Bodenhaftung

Katharina List-Nagl legte mit F/LIST als Unternehmerin einen wahren Höhenflug hin. Beim EY Entrepreneur Of The Year siegte sie in der Kategorie „Industrie und Hightech“ – und zwar hochverdient.

Großer Applaus macht sich breit unter den rund 600 Gästen in der Wiener Hofburg. Katharina List-Nagl steht von ihrem Tisch auf und bewegt sich in Richtung Bühne. Dort warten Erich Lehner, Managing Partner Markets bei EY Österreich, und Dieter Waldmann, Program Executive Director Entrepreneur Of The Year, mit dem „EY Entrepreneur Of The Year“-Award in der Kategorie „Industrie & Hightech“. Zum insgesamt 13. Mal verlieh EY an diesem Freitag, dem 12. Oktober, die renommierte Auszeichnung für Unternehmerinnen und Unternehmer – List-Nagl war dabei die einzige Frau, die einen Kategoriesieg einfahren konnte. „Und, wie fühlen Sie sich jetzt?“, fragt Moderatorin Ingrid Thurnher direkt. „Überrascht, überwältigt, sprachlos“, antwortet die Geschäftsführerin des international tätigen Unternehmens F/LIST. Diese Antwort spiegelt List-Nagls Haltung wider: Trotz unternehmerischer Höhenflüge hat sie die Bodenhaftung nicht verloren. Doch damit war es noch nicht genug der Ehrungen – List-Nagl wird Österreich auch beim World Entrepreneur Of The Year Award 2019 in Monte Carlo vertreten.

Katharina List studierte Wirtschaft und sammelte Berufserfahrung im Ausland, unter anderem bei Hugo Boss in Spanien. 2004 stieg sie in den elterlichen Betrieb ein, 2009 wurde sie Mitglied der Geschäftsführung, vergangenen Herbst übernahm die zweifache Mutter schließlich die Geschäftsführung von ihrem Vater, Franz List senior. „Da das zunehmende Auslandsgeschäft immer mehr auf Englisch stattfand, zog sich mein Vater zurück. Und ich war automatisch mehr in dem Thema drinnen“, sagt List-Nagl im Anschluss an die Verleihung.

Die Unternehmerin führt den Industriebetrieb mit Sitz in Thomasberg, Niederösterreich, in dritter Generation. Ursprünglich wurde das Unternehmen 1950 als Tischlereibetrieb mit fünf Mitarbeitern gegründet, heute ist F/LIST eine internationale Unternehmens­gruppe, die hochwertige Innenausstattungen für Businessjets, Jachten und Hotels herstellt. F/LIST produziert für Kunden in 33 Ländern, 38 Prozent des Umsatzes werden direkt aus den Exporten erwirtschaftet. Produziert wird überwiegend in Österreich. Entscheidend für das gute Gelingen der Expansion und der Internationalisierung war einerseits die kontinuierliche Erweiterung der Produktpalette, wie zum Beispiel der Aufbau des Bereichs Aircraft, und andererseits die Restrukturierung der internen Organisation. Die Zahlen sprechen ­jedenfalls für List-Nagl: Seit ihrem Eintritt 2004 konnte das Unternehmen seinen Umsatz nahezu verzehnfachen (heute 60 Millionen €), die Gruppe verfügt über eine Eigenkapitalquote von circa 70 Prozent und beschäftigt weltweit rund 750 Mitarbeiter. Ende 2018 will das Unternehmen auf 840 Mitarbeiter aufstocken.

List-Nagl sieht den EOY-Award insbesondere als eine Gesamtleistung des Unternehmens: „Ich bringe den Preis nicht für mich mit nach Hause, sondern für unser Team. Wir stehen derzeit vor großen Herausforderungen – Lackumstellungen, die Internationalisierung et cetera. Der EOY-Preis ist eine super Motivation, dass wir voll durchstarten.“ Denn mittlerweile ist F/LIST an sechs Stand­orten weltweit tätig – die Produktion dort hochzufahren und auch die entsprechenden Mitarbeiter zu akquirieren sei eine große Aufgabe. „Aber insbesondere geht es auch darum, den ,F/LIST-Spirit‘ zu implementieren. Wir verkaufen nicht nur Produkte – wir verkaufen eine Philosophie.“

Zur Philosophie des Unternehmens gehört auch klar die Inno­vationsfähigkeit. Denn die wichtigste Sparte der Geschäftsreise­luftfahrt ist durch langwierige Zertifizierungs- und Zulassungs­prozesse kein reiner Innovationsmarkt. Beispiele für Innovationen sind der erste Echtsteinboden für Businessjet-Kabinen oder eine jüngst auf den Markt gebrachte beheizte Variante. „Wir sind derzeit auch stark dabei, eine Strategieabteilung aufzubauen. Die setzt sich mit Industrie und Megatrends auseinander, also etwa Urban Mobility. Wir sondieren, welche Entwicklungspartnerschaften wir eingehen werden“, sagt List-Nagl. Bei ihrer Motivation und ihrer Einsatzbereitschaft kann hier eigentlich nichts schiefgehen.

Hier die Gewinner der vier anderen Kategorien:

Kategorie: Handel & Konsumgüter
Werner Trenker
Gründer und CEO MED TRUST

Als den „geilsten Job der Welt“ bezeichnete Werner Trenker seinen Beruf, als ihm der Entrepreneur of the Year-Preis in der Kategorie Handel & Konsumgüter überreicht wurde. Doch warum genau ist der Gründer von MED TRUST so euphorisch, wenn es um seinen Job geht? „Ich darf selbstständig etwas gestalten und kann es dann mit meinen Mitarbeitern umsetzen. Viele Leute haben Ideen, trauen sich aber nicht, diese umzusetzen. Als Unternehmer muss man das aber tun, um zu überleben. Das ist das Schöne am Unternehmertum.“ Seit 1997 setzt Trenker gemeinsam mit seiner Ehefrau Sylvia seine Ideen um – und zwar im Rahmen seines Unternehmens MED TRUST, das ein nicht invasives und gleichzeitig kontinuierliches Blutzucker-Messsystem entwickeln sollte. Die Verhandlungen scheiterten nach zwei Jahren, doch die Trenkers vertrieben erst Fremdprodukte, bevor sie mit der Marke Wellington und dem zugehörigen Patent durchstarten konnten. Heute vertreibt der burgenländische Betrieb 15 Messsysteme über 13 Niederlassungen in 78 Länder weltweit – und 70 Prozent des Umsatzes werden im Ausland erwirtschaftet.

Kategorie: Start-ups
Johannes Homa
Gründer und CEO Lithoz

Satte 23 Milliarden US-$ wird der globale Markt für 3-D-Drucktechnologien im Jahr 2022 ausmachen – ein Wachstum von über 60 Prozent zum heutigen Volumen von rund 14 Milliarden US-$. Mittendrin in diesem Markt: das österreichische Unternehmen Lithoz. Das Start-up ist Weltmarktführer im Bereich der additiven Fertigung von Keramik – und noch lange nicht fertig, so CEO Johannes Homa: „Wir sehen drei große Wachstumsbereiche: jenen der patientenspezifischen Implantate; jenen von Gusskernen für Turbinenschaufeln – etwa bei Flugzeugturbinen, die gegossen werden müssen und entsprechende Kerne brauchen. Und das dritte Thema ist Mass Customization, also Bauteile, die zwar hochgradig individuell sind, aber dennoch in Serienfertigung hergestellt werden.“ Homa gründete Lithoz 2011 an der TU Wien als Spin-off. Das war ein großer Vorteil, so der Gewinner der Kategorie Start-ups beim EY Entrepreneur of the Year 2018: „Bei der Ausgründung gab es nicht nur eine lose Idee, sondern bereits einen Proof of Concept. Das war für uns natürlich sehr viel wert.“ 2017 erwirtschaftete das Unternehmen mit 56 Mitarbeitern bereits 3,5 Millionen € Umsatz.

Kategorie: Dienstleistungen
Philipp Maderthaner
Gründer und CEO Campaigning Bureau

Er führte bereits erfolgreich Kampagnen für Coca-Cola und den Radiosender Ö3 durch; ebenso wie die Wahlkampagne 2017 für den aktuellen Bundeskanzler Sebastian Kurz: Philipp Maderthaner ist das Gesicht hinter der Campaining Bureau Kampagnen­beratungs GmbH in Wien. Er bringt jede Menge Erfahrung im Bereich von Kampagnen mit. Ursprünglich gründete Maderthaner das Campaining Bureau 2012 als „One-Man-Show“, heute operiert das Unternehmen hoch spezialisiert an der Schnittstelle von Kommunikation, Technologie und Unternehmensberatung. „Als wir damit begonnen haben, erkannten wir: In Zeiten der Digitalisierung und Vernetzung sollte es eine Kernkompetenz von Unternehmen und Non-Profit-Organisationen – sowie in der Politik – sein, Menschen für die eigene Sache zu begeistern. Wir versuchen, hier ein Ökosystem zu schaffen, das Unternehmen nutzen können, um genau das zu verwirklichen“, sagte der Unternehmer im Rahmen der EOY-Gala 2018, wo er den Sieg in der Kategorie Dienstleistungen holte. „Dieser Award ist eine extreme Bekräftigung und ein Ansporn für uns. Das braucht jeder Unternehmer auf seinem Weg.“

Kategorie: Social Entrepreneur
Walter Emberger
Gründer Teach For Austria

Walter Emberger möchte den Menschen etwas weitergeben. Das treibt ihn an. 2004 kam der ehemalige Unternehmensberater erstmals mit dem österreichischen Bildungssystem in Berührung. Schnell erkannte er die Defizite im Umgang mit Kindern aus ­bildungsfernen Gesellschaftsschichten. Dann lernte er in Großbritannien Teach First UK kennen – und gründete 2011 kurzerhand sein eigenes, privates Projekt: Teach For Austria. Fellows unterrichten dabei für zwei Jahre als vollwertige Lehrkraft an einer Schule mit besonderen Herausforderungen. Damit soll sozio­ökonomisch benachteiligten Kindern geholfen werden. Im Schuljahr 2017/18 unterrichteten 130 Teach For Austria-Fellows an diversen österreichischen Schulen – ein Engagement, das nun geehrt wurde, denn Emberger ist der allererste „Social Entrepreneur“-Sieger beim EOY. „Ich brauche noch etwas Zeit, um das zu verarbeiten. Es ist schon eine Krönung, insbesondere für die mehr als 100 Fellows, die tagtäglich in schwierigen Situationen arbeiten, weil die Kinder so viel mitschleppen: Fluchthintergrund, arbeitslose Eltern, keine Vorbilder“, sagte Emberger bei der EOY-Gala 2018.

Und das hatten die Partner des EOY zur Preisverleihung zu sagen:

Christian Morawa
CEO BMW Austria GmbH

Unternehmer dürfen das Warum nie aus den Augen verlieren. Nicht das Wie, nicht das Was, sondern das Warum. Wenn man diesen Gedanken durchs ganze Unternehmen trägt, kann man auch Mitarbeiter und Kunden begeistern. Und genau solche Personen haben wir beim EOY wieder gesehen.

Dietmar Baumgartner
CO-CEO LGT Bank Österreich

Unternehmertum ist nicht immer nur auf Profit ausgerichtet. Denn wer erfolgreich wirtschaftet, kann auch Gutes tun. Wir freuen uns daher sehr über die Einführung der Kategorie ‚Social Entrepreneur‘. Denn auch wir als LGT setzen neben finanziellen auch stark auf soziale und ökologische Renditen.

Johannes Höhrhan
Geschäftsführer Industriellenvereinigung Wien

Beim diesjährigen EY Entrepreneur Of The Year hätten mindestens in zwei Kategorien alle Finalisten gewinnen können. Es hat mich beeindruckt, dass viele Unternehmer dabei waren, die ihren Betrieb ursprünglich selbst gegründet haben.

EY Entrepreneur Of The Year
Seit über 30 Jahren zeichnet EY mit dem Entrepreneur Of The Year in 60 Ländern ausgewählte Entrepreneure für besondere Leistungen aus. Die Beurteilungskriterien der Jury sind Wachstum, Zukunftspotenzial, Innovation, Mitarbeiterführung und gesellschaftliche Verantwortung. Der Unternehmenspreis wird in Österreich in fünf Kategorien vergeben: „Indus­trie & Hightech“, „Handel & Konsumgüter“, „Dienstleistungen“ sowie „Start-ups“ und „Social Entrepreneur“.

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