer Jorge und Jose Mas in ähnlicher Kleidung, ergreift Sir David (die Ernennung durch König Charles erfolgte im November) als Erster das Wort. „Vor 20 Jahren kam ich nach Amerika und in die MLS. Mein Traum war es, Meisterschaften zu gewinnen, den Fußball, den ich so sehr liebe, bekannter zu machen und meine eigene Mannschaft aufzubauen“, sagt er zu den Zuschauern, während er die Rede von seinem Handy abliest. „Vor dreizehn Jahren gab ich bekannt, dass Miami meine Wahl sei. Wir hatten keinen Namen. Wir hatten kein Wappen. Wir hatten kein Stadion.“
„Es war eine zwölfjährige Herausforderung“, erzählt Beckham Forbes kurz darauf in Manhattan, „die größte Herausforderung meiner unternehmerischen Laufbahn.“ Es dauerte vier Jahre, nachdem er 2014 die Option auf ein MLS-Expansionsteam ausgeübt hatte, bis die anderen Liga-Eigentümer das endlich genehmigten; und weitere zwei Jahre, um eine Mannschaft zusammenzustellen. Inter Miami bestritt sechs Spielzeiten in einem provisorischen Stadion in Fort Lauderdale, während Beckham und seine Miteigentümer – zu denen ursprünglich auch Softbanks CEO Masayoshi Son und der ehemalige COO Marcelo Claure gehörten – daran arbeiteten, eine dauerhafte Heimat für das Team zu finden. Ein Plan zum Bau eines Open-Air-Stadions an der Uferpromenade von Miami in Port Miami wurde von den Hafengewerkschaften zu Fall gebracht. Ein Grundstück am Wasser in der Nähe der Basketball-Arena von Miami Heat ging aus politischen Gründen verloren. Ein Deal für ein Grundstück in Overtown scheiterte am Widerstand der Anwohner und anhaltenden rechtlichen Hürden. „Er stieg völlig übermüdet aus dem Flugzeug, eilte zu Stadtratssitzungen und stieg dann ins Auto, um zur nächsten zu fahren“, sagt MLS-Kommissar Garber über Beckham. „Das alles hat ihn nie aufgehalten.“
Im Sommer 2018 machte Garber Beckham mit Mas bekannt, der zum Milliardär wurde, indem er das in Florida ansässige Unternehmen Mas Tec zu einem börsennotierten Bau- und Ingenieursriesen ausbaute. „Zu sagen, dass wir uns auf Anhieb gut verstanden, ist eine Untertreibung“, sagt Mas. „Wir glaubten beide daran, dass Miami und die USA Fußballgebiet sind.“
Mas, ein Experte für die Abwicklung schwieriger Geschäfte im „Sunshine State“, versicherte Beckham, dass er die Verantwortung für das Stadionprojekt persönlich übernehmen werde. Sie fanden den 53 Hektar großen, im Besitz der Stadt befindlichen Melreese Country Club, der mit Arsen kontaminiert war und Sanierungsmaßnahmen mit Kosten von 100 Mio. US-$ erforderte, bevor mit dem Bau begonnen werden konnte. Sie legten den Plan, das Gelände in den späteren „Miami Freedom Park“ umzuwandeln, einer öffentlichen Volksabstimmung vor und erhielten 2018 mit 60 % der Stimmen die Zustimmung – unter zwei Bedingungen: Das Projekt musste vollständig privat finanziert werden und neben dem Stadion auch die Entwicklung eines 23 Hektar großen Stadtquartiers umfassen. 2021, inmitten von Berichten über zunehmende Spannungen innerhalb der Eigentümergruppe, kauften die Mas-Brüder den gemeinsamen 48-%-Anteil von Claure und Son.
Die Brüder leiten das Tagesgeschäft des Teams und halten mit mindestens 70 % den größten Anteil, doch Beckham hat dem Verein ganz klar seinen eigenen Stempel aufgedrückt. Bei der Gestaltung des Vereinswappens bestand Beckham darauf, dass das in Brooklyn ansässige Studio Doubleday & Cartwright ihnen hundert verschiedene Fußballverein-Wappen aus den letzten hundert Jahren vorlegte, bevor man sich auf den Reiher, die Form und den genauen Rosaton einigte. „Ich wollte, dass wir eine eigene Farbe haben“, sagt er.
Auch der Kader beschäftigte ihn intensiv. Beckham hatte schon lange ein Auge auf Messi geworfen, den vielleicht größten Spieler der Sportart. Auf der letzten Folie einer frühen Präsentation, die er seinen Partnern 2018 vorstellte, hatte Beckham Messi bereits in einem Trikot von Inter Miami dargestellt – noch bevor der Star Interesse an dem Verein gezeigt hatte.
Text: Maneet Ahuja / Forbes US
Fotos: Matthew Brooks / Forbes US, Getty Images, Imago