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Christoph Pliessnig, Gründer von Teroxx, sieht die Regulierung von Krypto- und digitalen Assets als große Chance. Er ist ein überzeugter Verfechter von MiCAR (Markets in Crypto-Assets Regulation) in einer Branche, die staatliche Regulierung häufig kritisiert. Seine These: Der endgültige Durchbruch für digitale Assets kommt nicht trotz Regulierung – sondern genau deshalb.
Christoph Pliessnig sitzt für das Gespräch mit Forbes im Büro von Teroxx im ersten Wiener Gemeindebezirk. Er ist der Gründer der Digital Asset Boutique mit Standorten in Österreich, Deutschland, Dänemark, Zypern, Litauen und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Das Unternehmen verbuchte im Vorjahr ein Jahreshandelsvolumen von knapp über 3 Mrd. US-$ (2,56 Mrd. €) und richtet sich an Affluent und High-Net-Worth Individuals. Ein Einstieg ist ab einer Investition von 50.000 € möglich.
Es gibt viele Anleger, die noch kein Vertrauen in diese Assetklasse haben. Das liegt einerseits an den frühen Tagen, besonders bei Kryptowährungen, in denen Spekulation und Hype die Schlagzeilen dominiert haben, nicht an der Infrastruktur und Technologie dahinter. Pliessnig erkennt hier einen Paradigmenwechsel, seitdem professionelle Investoren mittels börsengehandelter Produkte wie ETFs in Bitcoin investieren können. Andererseits fehlt häufig das Verständnis, was eigentlich der Nutzen und das Ziel gewisser Assets seien. Der erste Begriff, den Pliessnig anspricht: Kryptowährungen. „Der Fehler liegt schon in der Bezeichnung“, sagt er – die meisten sogenannten Kryptowährungen erfüllten gar nicht den Zweck einer Währung. Sie seien nicht für den täglichen Zahlungsverkehr ausgelegt – sondern digitale Vermögenswerte mit sehr unterschiedlichen Funktionen. Pliessnig bevorzugt den Begriff „digitale Assets“, weil er das Spektrum besser abbildet.
So kann Bitcoin als Vermögensspeicher dienen, vergleichbar mit Gold: keine Zinsen, keine Ausschüttungen, aber Wertzuwachs über die Zeit. Stablecoins hingegen sind die digitale Variante von Fiatwährungen – und besonders gut für internationale Transaktionen geeignet. Durch Stablecoins ist man im internationalen Zahlungsverkehr nicht mehr auf Banken oder spezialisierte Dienstleister angewiesen. Der nächste Schritt: Tokenized Assets, also traditionelle Vermögenswerte wie Aktien, Wertgegenstände wie Uhren oder Immobilien auf der Blockchain. „Ich kann plötzlich eine Wohneinheit auf hundert Investoren aufteilen – was bisher aus Effizienzgründen schlicht nicht möglich war“, sagt Pliessnig. Die Technologie dafür existiert seit Jahren. Was gefehlt hat, war etwas anderes.
Die Technologie war immer bereit. Der Rest braucht Zeit.
Christoph Pliessnig
Pliessnig nennt es den „Spotify-Moment der Finanzindustrie“. Die Analogie hat zwei Ebenen. Die erste ist technologisch: ein Finanzsystem, das 24/7 verfügbar ist, unabhängig von Bürozeiten und Bankinfrastruktur. Die zweite ist regulatorisch: Dieser Moment sei das Ende des Wilden Westens in der Krypto-Branche – so wie einst Spotify für einen Rückgang der Musikpiraterie sorgte. Für digitale Assets nennt Pliessnig drei Bedingungen, die erfüllt sein müssen, damit dieser Moment eintritt.
Erstens: das regulatorische Fundament. Hier sieht Pliessnig Europa besser aufgestellt, als es die EU-Kritiker der Branche wahrhaben wollen. Mit MiCAR hat die Staatengemeinschaft einen verbindlichen Rechtsrahmen geschaffen. Für Pliessnig brachte die Regulierung neue Geschäftsbereiche: Teroxx hält eine der umfassendsten CASP-Zulassungen (Crypto-Asset Service Provider) unter MiCAR – von der sicheren Verwahrung über den Handel bis zur voll lizenzierten Anlageberatung und Portfolio-Verwaltung. Ohne diese Lizenz durfte das Unternehmen seine Marktexpertise nur sehr generisch einsetzen: etwa Market Reports, Newsletter oder allgemeine Einschätzungen. Heute agiert Teroxx rechtlich auf Augenhöhe mit klassischen Privatbanken – allerdings mit der Infrastruktur eines Fintechs. „Es ist wie der Unterschied zwischen jemandem, der dir erzählt, wie es im Restaurant schmeckt – und jemandem, der für dich kocht“, so Pliessnig.
Zweitens: Zugänglichkeit. Die Technologie sei vorhanden – was fehle, seien Anbieter, die diese Assetklasse professionell und vertrauenswürdig vermitteln. Wer beträchtliche Vermögen investieren möchte, sucht häufig jemanden, dem er die Entscheidung anvertrauen kann. Hier positioniert Pliessnig Teroxx mit „einem Fokus auf dieses Service- und Beziehungsmodell“; also Wealth Management und Private Banking in der Fintech-Version.
Drittens – und das ist für Pliessnig die Bedingung, die sich am wenigsten beschleunigen lässt: der Generationenwechsel. Die Generation, die heute auf Vermögen sitzt, habe ein fundamental anderes Verhältnis zu digitalen Technologien als jene, die gerade erbt. „Das wird die Zeit regeln“, sagt Pliessnig: In den nächsten 15 bis 20 Jahren vollziehe sich die größte Vermögensverlagerung der Geschichte. Die Generation Internet erbt – und für sie ist Digitales der Standard. Pliessnig beschreibt den Unterschied so: Die ältere Generation reagiere auf neue Technologien mit Skepsis, die jüngere mit Neugier: „Wir bekommen KI? Fantastisch! Wir können digitale Assets in unser Portfolio aufnehmen? Noch besser!“ Hier könne man sich als Unternehmer nur dafür positionieren: „Diesen Clients muss man nicht mehr erklären, was Blockchain ist – die wollen wissen, ob ihr Portfolio in guten Händen ist.“
Als Pliessnig 2015 versuchte, digitale Assets bei seinem ehemaligen Arbeitgeber einzubringen, scheiterte er. Also gründete er Teroxx, um an der Zukunft digitaler Assets zu arbeiten. „Die Technologie war immer bereit“, sagt er. „Der Rest braucht Zeit.“ Noch sei man nicht dort – aber der Spotify-Moment ist schon näher gerückt.
Foto: Teroxx