DIE CHARTSTÜRMERIN

Eigentlich hat sich Mathea Höller nur zum Spaß bei der Castingshow „The Voice of Germany“ beworben. Das war vor fünf Jahren – mittlerweile stürmt sie mit ihren Hits die Charts und hat ihr eigenes Musiklabel gegründet.

Was für manche ein Traum ist, wurde für sie Wirklichkeit: Mathea Höller wurde 2016 erstmals durch „The Voice of Germany“ bekannt – jedoch hatte die damals 18-Jährige keinen blassen Schimmer, welche Ausmaße ihr Erfolg annehmen würde. Denn eigentlich hatte sie sich nur aus Spaß bei der Castingshow be­wor­ben, da sie neben ihrem bevor­stehenden Abitur ein wenig Abwechslung brauchte.

Aus Spaß wurde Ernst – denn plötzlich kam Mathea Höller bei der Castingshow eine Runde nach der anderen weiter und entschied sich letztendlich für Yvonne Catterfeld, die die anderen drei zur Wahl stehenden Coaches ausstechen konnte. „Dort habe ich erst gemerkt, dass ich Sängerin werden wollte“, sagt die Musikerin heute. In ihrer Heimat Österreich besuchte sie ein musisches Oberstufengymnasium und verfolgte dort zunächst ihren ursprünglichen Traum, Background­tänzerin zu werden – ein Talent, das ihr bis heute zugutekommt, neben dem Studium professioneller Sing­techniken und der Bühnen­erfahrung, die sie während „The Voice of Germany“ sammeln konnte.

Die Staffel selbst konnte sie zwar nicht gewinnen, aber ihre Karriere sollte von nun an Fahrt aufnehmen. Höller entschied sich, für ihre Karriere von Salzburg nach Wien zu ziehen und dort ihren Traum weiterzuver­folgen. Dort wurde sie von Musikern, die sie über die Castingshow kennengelernt hatte, in deren Studios eingeladen, um gemeinsam an Songmaterial zu arbeiten. Höller: „Man muss aber auch selbst hart­näckig an den Songwriterkol­legen dranbleiben, um an den Produk­tionen weiterzuarbeiten.“ Durch dieses Engagement lernte sie immer mehr Produzenten und Songwriter kennen, die sie in ihrer Karriere auch weiter voranbrachten – darunter auch Singer-Songwriter Mark Forster, der, wie sie heute noch überwältigt erzählt, „plötzlich in meinen DMs (Direct Messages, Anm.) auftauchte. Ich konnte mein Glück kaum fassen!“ Seit damals hat Höller einige Songs veröffentlicht und arbeitet ständig an neuen.

„Musik ist für mich nichts Messbares – eher verspürt man in diesem Business einen hohen Erfolgsdruck“, so Höller.

Um einen Song zu schreiben, gehören oftmals mehrere Personen und Schritte dazu, erklärt die Musikerin. Unter anderem arbeiten an diesen Songs meistens Produ­zenten, Writer und/oder Top-Liner, das sind jene Künstler, die die Haupt­melodie eines Songs bei­steuern; sie alle unterstützen bei der Liedentwicklung. Und dieser Song wird dann gemeinsam mit diesem Team innerhalb von ein, zwei Tagen produziert. Dazu gehöre viel Fein­arbeit und Tuning, erläutert Höller. Bis zur Veröffentlichung eines Songs kann es allerdings bis zu zwölf Mo­nate dauern.

Dazu kommt die Produktion eines Musikvideos, das wiederum mit einem anderen Team erarbeitet werden muss. „Erst letztens haben wir zwei Musikvideos an einem Tag gedreht. Wir haben um 6:30 Uhr in der Früh für das erste Video begonnen und gleich anschließend ab 19 Uhr das zweite gedreht – bis spät in die Nacht“, so Höller.

So, wie es heute ist, war es für sie nicht immer. Lange Zeit konnte Höller nicht von ihrer Musik alleine leben und verdiente sich ihren Lebensunterhalt als Schuhverkäuferin; zudem unterstützten sie ihre Eltern finanziell. Ihren damaligen Brotjob kündigte Höller erst, als sie bemerkte, dass sie auf der Straße erkannt wurde.

Die Sängerin kann ihr Glück bis heute noch nicht ganz fassen, und tatsächlich wirkt sie trotz ihres großen Erfolgs bescheiden: „Ich möchte meiner Hörerschaft vermitteln, dass sie ihre Träume verfolgen soll. Ganz ehrlich: Wie realistisch war es denn, dass ich aus dem Pinzgau in Salzburg kommend mit Musik erfolgreich werde? Sehr unwahrscheinlich war das!“, beantwortet sie sich ihre Frage selbst – „und ich habe es trotzdem geschafft.“ Mittlerweile zählt Höller auf Spotify 805.633 monatliche Hörer, ihre Single „2 ד wurde bereits 60 Millionen Mal gestreamt, „Chaos“ liegt mit 29 Millionen Streams an zweiter Stelle. Der deutschsprachigen Ausgabe von Forbes gibt sie exklusiv preis, dass ihre Hörerschaft im Spotify-Jahresrückblick auf 3,4 Millionen angewachsen ist. Das freut die 23-Jäh­rige, ist aber nicht das Wichtigste für die Musikerin: „Das Bedeutendste für mich sind zu 100 Prozent die Emotionen, die in meiner Musik stecken“, sagt Höller.

Mathea Höller
...wuchs im Pinzgau in Salzburg auf und nahm 2016 an der Castingshow „The Voice of Germany“ teil. Ihre Karriere nahm rasant Fahrt auf – heute hat Höller eine jähr­liche Hörerschaft auf Spotify von 3,4 Millionen.

Vielen Solokünstlern wäre eine solche Karriere an sich schon mehr als genug – nicht aber Mathea Höller: Sie wollte mehr als eine Solo­künstlerin sein und gründete 2020 ihr eigenes Musiklabel „1998“. Aktuell hält sie noch nach Signings Ausschau, fix ist, dass der Vertrieb ihres Labels beim Major Sony Epic liegt. Ihr Management als Solokünstlerin legte sie indes in die Hände der Agentur des Rappers und Produ­zenten RAF Camora, über den die deutschsprachige Ausgabe von Forbes 2019 berichtete („Mogul in the Making“), bzw. in die Hände ihrer Managerin Julie Lindenthal: „Julie ist meine linke und rechte Hand und vor allem das Herz des Hauses Mathea“, so die Sängerin. Insgesamt sind es 50 Personen, die mit dem Projekt „Mathea“ be­schäftigt sind – von Vertrieb über Social Media, Konzertauftritte bis hin zum Songwriting.

Und wie geht die Künstlerin mit der harten Konkurrenz im Musikgeschäft um? Höller: „Musik ist für mich nichts Messbares – eher verspürt man in diesem Business einen hohen Erfolgsdruck.“ Sie erzählt uns auch, wie begeistert sie von vielen deutschen Künstlern ist und wie viel Liebe und Support sie von anderen Künstlern erfährt. Mathea Höller verspürt viel Verbundenheit, sagt sie – eigentlich ganz anders, als man es in der Branche vielleicht ­erwarten würde.

Die 23-Jährige wurde nicht nur für einige Auszeichnungen nominiert, sondern nahm auch am Free European Song Contest teil, wo sie zum ersten Mal mit Tänzern zusammen auf der Bühne gearbeitet hat. Sie gewann zudem 2021 erstmals den Amadeus Austrian Music Award in der Kategorie „Pop/Rock“.

Für 2022 ist die erste eigene Tour im deutschsprachigen Raum geplant. Auf die Liveshows mit Gänsehauteffekt freut Höller sich heute schon: „Auf einem Festival ­haben die Leute meine Songs von vorne bis hinten mitgeschrien. Das war für mich der Beweis, dass die Lieder wirklich erfolgreich sind.“ Aber auch Fashion steht auf dem Plan, und auch die Zusammenarbeit mit anderen Künstlern – auf ihrer Wunschliste ganz oben stehen Shirin David und Bilderbuch, verrät Höller.

Text: Zoë Stern
Fotos: Niklas Kamp

Dieser Artikel erschien in unserer Ausgabe 10–21 zum Thema „30 Under 30“.

Up to Date

Mit dem FORBES-NEWSLETTER bekommen sie regelmässig die spannendsten Artikel sowie Eventankündigungen direkt in Ihr E-mail-Postfach geliefert.