Das Geschäft mit Tattoos

Tätowierungen sind längst mehr als ein Lifestyle-Phänomen. Rund um Tattoo-Studios, Farben, Pflege, Laser-Entfernung und Ausbildung ist ein Markt entstanden, der weit über das eigentliche Stechen hinausreicht. Wer das Business hinter Tattoos verstehen will, muss nicht nur auf Motive und Trends schauen, sondern auf Regulierung, Folgeumsätze und die Frage, wo sich entlang der Wertschöpfungskette tatsächlich skalieren lässt.

Der Kernmarkt wächst. Medienberichten zufolge wird der globale Tattoo-Markt für 2025 auf 2,43 Mrd. US-$ geschätzt. Bis 2034 soll das Volumen auf 5,99 Mrd. US-$ steigen. Damit ist klar: Tätowierungen sind kein Randgeschäft mehr, sondern ein international relevanter Wachstumsmarkt. Getrieben wird die Nachfrage vor allem durch die breite gesellschaftliche Akzeptanz und eine hohe Verbreitung in jüngeren Zielgruppen. Die International Agency for Research on Cancer verweist darauf, dass die höchsten Prävalenzraten in Europa und den USA bei Erwachsenen unter 40 Jahren bei bis zu 30 % bis 40 % liegen. In den USA haben laut Pew Research 32 % der Erwachsenen mindestens ein Tattoo.

Ein Blick in die Praxis zeigt, dass viele Studios längst nicht mehr nur Tattoos anbieten, sondern ein erweitertes Serviceportfolio haben. „Die Nachfrage ist heute deutlich spontaner als früher. Walk-in Piercing ohne Termin gehört für viele Kund:innen inzwischen zum Standard – gerade in einer Metropole wie Berlin, in der Angebot und Konkurrenz besonders hoch sind. Allein im Most Wanted Tattoo Studio Berlin haben wir über 100.000 Piercings gestochen – das zeigt, wie stark sich der Markt in Richtung schnelle, aber gleichzeitig sichere und professionelle Dienstleistungen entwickelt“, sagt Adam vom Most Wanted Tattoo & Piercing Studio Berlin.

Wirtschaftlich interessant ist der Markt vor allem deshalb, weil ein Tattoo heute selten ein einmaliger Umsatz bleibt. Ein Studiotermin verkauft nicht nur Design und Arbeitszeit, sondern oft auch Beratung, mehrere Sitzungen, Nachstechen, Cover-up und Nachsorge. Genau daraus entsteht ein Ökosystem, das deutlich größer ist als der eigentliche Eingriff. Das Studio bleibt die sichtbare Front, doch zusätzliche Wertschöpfung entsteht rund um Verbrauchsmaterialien, Pflegeprodukte, medizinisch-ästhetische Dienstleistungen und Schulung. Diese Logik macht den Markt unternehmerisch relevanter als viele klassische Kreativbranchen, die stärker an Einmalumsätzen hängen.

„Wir sehen seit Jahren, wie sich die Branche professionalisiert. Im Most Wanted Tattoo Studio Berlin arbeiten wir seit über 15 Jahren nach klaren Standards – von hochwertigen Materialien bis hin zu strengster Hygiene. Ergänzend dazu haben wir mit dem Beautyrella Piercing & Beauty Studio Berlin ein Konzept aufgebaut, das sich bewusst auf Piercing und Beauty-Dienstleistungen konzentriert – darunter auch Permanent Make-up als spezialisierte Form der ästhetischen Anwendung“, so Adam weiter.

Ein zentraler Hebel liegt bei Farben und Verbrauchsmaterialien. Je stärker der Markt professionalisiert wird, desto wichtiger werden standardisierte, sichere und regulatorisch saubere Produkte. Genau hier greifen in Europa strengere Regeln: Seit 5. Jänner 2022 sind bestimmte gefährliche Chemikalien in Tattoo-Farben und Permanent Make-up in der EU beschränkt. Die Europäische Chemikalienagentur ECHA verweist dabei auf Stoffe mit potenziell krebserzeugenden, mutagenen oder reproduktionstoxischen Eigenschaften sowie auf Hautsensibilisatoren, Reizstoffe, Metallverunreinigungen und bestimmte Pigmente. Für Hersteller, Händler und Studios bedeutet das höhere Anforderungen bei Beschaffung, Dokumentation und Produktwahl. Gleichzeitig schafft Regulierung Markteintrittsbarrieren und stärkt Anbieter, die professionell und compliant arbeiten.

„Gerade mit strengeren Vorgaben steigt die Bedeutung von Qualität enorm – besonders in einem wettbewerbsintensiven Markt wie Berlin. Im Most Wanted Tattoo Studio Berlin verwenden wir ausschließlich hochwertigen Titanschmuck und arbeiten traditionell mit der Nadel, weil das aus unserer Sicht die sicherste und präziseste Methode ist. Diese Erfahrung aus über 50.000 Tattoos und 15 Jahren Studioarbeit ist heute ein klarer Wettbewerbsvorteil“, erklärt Adam.

Auch in den USA ist das Thema Produktsicherheit geschäftsrelevant. Die FDA veröffentlichte am 24. Oktober 2024 eine finale Guidance zu hygienischen Risiken bei der Herstellung, Verpackung und Lagerung von Tattoo-Tinten. Hintergrund sind wiederholte Fälle mikrobieller Kontamination. Laut FDA gab es zwischen 2003 und 2024 insgesamt 18 freiwillige Rückrufe kontaminierter Tattoo-Tinten. Das zeigt, dass Sicherheit in diesem Markt kein Nebenaspekt ist. Wer Farben verkauft, bewegt sich nicht nur in einem Lifestyle-Segment, sondern in einem Bereich, in dem Qualitätsmängel unmittelbare regulatorische und wirtschaftliche Folgen haben können.

Ein weiteres relevantes Geschäftsfeld ist die Pflege. Auch wenn einzelne Marktschätzungen in diesem Bereich teils voneinander abweichen, ist der betriebswirtschaftliche Punkt klar: Pflegeprodukte sind wiederkehrender Umsatz. Während ein Studio lokal und stark an die verfügbare Arbeitszeit von Artists gebunden bleibt, lassen sich Aftercare-Produkte, Pflege-Routinen und Eigenmarken deutlich leichter über E-Commerce, Handelspartnerschaften oder White-Label-Modelle skalieren. Für Studios und Marken liegt darin einer der spannendsten Hebel: aus einer kreativen Dienstleistung ein hybrides Modell aus Service, Produkt und Community zu machen.

Besonders dynamisch wächst der Markt für Tattoo-Entfernung. Medienberichten zufolge wird der globale Markt für Tattoo-Entfernung 2025 auf 1,29 Mrd. US-$ geschätzt; 2026 sollen es bereits 1,49 Mrd. US-$ sein. Bis 2034 wird ein Volumen von 4,87 Mrd. US-$ erwartet. Das ist bemerkenswert, weil hier aus derselben Konsumentscheidung ein zweiter Markt entsteht: Erst wird an der Tätowierung verdient, später an ihrer Korrektur oder Entfernung. Für Dermatologie-Praxen, ästhetische Zentren und Laser-Anbieter ist das attraktiv, weil die Leistungen technologiegetrieben, höherpreisig und oft über mehrere Sitzungen abrechenbar sind.

Dass Laser dabei der medizinische Standard sind, ist gut dokumentiert. Die American Academy of Dermatology hält fest, dass Laser andere Methoden der Tattoo-Entfernung weitgehend ersetzt haben. Fortschritte in der Lasertechnologie ermöglichen sicherere und effektivere Behandlungen, oft mit weniger Sitzungen als früher. Für das Geschäftsmodell ist genau das entscheidend: Tattoo-Entfernung ist kein singulärer Eingriff, sondern in der Regel eine planbare, mehrstufige Behandlung. Damit entsteht ein Folgegeschäft mit höherem Umsatz pro Kund:in als in vielen klassischen Beauty-Segmenten.

Hinzu kommt die Ausbildung. Je stärker die Branche professionalisiert wird, desto größer wird die Nachfrage nach strukturierten Kursen, Hygiene-Know-how, rechtlichen Grundlagen und technischer Schulung. Das gilt besonders in regulierten Märkten. In Österreich etwa verweist die WKO auf rechtliche Zugangsvoraussetzungen für die Ausübung im Bereich Tattoo und Piercing; die Wirtschaftskammer hatte die heimische Branche bereits 2019 mit rund 1.400 Unternehmen im Umfeld von Tätowieren und Permanent Make-up beschrieben. Österreich ist damit kein globaler Leitmarkt, aber ein gutes Beispiel dafür, dass Tätowieren längst ein relevanter Wirtschaftsraum mit klaren regulatorischen Rahmenbedingungen ist.

Die eigentliche Business-Story hinter Tattoos ist deshalb nicht, dass sich Menschen gerne Motive stechen lassen. Die eigentliche Story ist, dass aus einem kulturellen Ausdrucksmedium eine mehrstufige Industrie geworden ist. Studios bleiben das emotionale Zentrum des Marktes. Die größere wirtschaftliche Tiefe entsteht jedoch bei Farben, Compliance, Pflege, Technologie, Ausbildung und Entfernung. Je reifer und regulierter der Markt wird, desto stärker verschiebt sich der Wert von der einzelnen Nadel hin zu Unternehmen, die ein belastbares Ökosystem rund um das Tattoo aufbauen.

Foto: Allef Vinicius

 

 

 

 

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