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Rund 300 Gäste aus Wirtschaft, Wissenschaft, Kunst und Kultur kamen über den Tag verteilt am 28. Oktober zum Forbes Austria Women’s Summit 2026 im Park Hyatt Vienna zusammen. Im Mittelpunkt standen Fragen, die uns bei Forbes schon lange beschäftigen. Tatsächlich stellte sie unser Gründer in der ersten Ausgabe – damals, 1917, schon mit einer eigenen Rubrik für „Women in Business“: Was zeichnet Führungspersönlichkeiten mit Haltung aus – und was können andere von ihnen lernen?
Mira Murati sagte „Nein“ zu Meta-Gründer Mark Zuckerberg. Die albanisch-amerikanische Tech-Unternehmerin lehnte 1 Mrd. US-$ von Zuckerberg ab, die er für ihr Start-up Thinking Machines Lab bot. Auch ihre Mitarbeiter wichen ihr nicht von der Seite, als der Meta-Chef sie abwerben wollten. Ein Jahr nach seiner Gründung ist Thinking Machines Lab das Zwölffache des Angebots von Zuckerberg wert.
Eine Haltung wie die von Murati zeigt sich auf unterschiedliche Weise: im Wechsel von der Bühne an die Staffelei; in der Suche nach einer Theorie, die Gravitation und Quantenphysik zusammenführt; in der Entscheidung, ein Familienunternehmen in die nächste Generation zu tragen. Beim Forbes Austria Women’s Summit 2026 kamen diese Perspektiven auf unserer Bühne zusammen.
Das Streichquartett Classic Sound Vienna zog mit einer klassischen Interpretation des Pop-Songs „Girl Just Wanna Have Fun“ von Cindy Lauper die Gäste in den Grand Salon des Park Hyatt Vienna. Nach einem Intro durch Ines Erker, stellvertretende Chefredakteurin von Forbes Austria, und Bastian Baumann, General Management des Park Hyatt Vienna, hieß Forbes-Austria-Herausgeberin Heidi Aichinger die Gäste willkommen.
Dann war es Zeit für die erste Speakerin – Xenia Hausner. Die 1951 in Wien geborene Malerin stammt aus einer Künstlerfamilie und arbeitete rund 15 Jahre als Bühnenbildnerin, bevor sie Anfang der 1990er-Jahre zur Malerei wechselte. Forbes Austria widmete ihr die Coverstory der aktuellen Women-Ausgabe und ihr Werk „Hotline“ (2023) begleitete die diesjährige Forbes-Women-Kampagne. Im Gespräch mit Heidi Aichinger erklärte Hausner, wie sie arbeitet und erzählte, wie sie den Wechsel vom Theater in die Malerei erlebt hat: Zunächst habe sie das Bühnenbild parallel weiterbetreiben wollen, doch das Malen habe schleichend mehr und mehr Platz eingenommen. Jüngeren Frauen gab sie zwei Dinge mit: „Man muss eine Idee haben und an dieser Idee auch festhalten. Man braucht aber auch viel Flexibilität.“
Um nicht weniger als den Quellcode des Universums ging es danach mit Sabrina Gonzalez Pasterski. Die Gründerin und Principal Investigator der Celestial Holography Initiative am Perimeter Institute for Theoretical Physics im kanadischen Waterloo sorgte früh in ihrem Leben für Aufregung: Mit 14 flog sie zum ersten Mal allein, für ihre Bewerbung am MIT baute sie ein Leichtflugzeug; ihr Studium dort schloss sie mit der Bestnote ab. Medien tauften sie bald den „neuen Einstein“. Auf der Bühne im Gespräch mit Andrea Gläsemann, stellvertretende Chefredakteurin von Forbes Swiss, erklärte Pasterski, wonach sie sucht.
Wie Marken mit Veränderung umgehen, diskutierten Kerstin Haberfellner, Marketing Director von Nespresso Österreich, und Samira Imsirovic-Kaya, CEO von IBM iX für die DACH-Region, mit Forbes-Redakteurin Vit Le. Haberfellner sprach darüber, wie Nespresso neben George Clooney – wohl der bekannteste Markenbotschafter der Welt – Dua Lipa als Testimonial positioniert. „Es ist kein Entweder-Oder, sondern ein Miteinander“, so Haberfellner: Lipa bringe frische Energie und eine zeitgemäße Perspektive, Clooney stehe für Wiedererkennbarkeit und Vertrauen. Imsirovic-Kaya teilte die Perspektive der Digitalberatung und betonte, dass Marken in Zeiten schneller Veränderungen nicht vergessen dürfen, dass Konsumenten oft stark an Produkten oder Marken hängen. Eine starke Marke sei zwar ein Vorsprung, „aber es ist kein Freibrief“.
Zwischen Hype und echter Wertschöpfung
Nach der Kaffeepause gehörte die Bühne Lara Sophie Bothur. In ihrer Keynote erzählte die Tech-Influencerin, wie alles begann: mit einem Linkedin-Beitrag im Oktober 2021 über ein Gespräch mit ihrem damals 101-jährigen Großvater, dem sie Carsharing erklärt hatte. „Das hat mir gezeigt: Diese ganze Technologie bringt uns gar nichts, wenn wir sie nicht verstehen“, so Bothur. Der Beitrag erreichte Hunderttausende – und heute hat sie daraus ein Millionengeschäft aufgebaut. Zu ihren Auftraggebern zählen unter anderem Google, Nvidia und Porsche.
Am Ende ihrer Keynote gab sie dem Publikum eine klare Botschaft mit. „Dass wir überhaupt eine Entscheidung treffen können und so frei sind, ist schon Geschenk genug“, sagte sie mit einem Blick ins Publikum. „Aber trotzdem muss man sich überlegen: Was möchte ich mit diesem Leben anfangen? Denn jeder muss sich um sein Glück kümmern.“
Was Gründer heute beachten müssen und wann KI echten Wert schafft, statt bloß ein Schlagwort zu sein – darum ging es im darauffolgenden Panel „Gründen im KI-Zeitalter: Was Tech-Start-ups (nicht) anders machen“. Unter der Moderation von Ines Erker diskutierten Isabel Poppek, Gründerin und CEO des von Y Combinator unterstützten KI-Start-ups Alpas (industrielle Beschaffung), und Katharina Feiertag, Gründerin und CEO von Quickticket (Medtech). Obwohl die beiden Gründerinnen verschiedene Perspektiven auf die Frage hatten, wie viel Arbeit KI übernehmen kann, sagten sie beide: KI kann Gründern nur wenig dabei helfen, ein Netzwerk aufzubauen. Wissen und Fähigkeiten ließen sich mit KI schneller aufbauen, Netzwerk, Ressourcen und Reputation kaum, so Feiertag. „Keine KI kann Vertrauen schaffen“, bestätigte Poppek.
Von der Bühne in die Praxis
Zum Abschluss des Vormittags stellte Ines Erker die Masterclasses vor, in denen es nach der Mittagspause weiterging: Ramona Bordea, Mitgründerin von Averis AI, leitete für die WU Executive Academy die Masterclass „The Fair Future – AI, ethics and the new rules of opportunity“, Silke Siegel-Kirschenmann, Abteilungsleiterin Wealth Management Stuttgart der BW Bank, jene zum Thema „Aus Erfolg wird Vermögen – wie Frauen ihre wirtschaftliche Stärke für sich nutzen“. Lara Sophie Bothur gab mit „The LinkedIn Playbook“ Einblick in den Aufbau einer Personal Brand, Marie-Sophie Kames-Klingenbrunner, Lead Digital Strategy Consultant bei IBM iX, sprach über „From Pilot to Profit: How to Scale your AI“.
Danach brachte Tamara Flores musikalische Stimmung in den Saal. Die in Wien geborene Sängerin, Flötistin, Tänzerin und Choreografin mit mexikanischen Wurzeln, verbindet Pop und elektronische Sounds mit lateinamerikanischen und klassischen Einflüssen und singt auf Deutsch und Spanisch. Mit dem Musikvideo zu „Chingona“ ist sie für die Latin Grammys 2026 nominiert. Nach ihrem Auftritt – sie führte ihren Song “Chingona” auf – sprach Flores mit Vit Le über Kreativität, Kultur und das Geschäft mit der Musik, und darüber, wie das Musikvideo zu dem nominierten Song entstand. Ursprünglich wollte sie das Video mit ihrem Freund aufnehmen – am Ende wirkten rund 80 Menschen mit. Gedreht in einem Dorf in Mexiko, wo ihre Mutter aufwuchs, borgten ihr die Einwohner für das Video „Esel, Kühe Autos“, sagte sie.
Welche psychologischen Hürden KI in Unternehmen aufwirft, diskutierten im Anschluss Gabriele Lang und Justyna Stelmach. Lang ist promovierte Psychologin, Gründerin der Plattform Up'N'Change und Absolventin der WU Executive Academy. Stelmach verantwortet als Senior Lawyer für Legal Tech & Innovation bei der Kanzlei Schönherr die Einführung von KI- und Legal-Tech-Lösungen an allen 16 Standorten. „KI berührt etwas, worauf unsere Identität aufbaut: unsere Expertise“, erklärte Lang den Widerstand vieler gegenüber der Technologie. Ihr Grundsatz: „Wir experimentieren mit dem Prozess, aber nie mit dem Produkt. Die Rechtsberatung muss wasserdicht sein.“ Stelmach und Lang rieten zu kleinen Schritten. Lang: „Unternehmen müssen sich so schnell wie möglich, aber so langsam wie nötig bewegen“, weil man die Menschen mitnehmen muss.
Erbe und Erfahrung
Nach der zweiten Kaffeepause rückten Familienunternehmen in den Mittelpunkt: Wie übernehmen neue Generationen eines? Welche Gefahren und Risiken gibt es dabei? Wie führt man es in die Zukunft? Iris Ortner, Lina Gebhardt-Gronbach und Johanna Schmid im Gespräch mit Ines Erker ihre eigenen Geschichten. Ortner ist Geschäftsführerin der IGO Industries, der Holding der Tiroler Familie Ortner, deren Wurzeln auf einen 1903 in Innsbruck gegründeten Installateurbetrieb zurückgehen; zu den Beteiligungen der Gruppe zählt unter anderem der Baukonzern Porr, an dessen Aufsichtsratsspitze Ortner als erste Frau steht. Dass sie ins Familienunternehmen gehen würde, war früh klar: „Ich habe als Vierjährige schon gesagt, ich mache mal das, was der Papa macht.“ Ihre Aufgabe sieht sie darin, Schnittstellen abzubauen, nach außen wie nach innen. Ihr Leitsatz: „Wir müssen nicht in Quartalen denken, wir können in Generationen denken.“ Die Übergabe gut hinzubekommen, sei die größte Aufgabe eines Familienunternehmers.
Johanna Schmid führt das Wiener Kaufhaus Steffl in dritter Generation, seit Anfang 2025 gemeinsam mit Co-CEO Thomas Hahn, und ist zudem Chief Creative Officer. Als ihre Familie sie fragte, ob sie einsteigen wolle, überlegte sie zwei Wochen, erzählte sie. „Ich bin die erste Frau in dem Familienunternehmen“, sagte Schmid. „Eigentlich muss ich mich doppelt beweisen.“ Das Klischee, Familienmitglieder hätten es leichter, weist sie zurück: „Man gibt dreimal so viel.“
Lina Gebhardt-Gronbach kam über einen Umweg in die Gronbach-Gruppe, die ihr Großvater Wilhelm Gronbach 1964 in Wasserburg am Inn gegründet hatte: Sie studierte Medizin, promovierte in der Unfallchirurgie und wechselte zu McKinsey. Dann fragte ihr Vater sie, ob sie ins Unternehmen komme: „Wenn du jetzt nein sagst, dann verkaufe ich das Unternehmen.“ Sie sagte zu und übernahm 2013 die Führung. „Ich hatte kein einziges Businessmeeting gemeinsam mit meinem Vater“, erzählte sie. Mit Ligre hat sie 2019 eine eigene Marke für Premium-Espressomaschinen gegründet, die auf dem Know-how der Gruppe aufbaut, etwa in der Veredelung von Aluminium. „Eine starke Tradition, eine starke Kultur im Familienunternehmen hat positive und negative Seiten“, sagte ise. Wer lange erfolgreich gewesen sei, sei oft wenig gewillt, Dinge zu verändern.
Den Schlusspunkt auf der Hauptbühne setzte Elisabeth Gürtler-Mauthner im Gespräch mit Heidi Aichinger, die sie als „Ikone von Unternehmerinnen“ ankündigte. Gürtler-Mauthner stammt selbst aus einer Unternehmerfamilie: Ihr Vater Fritz Mauthner, „vom Herzen her eigentlich ein Händler“, handelte nach dem Krieg mit Getreide und Zucker und gründete die erste Selbstbedienungskette Österreichs. Nach dem Tod ihres früheren Ehemanns Peter Gürtler übernahm sie 1990 die Führung des Hotel Sacher. Berühmt war das Haus damals vor allem für seine Torte, einen Verkauf gab es nicht: „Man hat gewartet, dass das Telefon läutet.“ Gürtler-Mauthner baute den Verkauf neu auf und brachte das Sacher zu den „Leading Hotels of the World“, einem internationalen Konsortium von über 450 unabhängigen Luxushotels.
Mit 65 zog sie sich aus dem Sacher zurück. „Man muss immer wissen, wann die Zeit vorbei ist und wann man gehen muss“, sagte sie. Ganz loszulassen sei die schwierigste Entscheidung gewesen, „denn alles, was dann verändert wird, ist ja wie eine Beleidigung“. Statt in Pension zu gehen, nahm sie sich das Hotel ihrer Familie in Seefeld vor, das heutige Alpin Resort Sacher. Mit Longevity-Angeboten sowie Tagungen in einem eigenen Chalet soll das Haus das ganze Jahr offen bleiben.
Zum Abschluss bedankte sich Heidi Aichinger bei Gästen, Team und Partnern, bevor sich die Gäste im Saal traditionsgemäß zu einem Gruppenfoto versammelten. Bei Drinks und Networking setzten sie die Gespräche des Tages fort – und ließen einen erfolgreichen Tag ausklingen.
Das Forbes-Austria-Team bedankt sich bei allen Teilnehmerinnen und Speakerinnen des Forbes Austria Women’s Summit 2026. Möglich gemacht wurde der Summit durch unsere Partner: Biogena, BW Bank, IBM iX, Lounge, Nespresso, Park Hyatt Vienna, Schönherr, Steffl und WU Executive Academy.
Wir freuen uns auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr!
Fotos: Hannah Mayr und Lisa Leutner