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Backlinks bleiben ein relevanter Bestandteil der Suchmaschinenoptimierung. Doch die reine Zahl der Verlinkungen entscheidet nicht über unternehmerischen Erfolg. SEO-Agenturen analysieren Themenrelevanz, Autorität, Traffic und Linkprofile, bevor sie entscheiden, welcher Link tatsächlich einen Wert besitzt – und welcher im schlimmsten Fall zum Risiko werden kann.
Ein Link ist technisch schnell gesetzt. Sein wirtschaftlicher Wert lässt sich deutlich schwerer bestimmen. Für Unternehmen kann eine Verlinkung von einer relevanten Website zusätzliche Besucher bringen, die Sichtbarkeit bei Google unterstützen und die eigene Marke in einem bestimmten Themengebiet stärken. Hunderte Links von minderwertigen Seiten können dagegen nahezu wirkungslos bleiben.
Genau daraus ist ein eigener Markt entstanden. Unternehmen investieren in Linkbuilding, Agenturen analysieren potenzielle Quellen, recherchieren Ansprechpartner, entwickeln Inhalte und versuchen, Verlinkungen auf Websites aufzubauen, die aus SEO-Sicht relevant erscheinen. Das Ziel ist dabei nicht möglichst viel Masse, sondern ein Backlinkprofil, das thematisch und qualitativ zum Unternehmen passt.
Google selbst berücksichtigt Verlinkungen weiterhin innerhalb seiner Ranking-Systeme. PageRank, das ursprünglich entwickelt wurde, um Beziehungen zwischen Websites anhand ihrer Links zu bewerten, ist nach Angaben des Konzerns weiterhin Bestandteil der zentralen Systeme. Gleichzeitig basiert die Platzierung einer Website auf zahlreichen weiteren Signalen. Ein Backlink allein garantiert deshalb weder gute Rankings noch zusätzlichen Traffic.
Systematisches Linkbuilding beginnt für Unternehmen in der Regel mit einer Bestandsaufnahme. Agenturen analysieren zunächst, welche Domains bereits auf die eigene Website verweisen. Gleichzeitig wird untersucht, von welchen Seiten Wettbewerber Links erhalten. Dadurch entsteht eine Liste potenzieller Quellen: Fachportale, Branchenorganisationen, Unternehmensblogs, Verbände, Informationsseiten oder andere Websites, deren Inhalte zum jeweiligen Geschäftsfeld passen.
Im nächsten Schritt wird entschieden, welche Seiten des eigenen Unternehmens überhaupt gestärkt werden sollen. Nicht jeder Backlink muss auf die Startseite führen. Für einen Onlinehändler kann eine wichtige Produktkategorie relevant sein, für einen Finanzdienstleister ein Ratgeber und für ein B2B-Unternehmen eine Studie oder Branchenanalyse.
Damit wird Linkbuilding zunehmend zur Content-Frage. Wer regelmäßig neue Verlinkungen erhalten möchte, benötigt Inhalte, auf die andere Seiten sinnvoll verweisen können. Besonders geeignet sind eigene Daten, Studien, Statistiken, Rankings, Branchenübersichten, Rechner oder fundierte Ratgeber. Der Backlink entsteht dann idealerweise nicht deshalb, weil ein Unternehmen um einen Gefallen bittet, sondern weil die eigene Seite eine Quelle bietet, die für andere Inhalte relevant ist.
Eine weitere Methode ist Digital PR. Unternehmen veröffentlichen Studien, Analysen oder Datenauswertungen und stellen diese gezielt Redaktionen, Fachportalen oder Branchenblogs zur Verfügung. Wird die Untersuchung aufgegriffen und die ursprüngliche Quelle verlinkt, entsteht daraus neben medialer Aufmerksamkeit auch ein Backlink.
Hinzu kommen vergleichsweise einfache Ansätze. Wird ein Unternehmen auf einer Website bereits erwähnt, ohne dass auf die Unternehmensseite verlinkt wird, kann die Redaktion oder der Betreiber um eine Ergänzung gebeten werden. Auch Fachbeiträge, Partnerschaften mit Verbänden oder Links aus bestehenden Geschäftsbeziehungen können Teil einer Strategie sein.
Die eigentliche Schwierigkeit beginnt jedoch bei der Bewertung.
In der SEO-Branche werden dafür Kennzahlen wie Domain Rating, Domain Authority oder Authority Score verwendet. Anbieter wie Ahrefs, Moz oder Semrush versuchen damit, die Stärke beziehungsweise Qualität einer Domain anhand verschiedener Daten in einem Wert abzubilden.
Für Unternehmen können solche Kennzahlen eine erste Orientierung liefern. Mit Google-Rankingfaktoren dürfen sie allerdings nicht verwechselt werden. Google verwendet weder Domain Rating noch Domain Authority als eigene Kennzahl.
Wie begrenzt einzelne Scores sind, zeigen auch Daten der Anbieter selbst. Ahrefs verwies 2026 auf eine Auswertung von Daten aus dem Jahr 2025, bei der zwischen dem eigenen Domain Rating und Google-Positionen lediglich eine schwache Korrelation von 0,131 festgestellt wurde. Ein hoher Score allein macht eine Website daher nicht automatisch zu einer wertvollen Linkquelle.
Für Agenturen beginnt die eigentliche Analyse deshalb meist bei der thematischen Relevanz. Ein Link von einer Website, die regelmäßig über Finanzmärkte berichtet, kann für einen Finanzdienstleister inhaltlich wesentlich passender sein als eine Verlinkung von einer völlig fachfremden Domain mit höherem SEO-Score.
Danach folgt die Bewertung der konkreten Seite. Erhält der Beitrag organischen Traffic? Ist er bei Google auffindbar? Besitzt die Seite selbst externe Verlinkungen? Ist sie prominent innerhalb der Website eingebunden oder nur über mehrere Ebenen erreichbar? Auch die Aktualität und Qualität der Inhalte spielen eine Rolle.
Entscheidend ist zudem, wo ein Backlink platziert wird. Eine redaktionelle Verlinkung innerhalb eines relevanten Absatzes liefert einen klareren Zusammenhang als ein Verweis, der automatisch im Footer einer Website erscheint. Auch der sogenannte Ankertext – also der anklickbare Text des Links – hilft Suchmaschinen und Nutzern dabei, den Inhalt der Zielseite einzuordnen.
Agenturen prüfen außerdem das gesamte Linkprofil einer Domain. Besitzt eine Seite viele organisch entstandene Verweise von unterschiedlichen Quellen oder besteht ein großer Teil des Profils aus offensichtlich künstlichen Links? Veröffentlicht die Website hochwertige redaktionelle Inhalte oder hauptsächlich Beiträge, deren Zweck erkennbar darin besteht, externe Links unterzubringen?
Die Kosten einer Verlinkung allein sagen wenig über ihren tatsächlichen Wert aus. Ein günstiger Backlink von einer irrelevanten oder kaum sichtbaren Seite kann selbst bei niedrigem Preis eine schlechte Investition sein. Umgekehrt kann eine schwer zu erreichende Verlinkung von einer relevanten und stark frequentierten Website deutlich wertvoller sein.
Für Unternehmen sollte deshalb nicht die Frage im Mittelpunkt stehen, wie viele Backlinks eine Agentur pro Monat liefern kann. Entscheidend ist vielmehr, welche neuen Quellen dadurch tatsächlich erschlossen werden. Zehn Links von derselben Domain erhöhen die Vielfalt des Linkprofils nicht im gleichen Ausmaß wie Verweise von mehreren unabhängigen und relevanten Websites.
Besonders sensibel ist der Markt, sobald Verlinkungen gekauft werden.
Google verbietet Werbung, Sponsoring oder bezahlte Kooperationen nicht grundsätzlich. Bezahlte Links sollen jedoch so gekennzeichnet werden, dass sie keine Ranking-Signale übertragen. Dafür empfiehlt der Konzern das Attribut rel="sponsored"; auch nofollow wird weiterhin akzeptiert.
Problematisch wird es, wenn Geld gezielt für Links bezahlt wird, die Googles Rankings beeinflussen sollen. Die Spam-Richtlinien nennen unter anderem den Kauf oder Verkauf solcher Links, übermäßigen Linktausch, automatisiert erzeugte Verlinkungen sowie bestimmte Advertorials und Gastbeiträge mit optimierten Ankertexten.
Für Unternehmen entsteht damit ein Spannungsfeld. Ein Backlink kann aus Marketingperspektive interessant sein, weil er Reichweite, Referral Traffic oder Markenbekanntheit bringt. Gleichzeitig darf eine bezahlte Platzierung nicht als vermeintlich unabhängige redaktionelle Empfehlung behandelt werden, wenn sie eigentlich gekauft wurde.
Professionelles Linkbuilding bewegt sich deshalb zunehmend weg vom reinen Einkauf von Links. Erfolgreiche Strategien verbinden SEO, Content, PR und Datenanalyse. Statt möglichst viele Verweise zu sammeln, geht es darum, relevante Quellen aufzubauen und Inhalte zu schaffen, die auch ohne direkten finanziellen Anreiz zitiert werden.
Die Bedeutung solcher digitalen Signale könnte zudem über klassische Google-Suchergebnisse hinausreichen. Semrush untersuchte 2025 die Sichtbarkeit von 1.000 Domains in Diensten wie ChatGPT, Gemini, Google AI Overviews und Perplexity. Dabei zeigten Qualitäts- und Autoritätsmerkmale des Backlinkprofils stärkere Zusammenhänge mit Erwähnungen als die reine Menge vorhandener Links. Eine direkte Ursache lässt sich daraus nicht ableiten, die Daten zeigen jedoch, dass digitale Autorität auch im Umfeld generativer Suchsysteme relevant bleibt.
Für Unternehmen verändert sich damit vor allem die Definition eines guten Backlinks. Der wertvollste Link ist nicht automatisch der teuerste, jener mit dem höchsten Domain-Score oder derjenige von der größten Website. Entscheidend ist die Kombination aus Themenrelevanz, Qualität der Quelle, Sichtbarkeit der konkreten Seite, sinnvoller Platzierung und der Wahrscheinlichkeit, dass der Link tatsächlich von Menschen genutzt wird.
Foto: Philip Oroni
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