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Cannabis ist in Nordamerika bereits ein 35-Milliarden-Dollar-Markt, Europa holt gerade auf. Finn Hänsel und James Yamanaka erklären, warum der Sektor für Anleger an Fahrt gewinnt.
Cannabis ist längst mehr als ein gesellschaftliches Debattenthema. Es ist ein Wachstumssektor, der erneut Smart-Money-Investoren anzieht, die auf positive regulatorische Entwicklungen in aufstrebenden globalen Märkten setzen. Kanada war ein früher Vorreiter: 2018 legalisierte das Land als erste G7-Nation Cannabis für den Freizeitgebrauch und hat sich seither zu einem Milliardenmarkt entwickelt, der sowohl den Freizeit- als auch den Medizinalbereich umfasst. In den USA ist Cannabis auf Bundesebene weiterhin illegal, dennoch erwirtschaften die regulierten Märkte der Bundesstaaten zusammen rund 30 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz. Da sich die Wachstumsraten in Nordamerika jedoch abschwächen, richtet sich die Aufmerksamkeit der Investoren zunehmend auf aufstrebende Märkte.
Einer dieser Märkte ist Europa: Hier ist Medizinalcannabis der wesentliche Wachstumstreiber. Die Regulatorik unterscheidet sich von Land zu Land teils erheblich, die Nachfrage nach Medizinalcannabis wächst jedoch rasant.
Diese wachsende Nachfrage bedient unter anderem die Sanity Group, eines der führenden europäischen Medizinalcannabis-Unternehmen, das Medizinalcannabis-Marken, -Produkte und -Lieferungen in den wichtigsten europäischen Märkten mit Apotheken und Patienten verbindet. 2026 wurde das Unternehmen Teil des kanadischen Cannabis-Marktführers Organigram Global (NASDAQ/TSX: OGI) – damit treffen Organigrams etablierte Produktionskapazitäten in Kanada auf Sanitys wachsende europäische Plattform. James Yamanaka, CEO von Organigram, und Finn Hänsel, Gründer der Sanity Group sowie President, Rest of World & Chief Strategy Officer bei Organigram, sprechen über die Unterschiede zwischen den Märkten – und darüber, warum sich Investoren den Sektor jetzt genauer ansehen sollten.
Herr Yamanaka, Kanada gilt seit Jahren als Referenzmarkt für legales Cannabis. Was unterscheidet ihn so grundlegend von Europa?
James Yamanaka: Der größte Unterschied ist der Reifegrad. Kanada hat seit 2018 einen bundesweit legalen Markt für den Freizeitkonsum. Das schafft eine klare nationale Regulierung und die Sicherheit, in großem Stil in Anbau, Produktion, Forschung, Produktinnovation und Markenaufbau zu investieren. Der intensive Wettbewerb hat die führenden Unternehmen professioneller, effizienter und disziplinierter gemacht. Organigram ist aus diesem Umfeld als Marktführer nach Marktanteil in Kanada hervorgegangen.
Europa befindet sich in einem deutlich früheren Entwicklungsstadium. Medizinalcannabis treibt das Wachstum, der Zugang für Patienten wird ausgeweitet, und die Regulatorik entwickelt sich von Markt zu Markt weiter – ein ganz anderes Wachstumsprofil als in Kanada. Für Organigram liegt die Chance darin, die Expertise aus einem reifen Markt mit den etablierten Marken, der Distribution und der lokalen Marktkenntnis der Sanity Group zu verbinden.
Herr Hänsel, die Sanity Group hat sich eine starke Position im wachsenden europäischen Markt für Medizinalcannabis erarbeitet. Wie stärkt der Zusammenschluss mit Organigram diese Plattform und beschleunigt die Chancen in Europa?
Finn Hänsel: Der Zusammenschluss versetzt uns in die Lage, eine vertikal integrierte Lieferkette für Europa zu nutzen – vom Saatgut bis zur Abgabe in der Apotheke. Organigram bringt Anbau im großen Maßstab, Pflanzenwissenschaft und Produktentwicklung ein, Sanity etablierte Marken, pharmazeutische Distribution, regulatorische Expertise und den Zugang zu Apotheken. In Deutschland, unserem größten Markt, können wir die rasant wachsende Nachfrage so mit mehr Kontrolle über Versorgung und Qualität bedienen. Zugleich verschafft uns die Präsenz in der Schweiz, Polen, Tschechien und Großbritannien eine Plattform für weitere Expansion. Das ist aus unserer Sicht ein wachsender Wettbewerbs- und Kostenvorteil.
Warum lohnt sich für Investoren gerade jetzt ein Blick auf den Cannabissektor?
James Yamanaka: Die langfristige Investmentthese ist viel größer als jeder einzelne Markt. Weltweit vollzieht Cannabis einen strukturellen Übergang von der Prohibition zu reguliertem Zugang – er läuft seit Jahren, steht aber noch relativ am Anfang. Kanada hat gezeigt, was möglich ist, wenn eine große Volkswirtschaft einen bundesweit legalen Rahmen schafft, während US-Bundesstaaten auch ohne bundesweite Legalisierung einen Markt von rund 30 Milliarden US-Dollar geschaffen haben – eine bundesweite Regelung erwarten wir bald, zumindest für den medizinischen Bereich über eine Neueinstufung von Cannabis. Nun beschleunigt sich diese Entwicklung auch in anderen Teilen der Welt, insbesondere in Europa.
Für Investoren entsteht damit die Möglichkeit, an einer globalen Branche teilzuhaben, während sich Regulierung, adressierbarer Markt und kommerzielle Infrastruktur weiterentwickeln. Organigram sehen wir hier besonders gut positioniert: ein führendes Geschäft in Kanada und über die Sanity Group eine Plattform für das Wachstum regulierter Märkte.
Finn Hänsel: Ich finde das Timing besonders interessant, weil wir gerade aus dem Boom-and-Bust-Zyklus herauskommen, der die erste Phase der Cannabisbranche in Nordamerika geprägt hat. Kapital floss weit vor den Fundamentaldaten, Bewertungen lösten sich von den zugrunde liegenden Geschäften, und die anschließende Korrektur war erheblich. Heute ist die Branche disziplinierter, die Konsolidierung läuft, und die stärksten Akteure kaufen sich bereits in Europa ein. Die nächste Phase aus Regulierung, Marktwachstum und Konsolidierung hat sich aber noch nicht voll entfaltet. Unternehmen wie Organigram investieren heute erheblich in Europa, um Größe und Marktposition vor dieser Entwicklung aufzubauen. Die Chance liegt darin, an dieser nächsten Phase teilzunehmen, solange die Bewertungen relativ niedrig sind – und nicht erst, wenn das regulatorische Bild geklärt und die späteren Marktführer etabliert sind.
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