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Was müssen Frauen an den Tisch bringen, um beim Thema künstliche Intelligenz gegen einen „unconscious bias“ zu arbeiten? Dieser und vielen weiteren Fragen gingen die Teilnehmerinnen des Forbes „Women In Business“-Dinners nach.
Es war das erste Forbes „Women In Business“-Dinner des Jahres 2026 im Salon am Getreidemarkt, an dem 30 Frauen aus Wissenschaft und Forschung, aus unterschiedlichen Bereichen der Industrie, aus Kunst und Kultur sowie dem Start-up-Bereich teilnahmen. Besonders folgende Fragen sollten sich durch die Gespräche des Abends ziehen: Was können, sollten und müssen Frauen zum Thema künstliche Intelligenz an den Tisch bringen und wie kann die Zukunft in der angestammten Profession mit dieser sich so rasant entwickelnden technologischen Möglichkeit sinnvoll ausgestaltet werden?
Den Beginn der Diskussion machte die Technologie- und Medienphilosophin Eugenia Stamboliev von der Universität Wien, die ebenso an der Wirtschaftsuniversität Prag forscht und aktuell als Visiting Research Fellow an der Oxford University arbeitet. Stamboliev beschäftigt sich mit Fragen der Ethik und Demokratie im Zusammenhang mit der künstlichen Intelligenz und sprach unter anderem auch über die Fragilität digitaler Infrastrukturen, der Unsichtbarkeit von Frauen in Algorithmen, dem sogenannten „unconscious bias“ und der so erzeugten Ungleichheit zwischen den Geschlechtern. „Alles, was demokratische Strukturen umgeht, endet zwangsläufig in einem autokratischen System – so ist das auch mit den Daten, und das geht sehr schnell“, so die Philosophin. Eines ihrer zwei Forschungsprojekte widme sie deshalb der „Demokratie und großen Sprachmodellen“, im anderen geht es um „dezentrale Strukturen und Vertrauen“. Auf den Wettbewerb der Kontinente in Sachen künstliche Intelligenz angesprochen, betont Stamboliev mehrfach, dass sie Europa, so wie das häufig dargestellt werde, gegenüber den Vereinigten Staaten nicht unbedingt im Nachteil sehe. Betrachte man die aktuell größten Player am Feld, die großteils in den USA zu finden seien, sei Europa durchaus in der Lage „die besseren Fragen zu stellen“. Die aktuelle Ausgabe von Forbes mit OpenAI-Gründer Sam Altman in Händen, sagt Stamboliev, belustigt: „Über den habe ich schon so viel gelesen, den kenne ich schon besser als viele meiner engsten Freunde.“
In einer von Stamboliev zitierten individualisierten Form der KI in einer dezentralen Struktur probieren sich einzelne Teams beim schwedischen Arbeitsbekleidungshersteller Fristads aus, erklärt deren CEO Petra Öberg Gustafsson. In ihrem Unternehmen stehe man dem Thema der künstlichen Intelligenz grundsätzlich offen gegenüber, sagt sie. Unbedingte Voraussetzung dabei ist, dass die Menschen die höchste Instanz in allen Entscheidungen und Prozessen, in denen KI eingebunden ist, sein müssen. Und so sind die Bereiche, in denen KI bei Fristads zum Einsatz komme, in sich geschlossen, um einen „Daten-Spill“ nach außen zu verhindern und bestmögliche Datensicherheit zu gewährleisten. Sie sei grundsätzlich jemand, der gerne zu den First Movern gehöre, sagt Öberg Gustafsson, das reflektiere in gewisser Weise auch den Geist des Fristads-Gründers John Magnuson. Man müsse sich gewisse technologische Entwicklungen zu eigen machen, anders hätte man wohl das 100-jährige Jubiläum – Fristads wurde 1925 gegründet – nicht begehen können. Ein großes Thema, das sich das Unternehmen auf die Fahnen geheftet habe und eine deutlich bessere Energiebilanz aufweise als die KI, sei seine Nachhaltigkeitsstrategie, Fristads Green. Alle Produkte dieser Serie, die es seit 2019 zu kaufen gibt, so Ölberg Gustafsson, enthalten Informationen zur gesamten Umweltbelastung des Produktes. Darüber hinaus werden leicht abgetragene Stücke im Haus repariert und „nicht mehr zu rettende“ Arbeitsbekleidung recyclet. „Wir machen das nur mit Fristads-Teilen, weil wir nur da genau wissen, was drinnen ist“, so die CEO. Erst kürzlich konnte man so eine neue Arbeitshose fertigen, die zu 92 % aus recyceltem Material besteht.
Fristads produziert schon seit vielen Jahren in der Ukraine, erzählt Öberg Gustafsson über kürzlich Erlebtes in einer der dortigen Produktionseinheiten. „300 Frauen arbeiten dort für uns. Wir haben ihnen gleich zu Beginn des Krieges freigestellt, ob sie arbeiten möchten oder nicht. Keine Einzige wollte ihre Arbeit niederlegen. „Sie brauchen die Arbeit, nicht nur wegen des Geldes“, sagt sie. „Diese Frauen leisten Unglaubliches“, so die Fristads-CEO abschließend.
Musikalisch führte die aus Barcelona stammende Musikerin Miriam Luna durch den Abend. Lunas Weg nach Wien führte sie über eine zufällige Begegnung nach einem ihrer Konzerte mit österreichischen Touristen in ihrer Heimatstadt. Das Paar wollte sie unbedingt nach Wien holen, erzählt sie, und so kam es, dass sie ihren ersten Auftritt in Österreich im Schloss Schönbrunn hatte. Damit war klar, dass sie wiederkommen musste, lacht sie. Das Repertoire der Künstlerin ist vielseitig und reicht von Flamenco über Jazz bis hin zu Pop. Für das „Women In Business“-Dinner brachte sie gleich mehrere Stücke in englischer und spanischer Sprache – und brachte die Teilnehmerinnen auch zum Mitsingen. „Ich habe das musikalische Potenzial in den Frauen schlummern gesehen“, blitzt ein Lächeln auf. Bei kulinarischer Versorgung von Motto mit Begleitung vom Weingut Rotes Haus fand der Abend einen späten Ausklang.
Um die sichere Heimfahrt der Teilnehmerinnen kümmerte sich BMW Niederlassung Wien mit einem Shuttleservice, bei dem man sich einen Eindruck einer E-Mobilität der Luxusklasse machen konnte.
Wir danken den Partnern des Abends Steffl und BMW Niederlassung Wien und freuen uns auf das kommende „Women In Business“-Dinner im Juni.
Fotos: Hannah Mayr