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Celina Goette gründete Juniorjob noch in ihrer Schulzeit, da sie selbst auf der Suche nach einem Nebenjob war. Heute hilft das Unternehmen Jugendlichen genau dabei: beim Finden von Nebenjobs, Praktika und Ausbildungsplätzen.
Celina Goette war 14, als sie unbedingt ein Set von Lego Friends, einer Serie des dänischen Spielwarenherstellers, haben wollte. Sie bat ihren Vater darum, doch der war überzeugt, dass das Spielzeug spätestens drei Monate später unbeachtet in einer Ecke liegen würde. Als seine Tochter trotzdem nicht lockerließ, machte er ihr einen Vorschlag, den er vermutlich eher als Lektion und nicht als Handlungsaufforderung verstand: „Wenn du es unbedingt willst, dann geh doch arbeiten und kauf es dir selbst.“ Goette nahm ihn beim Wort: „Das war der Punkt, an dem ich mir dachte: Okay, dann gehe ich arbeiten. Ich suche nach einem Job“, erinnert sie sich. Sie begann, nach einem Schülerjob zu suchen – und stieß dabei auf ein Problem, das sie nicht mehr loslassen sollte: Einen Job für Jugendliche zu finden war erstaunlich kompliziert.
Heute ist die 23-Jährige Mitgründerin und CEO von Juniorjob. Das 2021 gegründete Start-up mit Büro in Köln betreibt eine App, über die Schüler Nebenjobs, Praktika, Ausbildungsplätze und duale Studiengänge finden und sich mit einem Klick bewerben können. Nach Angaben des Unternehmens haben inzwischen mehr als 150.000 deutsche Jugendliche einen Account angelegt. Über 350 Arbeitgeber inserieren auf der Plattform, darunter Rewe, die Deutsche Post und die Bundespolizei Deutschland. Sie alle suchen Nachwuchs in einem Markt, in dem Betriebe und Bewerber zunehmend schwerer zueinanderfinden: Laut dem Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) blieben 2025 in Deutschland 54.400 Ausbildungsstellen unbesetzt, während zum Stichtag 30. September rund 84.400 junge Menschen noch erfolglos einen Ausbildungsplatz suchten – 19,9 % mehr als im Vorjahr.
Stur sei sie schon immer gewesen, erzählt Goette, die Älteste von drei Geschwistern. Die erste Jobsuche mit 14 verlief nur schleppend, doch sie ließ nicht locker. „Wenn es für mich keinen Sinn macht, mache ich es auch nicht“, sagt sie. „Ich weiß, was ich will, und ich mache, was ich brauche, um zum Ziel zu kommen. Aber ich werde mich nicht irgendwelchen gesellschaftlichen Wünschen und Normen beugen.“ Nach 20 Bewerbungen ließ Goette ihr Alter weg – und wurde direkt zu einem Gespräch im Schokoladenmuseum in Köln eingeladen. Erst beim Ausfüllen des Personalbogens fiel auf, wie jung die Bewerberin tatsächlich war. Doch Goette war vorbereitet: Sie hatte recherchiert und legte schriftlich dar, warum sie nach erfüllter Vollzeitschulpflicht bereits arbeiten durfte. Das Schokoladenmuseum stellte sie ein. Daraufhin kamen Freunde auf sie zu, die bei ihrer eigenen Jobsuche an ähnlichen Hürden scheiterten. Goette erkannte darin ein größeres Problem: Vielen Jugendlichen fehlte schlicht ein einfacher Zugang zu passenden Angeboten.
Ich weiß, was ich will, und ich mache, was ich brauche, um zum Ziel zu kommen.
Celina Goette
Vier Jahre später – am 13. Dezember 2019, erinnert sich Goette genau – notierte sie die Idee für eine Job-App für Jugendliche in einem Notizbuch. Kurz darauf bekam sie die Gelegenheit, daraus mehr zu machen: In einem Wirtschaftskurs an ihrem Gymnasium in Frechen sollten die Schüler testweise ein Unternehmen gründen. Goette nutzte das Schulprojekt, um ihre Idee weiterzuentwickeln. Sie dachte sogar bereits darüber nach, wie die Unternehmensanteile zwischen den Gruppenmitgliedern verteilt werden könnten. „Die sagten: ‚Was für Anteile? Das ist ein Schulprojekt!‘“, erzählt sie. Nach dem Abitur im Juni 2021 gründete sie gemeinsam mit Bersa Shazimani Juniorjob offiziell. Ihre Eltern drängten zunächst auf ein Studium – doch im Herbst gewann Juniorjob beim Wettbewerb Startup Teens 10.000 € und Goette traf die Entscheidung, sich vollständig auf ihr Unternehmen zu konzentrieren.
Aus einem simplen Schülerprojekt entwickelte sich ein Geschäftsmodell, das sich auf Arbeitgeber als zahlende Kunden stützt. Seit 2023 zahlen Unternehmen auf der Plattform für das Inserieren von Ausbildungs- und dualen Studienplätzen. Praktika und Nebenjobs können sie dagegen kostenlos veröffentlichen – eine bewusste Strategie, um Jugendliche früh auf die Plattform zu bringen.
Goette sieht den Markt für Schülerjobs in zwei Lager geteilt: Auf der einen Seite gebe es etablierte Portale mit einer großen Zahl an Stellenanzeigen, bei denen Bewerbungen aber nur über verschachtelte Karriereseiten laufen würden; auf der anderen Seite sind die jungen Apps, denen es aber an ausreichenden Inseraten fehle. Juniorjob will diese Lücke schließen und setzt laut der Gründerin „zwei Jahre früher“ an als die Konkurrenz. Den entscheidenden Vorteil gegenüber etablierten Stellenportalen sieht Goette in der Nähe zur eigenen Zielgruppe: „Wir sagen ihnen, was die Schüler wollen – ‚ihr akzeptiert das oder ihr akzeptiert es nicht, und dann kriegt ihr entweder Bewerbungen oder nicht‘.“ In fünf Jahren soll Juniorjob die eine Anlaufstelle sein, die jeder Schüler in Deutschland kennt.
Text: Vit Le
Foto: Celina Goette