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Der gute Ruf der österreichischen Luxushotellerie ist international unbestritten. Dabei sticht eine Botschafterin des heimischen Tourismus hervor: Elisabeth Gürtler-Mauthner. Seit 1990 war sie federführend für die Sacher-Hotels in Wien und Salzburg tätig, übergab deren Leitung 2015 an ihre Kinder. Seither widmet sie sich dem Alpin Resort Sacher Seefeld-Tirol. Auch in der Spanischen Hofreitschule und am Wiener Opernball hat sie deutliche Spuren hinterlassen. Ein Blick auf die ikonische Unternehmerin, ihre Wurzeln, ihre Haltung – und ihre Zukunftspläne.
In Seefeld, etwa 20 Minuten mit dem Auto von Innsbruck entfernt, liegen 30 Zentimeter Schnee. Es ist Ende März und die auf 1.200 Meter gelegene 3.600-Seelen-Gemeinde wirkt bei der Durchfahrt wie leer gefegt. Die Wintertouristen sind abgereist; viele Fensterläden sind geschlossen und bis auf ein paar wenige Hotels ist alles zu. Der Weg zum Alpin Resort Sacher Seefeld-Tirol geht in kleinen Serpentinen eine Anhöhe hinauf und gibt erst auf den letzten Metern
den Blick auf den lang gezogenen Gebäudekomplex frei. Die Begrüßung ist freundlich, wir wurden bereits erwartet – und ja, der Schneefall kam auch für die Damen an der Rezeption überraschend: „Es war schon frühlingshafter“, sagen sie.
Das Fünf-Sterne-Luxushotel zählt 81 Gästezimmer, einen elegant-rustikalen Restaurant- und Frühstücksbereich, eine gemütliche Bar, Zwei-Hauben-Kulinarik und ein ausladendes Spa der Extraklasse. Auch hier ist es am Ende der Wintersaison ruhiger als sonst, sagt Barkeeper Don, der nach der hektischen Zeit ein paar ruhigere Tage gut gebrauchen kann.
Luxus zeigt sich hier nicht nur in der makellosen Ausstattung, im Dekor und im Angebot an Speisen, Getränken oder Wellness, er zeigt sich vor allem im Detail: dem Brillenputztuch, das für den Brillenträger abends im Badezimmer zurechtgelegt wird; den Hauspantoffeln, die – Spitze voran – sorgfältig an den Bettrand gestellt werden; der aufgeschlagenen Bettdecke. Auch am unaufgeregten, aufmerksamen und freundlichen Personal, das nicht nobler ist als seine Gäste, zeigt sich das hiesige Verständnis von Luxus. Die Entspannung beim Gast setzt unmittelbar nach dem Abstellen des Koffers ein; es ist sofort gemütlich. Hier zeigt sich, wofür Österreich auf der ganzen Welt bekannt ist: für seine Qualitäten als Gastgeber. Und hierfür wiederum ist ein Name besonders bekannt: Elisabeth Gürtler-Mauthner, langjährige Chefin der Sacher-Hotels in Wien und Salzburg, deren Leitung die Doyenne des österreichischen Tourismus vor rund zehn Jahren ihren Kindern übergeben hat.
Das Haus in Seefeld ist seit 1950 im Besitz der Familie Mauthner und wurde von Gürtler-Mauthners Vater Fritz auf einer seiner unzähligen Handelsreisen von Wien nach Zürich, wo er ein Getreidelager betrieb, erworben – „weil er ein Hotel besitzen wollte, was ihn aber als Geschäftsfall nicht wirklich interessierte“, so Elisabeth Gürtler-Mauthner. Das Geschäft selbst habe sein Schulfreund Hans Diglas (aus der Linie der Eigentümerfamilie des bekannten Wiener Café Diglas), der wie ihr Vater im Theresianum zur Schule gegangen war, geführt. Nachdem dieser nach rund 20 Jahren die Führung abgegeben hatte, übernahm ihr Onkel die Leitung des Hotels, das noch zu Lebzeiten ihres Vaters immer wieder ausgebaut werden sollte. „Aber auch, wenn meinen Vater das Hotel überhaupt nicht interessierte, hatte er durchaus visionäre Momente“, überlässt Gürtler-Mauthner ihm auch auf diesem Feld seine Meriten und erzählt: „1953 hatten wir hier im Haus das erste Hotelhallenbad in Tirol und immerhin eine Sauna sowie Massagen.“ Das unternehmerische Geschick des Vaters erklärt in Teilen vielleicht die Arbeitshaltung der Tochter, die ihn heute mit guter Distanz und trotzdem voller Respekt als unerbittlich streng beschreibt.
Fritz Mauthner gründete im Jahr 1946 ein Handelsunternehmen für Lebensmittel und Agrarrohstoffe; der Grundstein für die heutige (vornehmlich auf die Produktion von bzw. den Handel mit Saatgut spezialisierte) Mauthner-Gruppe, und positionierte sich als regionaler Handelspartner für lokale Bauern und Saatzüchter sowie internationaler Ansprechpartner für Import und Export. „Mein Vater war ein Unternehmer mit Leib und Seele“, sagt Gürtler-Mauthner. Er habe in der Nachkriegszeit, als Österreich sich noch nicht selbst versorgen konnte, Plata-Mais aus den USA importiert und später die österreichischen Getreideüberschüsse exportiert; er habe auch den Exportzucker abgewickelt – „für die Produktion von Campari und Coca-Cola“, erinnert sich Gürtler-Mauthner. „In meiner Kindheit und Jugend war der damalige Handelsminister Josef Staribacher ständiger Gast bei uns im Büro, aber auch hier in Seefeld mit seiner Frau“, erinnert sie sich. In den 1950ern habe ihr Vater die Lebensmittelkette Dietrich gegründet, „das waren 23 Selbstbedienungsfilialen in Wien, die später an Meinl verkauft wurden“. Für diese Lebensmittelkette hatte er „eine eigene Fleischfabrik, einen landwirtschaftlichen Betrieb mit Hunderten Schweinen und Tausenden Hühnern; darüber hinaus hatte er diverse Generalvertretungen, etwa für Lindt & Sprüngli, für Campbell-Suppen, für Green Giant oder für Hero-Marmeladen“, so Gürtler weiter. Der Kern der Unternehmung war aber immer das Getreide – von der Saatzucht über die Vermehrung bis zum Export. Die 75-Jährige lehnt sich kurz zurück: „Ja, das war ein ganz gescheiter Mann, mein Vater, der immer gesagt hat: ,Leistung ist die Essenz des Lebens. Ohne Leistung gibt es gar nichts.‘“ Das einzige Pech, das er im Leben hatte, war, zitiert Gürtler-Mauthner ihren Vater, „nur zwei Töchter zu haben. Ein Glück aber für die zwei Töchter“, grinst sie, „die sonst nicht ins Unternehmen integriert worden wären.“ Auf Geheiß ihres Vaters studierte sie Handelswissenschaften. 1988, nach dem Tod des Vaters, übernahmen Elisabeth Gürtler-Mauthner und ihre Schwester Maria Gohn-Mauthner das Geschäft und strukturierten es in seine heutige Form um.
Elisabeth Gürtler-Mauthner war mit ihrem ersten Ehemann Peter Gürtler seit 1973 im Hotel Sacher in Wien tätig und übernahm 1990 (nach dem Ableben ihres damals bereits Ex-Manns) die Hotelleitung für ihre noch minderjährigen Kinder Alexandra und Georg. In einer für die Familie extrem schwierigen Zeit musste Gürtler-Mauthner nicht nur deren emotionale Stütze sein; sie musste auch für die Zukunft ihrer Kinder unzählige geschäftliche Entscheidungen treffen, die rückwirkend betrachtet wohlüberlegt scheinen. Im tatsächlichen Arbeitsalltag war aber vieles nicht immer so, sagt Gürtler entwaffnend offen.
Eine Strategie hatte sie nicht, die Entwicklungen im und rund um das Haus seien „Schritt für Schritt“ passiert. 1994 wurde das Hotel Sacher zunächst in die elitäre Riege der „Leading Hotels of the World“ aufgenommen – damals sei auch festgestanden, dass das Hotel ausgebaut werden musste, um Skaleneffekte besser nutzen zu können: „Ich wusste, dass wir immer mehr Zimmer brauchen, um die Overheads zu verteilen“, so Gürtler-Mauthner. Unter ihrer Führung rückten so immer wieder Bauarbeiter an. Es wurde renoviert, umgebaut und sogar aufgestockt. Die Produktion der Sachertorten zog aus dem Hotelkeller in den elften Wiener Bezirk. Heute werden jährlich 360.000 Stück produziert und in die ganze Welt verkauft. Die Manufaktur war zuvor aus allen Nähten geplatzt und Torten begannen zu schimmeln, weil das Lüftungssystem für die stetig größer werdende Anzahl an Torten nicht mehr stark genug war. „So kommt man drauf, dass etwas nicht mehr funktioniert. Dann aber muss sofort eine Lösung her“, beschreibt Gürtler-Mauthner das Tagesgeschäft im Haus an der Staatsoper.
Da hat jeder gewusst, was das Sacher ist. Da hat es keinen Erklärungsbedarf gegeben.
Elisabeth Gürtler-Mauthner
Bis heute sind alle von der Familie Gürtler betriebenen Hotels in Familienbesitz – auch das hatte die Matriarchin frühzeitig in die Wege geleitet –; so auch der ehemalige Österreichische Hof in Salzburg, der im Jahr 1988 von ihrem ersten Mann gekauft und im Jahr 2000 von ihr in Sacher umbenannt wurde. Im Ausland konnte den alten Namen laut Gürtler-Mauthner ohnehin niemand aussprechen, die Bekanntheit der Marke tat ihr Übriges: „Da hat jeder gewusst, was das Sacher ist. Da hat es keinen Erklärungsbedarf gegeben.“ Die Unternehmensgruppe baute Gürtler-Mauthner in eine Holdingstruktur um. Darin eingegliedert sind das 2011 übernommene Hotel Bristol, die Betriebsgesellschaften für die Hotels in Wien und Salzburg, die Tortenmanufaktur sowie Beteiligungen an den Casinos Austria und am Hofburg-Kongresszentrum. Zwei Privatstiftungen halten das Eigentum an der Holding – begünstigt sind die Kinder. 2024 lag der Konzernumsatz bei 101,6 Mio. €, das Ergebnis vor Steuern bei 18,1 Mio. €.
2015 übergab Gürtler-Mauthner das Geschäft an ihre Kinder und deren Partner und widmete sich fortan jenem Haus in Seefeld, das seit 2022 den Namen Alpin Resort Sacher Seefeld-Tirol trägt. Es ist in ihrem eigenen Besitz bzw. dem ihrer Vermögensverwaltung. Das neue Leitthema: Academy For Better Aging.
Das Hotel selbst habe sie von ihrer verstorbenen Mutter im Jahr 2014 geerbt und es bis 2019 fertig um- und ausgebaut; das Getreidegeschäft sollte an ihre Schwester und deren Familie gehen. „Damals, im Jahr 2015, dachte ich mir: Wenn das nun mein Hauptgeschäft werden soll, dann muss das auch professionell geführt werden“, so Gürtler-Mauthner. Zunächst musste die Betriebsgröße angepasst werden – die Erhaltungskosten waren, gemessen an den Einnahmen, viel zu hoch. Gedanklich fühlt man sich an den Beginn von Gürtlers Expansionstätigkeiten in Wien zurückversetzt.
Das Führen eines Hauses am Land, wie es das Alpin Resort ist, sei allerdings deutlich herausfordernder als das Führen eines Stadthotels, betont Gürtler-Mauthner. Es erfordere tatsächlich die gesamte zuvor gesammelte Erfahrung, um so ein Haus einträglich führen zu können, sagt sie. „In der Stadt sind die Gäste schon alle da. Da muss ich nur darauf schauen, dass sie zu mir kommen. Am Land muss ich den Gästen einen Grund geben, zu mir zu kommen. Dorthin muss ich mir die Gäste erst holen“, beginnt die erfahrene Hotelbetreiberin zu erklären. In der Stadt müsse man die Gäste auch nicht in einem annähernd ähnlichen Maße servicieren wie hier am Land, sagt sie. Im Stadthotel sei eine der ganz zentralen Schlüsselfiguren der Concierge, der ebenso bestens über laufende Ausstellungen Bescheid wissen oder vergriffene Konzerttickets besorgen müsse. „Die Preise für das Zimmer in der Stadt ohne Verpflegung sind auch höher als die Preise hier mit Rundum-Verpflegung und Entertainment von Wandertouren bis eben zu den Longevity-Angeboten“, kommt Gürtler auf ihren neuen Fokus „Better Aging“ zurück. Sie führe den Betrieb ganzjährig und brauche mehrere Standbeine bzw. Themenfelder, um das Hotelgeschäft am Laufen zu halten. Über das Jahr verteilt gibt es von ihr höchstpersönlich organisierte Kunst- und Kulturveranstaltungen, Tagungen für Frauen rund um den Weltfrauentag – nicht zuletzt deshalb wird noch in diesem Jahr ein Event-Chalet für rund 180 Personen gebaut werden.
Wichtigster inhaltlicher Partner der Academy For Better Aging ist der als „Hormonpapst“ bekannte Gynäkologe und Theologe Johannes Huber, mit dem Gürtler-Mauthner gemeinsam das Buch „Hirnfit bis 100“ geschrieben hat. Gerade heute habe sie mit ihm telefoniert, erzählt sie; er habe in New York eine neue Technologie entdeckt, die er jetzt testen werde – „und wenn das was bringt, so wie etwa die Kältekammer, die erwiesenermaßen für den Energiehaushalt und die Stärkung des Immunsystems gut ist, wird auch diese Technologie hier im Haus Anwendung finden“, so Gürtler-Mauthner weiter.
Der Begriff „Longevity“ kommt ihr dabei nicht ganz leicht über die Lippen – es werde damit zu viel Missbrauch betrieben, sagt sie. „Ich bevorzuge ‚Academy For Better Aging‘, weil da das Akademische, die Wissenschaft hervorgehoben wird.“ Es sei wichtig zu verstehen, dass ihr Haus keine Gesundheitsklinik wie etwa der Lanserhof oder Viva Mayr sei. „Ich bin ein Hotel und habe eine Ärztin, die hier eine Zweitordination betreibt. Sie ist im Haus, wenn mit ihr Termine vereinbart worden sind.“ Die spezifischen Testungen in der Sacher Academy For Better Aging spannen sich dabei vom Anamnesegespräch über Speichel- oder Blut- bis hin zu Gentests, sie bietet Kältekammer-Anwendungen bis hin zu Intervall-Hypoxie-Hyperoxie-Therapien. Daneben gibt es reguläre Beauty-Anwendungen, gerne auch mit Hormongabe. „Wir zwingen niemanden“, erklärt Gürtler-Mauthner das vorsichtige Heranführen ihrer Klientel an das Thema Longevity. Sie sei sich bewusst, dass sie unter den Vorreitern auf diesem Feld sei – es sei das Thema der Zukunft, ist Gürtler-Mauthner sicher; auch in der Hotellerie. „Wenn man hört, wie viel etwa ein Sam Altman von Open AI in das Thema Longevity investiert, ist klar, dass das auch in Europa ein Riesenthema sein wird.“ Ende letzten Jahres sei sie in Bangkok bei der General Assembly der Leading Hotels of the World gewesen, wo auch viele saudi-arabische Hoteliers anwesend waren, die „Luxuspaläste rund um die Themen Wellness und Longevity bauen“, so Gürtler. Sie hegt keine Zweifel: Ihre Investments, auch jene in die dafür notwendigen Technologien – eine Kältekammer kostet rund 100.000 € –, zahlen sich aus. Diskutieren müsse sie das in ihrem eigenen Haus sowieso nicht; das habe sie ohnedies nie gerne getan.
Elisabeth Gürtler-Mauthner sagt von sich, sie sei keine Teamplayerin. Sie sagt aber auch: „Ich habe immer sehr gerne mit starken Männern zusammengearbeitet, von denen ich gewusst habe, ich muss mich unterordnen.“ Das sei bei ihrem Vater ebenso gewesen wie beim damaligen Direktor der Wiener Staatsoper, Ioan Holender. Wenn etwas grün war, der Vater es aber gelb gesehen habe, war es gelb, erzählt Gürtler-Mauthner. Das klingt zunächst nach einem Widerspruch; vielleicht aber zeigt es ein großes Talent für die Definition und Positionierung der eigenen Rolle und eine klare Abgrenzung der eigenen Handlungsspielräume. Offensichtlich sucht sie keinen Konflikt, wenn es nichts zu gewinnen gibt; manchmal aber kollidiert eine Überzeugung mit der anderen.
Als Ioan Holender Elisabeth Gürtler-Mauthner die Organisation des Opernballs antrug, die sie von 1999 bis 2007 innehatte, führte diese die Donatoren-Struktur ein, mit der Förderer der Staatsoper für ihre Beiträge Anerkennung und den Zugang zum Kauf einer Loge bekamen. Der Industrielle Hannes Androsch, jahrelanger Stammgast mit zwei Logen, weigerte sich, für seine gewohnten Plätze jetzt auch Donator zu werden – das war das Ende seiner Opernball-Besuche, sagt Gürtler-Mauthner lakonisch. Als sie dann noch einen eigenen Empfang für die Donatoren organisieren wollte, stellte sich Holender quer. Sie ließ die Einladungen trotzdem drucken. „Er war fuchsteufelswild. Das war das Ende unserer Zusammenarbeit“, sagt sie.
Dennoch überrascht es, wenn eine Managerin und Unternehmerin ihres Kalibers sagt: „Ich bin eigentlich unsicher und von Zweifeln zerfressen, ob das, was ich mache, auch wirklich richtig ist. Ich denke viel über die Dinge nach, ich hole mir viele Meinungen ein.“ Und nach einer Pause: „Aber wenn ich mich einmal zu einer Entscheidung durchgerungen habe, dann will ich das nicht im Team besprechen müssen und Kompromisse machen. Dann wird das durchgezogen.“
Als Geschäftsführerin der Spanischen Hofreitschule von 2007 bis 2018 machte sie mit Reformen – beinahe schon Revolutionen – auf sich aufmerksam: Sie setzte etwa gegen erheblichen Widerstand durch, dass erstmals Frauen als Bereiterinnen zugelassen werden. In der Dressur, argumentiert sie, seien die besten Reiter eben Reiterinnen. „Da waren viele sehr, sehr böse auf mich. Ob mir klar ist, dass ich mit einer Tradition breche, haben sie gefragt.“ Gleichzeitig wurde die Zahl der Vorführungen fast verdreifacht. Darüber hinaus setzte die Managerin auch Einsparungen durch: „Das war nicht kampflos. Da ging es ans Eingemachte“, so Gürtler-Mauthner. 2011 schrieb die Hofreitschule sogar erstmals schwarze Zahlen – ein Gewinn von 30.000 €.
Was ihr in all den Jahrzehnten am meisten bedeutet hat, wollen wir am Ende des Gesprächs wissen. Die Antwort kommt ohne Zögern: „Mein Leben waren die Pferde.“ Gürtler-Mauthner war Vizestaatsmeisterin in der Dressur, hatte drei Pferde gleichzeitig in Arbeit und trainierte bei Bereitern der Spanischen Hofreitschule. Ihr Traum war eigentlich, am Land zu leben, mit Hunden und Pferden. Sie gab ihn auf, als das Sacher kam. „Das war eine Entscheidung, die mir wahnsinnig wehgetan hat“, erzählt sie. Auch deshalb habe sie die Spanische Hofreitschule wie ihren eigenen Betrieb geführt.
Geblieben ist der Hund – und das Hotel am Land. Während des Interviews zeigt sich ihre Jack-Russell-Dame Ella immer wieder interessiert, nimmt zwischenzeitlich auch auf dem Sofa Platz. „Sie ist meine Lebensgefährtin – und das seit 14 Jahren“, schmunzelt Gürtler-Mauthner. Auch im Hotelprogramm in Seefeld haben Hunde ihren festen Platz: Gürtler-Mauthner bietet Hundewochen und sogar „Longevity for Pets“ an – „fünf Sterne für vier Pfoten“ nennt sie das. Wöchentlich pendelt die 75-Jährige zwischen Seefeld und Wien, häufig auch in Begleitung von Ella. Sie brauche nur fünf Stunden Schlaf pro Nacht und stehe regelmäßig bei minus 110 Grad in der hauseigenen Kältekammer. Auf die Frage, warum sie mit 75 Jahren noch ein Hotel führt, sagt sie: „Ich wüsste gar nicht, was ich sonst tun soll. Ich kann jetzt nicht wieder anfangen, zu reiten und Tennis zu spielen!“
Text: Heidi Aichinger, Michael Zehenter
Fotos: Gianmaria Gava