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2020 schrieb der dänische Architekt Bjarke Ingels eine Bucketlist mit fünf Bauwerken, die er in seinem Leben noch entwerfen wollte – sechs Jahre später setzt die Bjarke Ingels Group (BIG) weltweit Opernhäuser, Sportstadien und Flughäfen um; hinzu kommen eine eigene Zukunftsstadt in Bhutan sowie Habitate auf dem Mond für die Nasa. Doch nun gilt es für Ingels und die BIG, die großen Versprechen auch in Realität zu verwandeln – und das kann durchaus dauern.
2020 hielt das Team rund um Bjarke Ingels eine Strategiesession ab – am Ende dieses Prozesses stand eine Liste von fünf Gebäuden. Es war die „ultimative Bucketlist“, so der dänische Star-Architekt; eine Liste von Bauten, die er und sein Team der Bjarke Ingels Group (BIG) entwerfen und umsetzen wollten. „Ich musste vor mir selbst, aber auch vor meinem Team und der ganzen Welt zugeben, was ich wirklich wollte. Denn manchmal spricht man etwas nicht aus, um nicht daran scheitern zu können“, so Ingels.
Auf der Liste standen ein Flughafen, eine Oper, ein Konzerthaus, ein Sportstadion und eine Stadt- oder Nationalbibliothek. Sechs Jahre später, als wir Ingels am Hauptsitz der BIG unweit des Hafens in Kopenhagen treffen, ist ein Großteil dieser Wünsche Realität geworden. Ein Opernhaus? Entwickelt die BIG aktuell im Zuge des Baus der Hamburgischen Staatsoper, und auch im Kosovo. Ein Konzerthaus? Die BIG erhielt den Zuschlag für die Moldau-Philharmonie in Prag, baut die EVE Music Hall in Kroatien und das Tennessee Performing Arts Center in Nashville. Ein Sportstadion? Die Las Vegas Athletics sollen ab 2028 in ihrem neuen Stadion Baseball spielen – entwickelt von der BIG. Vier von fünf Elementen sind in Umsetzung; „nach einer Bibliothek suchen wir noch“, sagt Ingels lächelnd während des Interviews. „Falls Sie also jemanden kennen, der eine Bibliothek bauen möchte – wir würden das sehr gerne machen.“
Bjarke Ingels gilt als einer der erfolgreichsten Architekten der Gegenwart. Die von ihm 2006 gegründete und über zwei Jahrzehnte aufgebaute Bjarke Ingels Group hat weltweit rund 750 Mitarbeiter, der Umsatz 2025 betrug 1,3 Mrd. Dänische Kronen (rund 173 Mio. €); der Umsatz 2026 soll laut Unternehmensangaben in etwa das Niveau von 2025 erreichen. Dass der Erfolg enorm ist, zeigt sich global – wo immer groß gebaut wird, ist die BIG nicht weit. Neben den bereits genannten Projekten stammt etwa auch das Museum des dänischen Spielzeugherstellers Lego von der BIG; das Architekturbüro konzipierte zudem das Museum sowie das zugehörige Hotel der Uhrenmarke Audemars Piguet im Westschweizer Le Brassus; in New York City baute man etwa das Hochhaus The Spiral oder die „One High Line“-Türme; in Kopenhagen wurde im Projekt Copenhill auf dem Dach einer Müllverbrennungsanlage eine Skipiste aus Gras entworfen.
Die Philosophie der BIG zeigt auch das eigene Hauptquartier in Kopenhagen. Auf der Spitze des Sundmolen-Piers konzipiert trotzt der siebenstöckige Bau der rauen, salzigen Ostseeluft. Anstatt auf sterile Perfektion setzt die BIG auf Ehrlichkeit bei den Materialien: keine Trockenbauwände, fast keine Farbe, sondern rohes Aluminium und sichtbarer Tragbeton. Um den CO2-Fußabdruck zu reduzieren, wurde ein Drittel des Zements durch calcinierte Erde ersetzt. Das senkt nicht nur die Emissionen, sondern verleiht dem Gebäude einen ungewöhnlichen Beigeton, auf den selbst die Vorhänge im Innenraum abgestimmt wurden.
Für Ingels ist entscheidend, dass er und sein Team keine Standardobjekte bauen. In seinem Streben nach neuen Herausforderungen macht Ingels selbst an irdischen Grenzen nicht halt: Im Rahmen von Project Olympus der Nasa entwickelt die BIG Entwürfe für permanente menschliche Behausungen auf dem Mond. Ingels erklärt, dass mangels existierender Baukultur vor Ort ein ganz neuer Zugang geschaffen werden muss. Um extremen Bedingungen wie dem Vakuum und Mikrometeoriten standzuhalten, setzt man auf lokale Ressourcen wie Mondstaub (Regolith), der mittels Laser-Sintern zu einem obsidianartigen Baumaterial schmilzt. Ingels: „Der Mond bietet die Chance für eine völlig neue architektonische Sprache, da dort keine Kultur existiert.“
Er sei an einem Punkt angelangt, wo viele seiner Träume in Erfüllung gehen – jetzt gehe es darum, abzuliefern, so der Architekt. „Die Menschen fragen: ‚What’s next?‘ Und ich antworte, dass wir uns jetzt darauf fokussieren, all unsere Versprechen auch wirklich einzuhalten; dass wir all diese Gebäude auch wirklich ermöglichen.“
Im Interview spricht Ingels über eine Besonderheit in der Architektur: Große Projekte wie Opernhäuser, Flughäfen oder Sportstadien verlangen im Wettbewerb oft Erfahrung in der Entwicklung ebensolcher Bauten. „Das ist der Catch-22 (ausweglose Situation, Widerspruch, Anm.) in der Architektur: Niemand übergibt dir einen Flughafen, wenn du nicht schon mal einen Flughafen gebaut hast; niemand gibt dir ein Konzerthaus, wenn du noch nie ein Konzerthaus gebaut hast.“ Die Ausschreibung für den Zubau in Zürich dauerte insgesamt zwei Jahre und fand teilweise während Covid statt. Am Ende war neben der BIG nur noch das Team von Norman Foster im Rennen. „Ich glaube, niemand hat mehr Flughäfen gebaut als Norman Foster“, so Ingels.
Tatsächlich hat der britische Architekt etwa London-Stansted entwickelt, auch den Flughafen in Peking; und er baut aktuell am King Salman Airport in Riad. Doch die BIG erhielt den Zürich-Zuschlag. Nun entsteht dort mit dem neuen Dock A der laut Ingels größte Holzbau der Welt. Neben der Flugabwicklung integriert der Komplex Lounges, Retail-Flächen sowie auch einen neuen Tower. Der Flughafen investiert in das Projekt insgesamt über 1 Mrd. CHF (1,1 Mrd. €).
Einen Flughafen baut die BIG auch in Bhutan – rundherum entsteht jedoch noch viel mehr: Mit der Gelephu Mindfulness City erschaffen Ingels und Co eine Stadt. Auf rund 1.000 Quadratkilometern entsteht an der Grenze zu Indien ein neuer ökonomischer Hub, der das bhutanische Prinzip des Bruttonationalglücks (GNH) direkt integriert. Gezielte Investments in grüne Technologien, Bildung und nachhaltige Infrastruktur sollen den Zugang zu den Wachstumsmärkten Süd- und Südostasiens sichern.
„Ich habe vor drei Jahren den König von Bhutan getroffen. Wir haben die Idee gemeinsam entwickelt – und ich war froh, dass ich ihn nicht früher getroffen hatte, denn alles, was ich bis dahin getan hatte, hat mich darauf vorbereitet.“ Bhutan widmete ein Budget von rund 1 Mrd. US-$ (0,9 Mrd. €, besichert durch 10.000 Bitcoins aus der nationalen Reserve) für die neue Stadt. Der zugehörige Flughafen soll 2029 eröffnen.
Die Macht der Formgebung besteht darin, dem noch Formlosen Gestalt zu geben – also der Zukunft.
Bjarke Ingels
Ein drittes Projekt, das für Aufsehen sorgte, ist die Hamburgische Staatsoper. 2025 erhielt die BIG den Zuschlag für das Gebäude, das ein modernes Opernhaus mit öffentlich zugänglichen Gartenanlagen kombinieren soll. Der Bau könnte 2030 starten – sofern die Finanzierung geklärt ist: Der deutsche Milliardär Klaus-Michael Kühne galt als großer Förderer und hatte bereits 330 Mio. € für den Bau zugesagt; die Stadt hatte für „standortspezifische Mehrkosten“ für das Grundstück auf der Landzunge am Baakenhöft 147,5 Mio. € zugesagt, darunter etwa die Baureifmachung des Grundstücks – doch spätestens seit dem Tod Kühnes im August 2026 halten Kritiker sich nicht zurück: Das Geld reiche nicht annähernd, die Restfinanzierung sei unklar.
In Architekturkreisen wurde der Entwurf, der eine öffentlich begehbare mehrstufige Terrassenanlage vorsieht und in der Bevölkerung positiv aufgenommen wurde, kritisiert: Manche meinten, die BIG habe dabei einfach die Philharmonie in Prag kopiert. Andere Stimmen zeigten sich ob des ungewöhnlichen und vielfältigen Entwurfs begeistert. Zwei Jahre Planungsphase hat sich die Stadt gegeben, dann sollen die Gesamtkosten für das Projekt klar werden.
Solch langfristige Zyklen sind bei so großen Projekten nicht ungewöhnlich: „Je größer ein Projekt ist, desto fragiler. Das ist bis zu einem gewissen Grad die Ironie der Sache“, sagt Ingels. Während Großprojekte für die BIG sehr relevant sind, kommt die Mehrheit der Projekte (etwa 60 % laut dem Unternehmen) aus Direktaufträgen ohne öffentlichen Wettbewerb.
Dass Ingels heute überhaupt solche Monumentalbauten realisieren kann, verdankt er auch seinem Werdegang. Er wuchs nördlich von Kopenhagen auf, sein Vater war Ingenieur, seine Mutter Zahnärztin. Ingels’ erster Berufswunsch war Cartoonzeichner, er entschied sich Anfang der 90er-Jahre dann aber doch für ein Architekturstudium. Er studierte in Kopenhagen und Barcelona, seine erste Station war beim niederländischen Architekten Rem Koolhaas in Rotterdam – Koolhaas gilt in der Architekturwelt als Legende. Ingels beschreibt, wie Koolhaas damals mit seinen Kollegen arbeitete: Er habe ihnen dabei geholfen, die richtigen Ideen zu verfolgen und die falschen zu verwerfen.
In Architekturkreisen wurde der Entwurf, der eine öffentlich begehbare mehrstufige Terrassenanlage vorsieht und in der Bevölkerung positiv aufgenommen wurde, kritisiert: Manche meinten, die BIG habe dabei einfach die Philharmonie in Prag kopiert. Andere Stimmen zeigten sich ob des ungewöhnlichen und vielfältigen Entwurfs begeistert. Zwei Jahre Planungsphase hat sich die Stadt gegeben, dann sollen die Gesamtkosten für das Projekt klar werden.
Solch langfristige Zyklen sind bei so großen Projekten nicht ungewöhnlich: „Je größer ein Projekt ist, desto fragiler. Das ist bis zu einem gewissen Grad die Ironie der Sache“, sagt Ingels. Während Großprojekte für die BIG sehr relevant sind, kommt die Mehrheit der Projekte (etwa 60 % laut dem Unternehmen) aus Direktaufträgen ohne öffentlichen Wettbewerb.
Dass Ingels heute überhaupt solche Monumentalbauten realisieren kann, verdankt er auch seinem Werdegang. Er wuchs nördlich von Kopenhagen auf, sein Vater war Ingenieur, seine Mutter Zahnärztin. Ingels’ erster Berufswunsch war Cartoonzeichner, er entschied sich Anfang der 90er-Jahre dann aber doch für ein Architekturstudium. Er studierte in Kopenhagen und Barcelona, seine erste Station war beim niederländischen Architekten Rem Koolhaas in Rotterdam – Koolhaas gilt in der Architekturwelt als Legende. Ingels beschreibt, wie Koolhaas damals mit seinen Kollegen arbeitete: Er habe ihnen dabei geholfen, die richtigen Ideen zu verfolgen und die falschen zu verwerfen.
„Man hat manchmal selbst diesen Heureka-Moment“, reflektiert Ingels heute über diese Zeit. „Meine Aufgabe ist es, sicherzustellen, dass wir eine Idee ergreifen und verfolgen, sobald sie sich präsentiert.“ In intensiven Diskussionen formuliert Ingels mit seinen Kollegen Zielrichtungen und Ideen, während sein Team daraus Skizzen, Modelle und Kritik entwirft. „Ich zeichne heute nicht mehr mit der Maus“, erklärt er, „sondern eher mit den Menschen. So kann Magie entstehen.“
Nach seiner Zeit bei Koolhaas gründete Ingels 2001 zunächst das Büro Plot, bevor 2006 die Bjarke Ingels Group entstand. Ingels wollte herausstechen, was etwas Kreativität verlangte: „Wir haben damals vor allem alltägliche Projekte wie sozialen Wohnungsbau umgesetzt“, erzählt er. „Dabei haben wir eine Art Methodik entwickelt – fast wie Alchemie: Wir haben gewöhnliche Zutaten wie Wohnungen, Kindergärten, Geschäfte und Büros gemischt, um etwas zu schaffen, das mehr war als die Summe seiner Teile.“ Mit Büchern wie dem 2009 publizierten Manifest „Yes is More“ (eine Anspielung auf das Konzept „Less is More“, das in der deutschsprachigen Region vor allem dem Architekten Ludwig Mies van der Rohe zugeschrieben wird), „Hot To Cold“ oder „Formgiving“ machte sich die BIG ebenfalls einen Namen.
Der Mond bietet die Chance für eine völlig neue architektonische Sprache, da dort keine Kultur existiert.
Bjarke Ingels
Doch der Aufstieg zum globalen Powerhouse, das die BIG heute ist, war keineswegs vorgezeichnet. Wenn man das ökonomische Fundament des Büros verstehen will, lohnt sich ein Blick auf das Jahr 2008, als Sheela Maini Søgaard – die heutige CEO der Gruppe – zum Unternehmen stieß: „Mein erstes Treffen mit Bjarke fand 2008 in einem Café statt; wir hatten ein Zeitfenster von drei Stunden, da ich dann wieder mein Baby füttern musste. Die BIG hatte damals nur 40 Mitarbeiter. Ein halbes Jahr später kam ich als CFO an Bord – ein großer Titel in einem damals noch recht kleinen Büro“, erzählt sie.
Zwei Monate später brach die Finanzkrise in den USA mit voller Wucht aus, die auch den Immobilienmarkt nachhaltig schädigte. Nahezu alle geplanten Bauprojekte der BIG wurden abgesagt. Søgaard: „Die Herausforderung war klar: Ich musste dafür sorgen, dass wir von unseren Kunden überhaupt Zahlungen erhalten.“ Anfang 2009 stieg Søgaard zur CEO auf und löste Ingels in dieser Rolle ab. „Es war gar nicht so schwer zu erkennen, wo die Probleme lagen. Als Bjarke merkte, dass er mir die Organisation des Unternehmens übergeben konnte – ich glaube, das war für ihn eine Erleichterung. Er konnte sich endlich wieder voll auf unsere Kunden und die Projekte konzentrieren.“
2010 zog Ingels nach New York City, um das dortige Büro aufzubauen. Erst kürzlich zog der Architekt, der mit der spanischen Architektin Ruth Otero verheiratet ist, wieder nach Kopenhagen. In der dänischen Hauptstadt hat er ein Hausboot um- und ausgebaut, auf dem er wohnt. Die BIG führt das Projekt auf der Website in ihrem Portfolio.
Gefragt, ob Ingels trotz seiner Rolle als Unternehmer und Geschäftsmann zuallererst wie ein Architekt denke, sagt die CEO: „Ja, zu 100 %.“ Ihre Rolle sei es wiederum, darauf zu achten, dass die Margen stimmen und die Projekte finanziell umsetzbar bleiben. „Ein Projekt und die Finanzen dahinter – da treffen bei uns zwei verschiedene Agenden aufeinander. Bjarke ist bereit, alles zu geben, um den Erfolg eines Entwurfs zu garantieren; ich schaue eher transaktional auf den Leistungsumfang und die Gewinnmarge. Aber genau diese Dynamik hält uns zusammen“, sagt Søgaard.
Dass die BIG heute bei derartig gigantischen Projekten auf Augenhöhe verhandeln kann, hat auch mit dem Track Record zu tun. Doch Søgaard spricht auch darüber, dass sich das in der Gebührenstruktur niederschlagen muss: „Ein Immobilienmakler kassiert 4 % vom Verkaufswert, während der Architekt vielleicht 1 bis 2 % der Baukosten bekommt. Unsere größte Herausforderung war von Anfang an die Frage: Wer schafft hier eigentlich den echten Wert – und wie wird er kompensiert?“
Der rote Faden, der sich durch das Schaffen der BIG zieht, bleibt dabei unverändert: aus wilden Ideen etwas Neues zu erschaffen. Immer wieder betont Ingels, wie sehr Architektur dazu diene, Fiktion zu verwirklichen: „Architektur hat die einzigartige Möglichkeit, Fantasie in Realität und Fiktion in Fakten zu verwandeln.“ Doch Ingels hat nicht nur Fans – wer so viel kommerziellen Erfolg hat, muss, besonders in der Architektur, auch Gegenwind erwarten. Gerade am Heimatmarkt in Dänemark wird die BIG auch kritisch beäugt: Der Vorwurf, ein „Sell-out“ zu sein, oder auch die Beteiligung an Großprojekten wie der in Saudi-Arabien entstehenden schwimmenden achteckigen Hafen- und Industriestadt Oxagon bringen der BIG regelmäßig Kritik ein.
Die globale Expansion stellt das Unternehmen zwangsläufig vor ethische und politische Fragen. Für Ingels ist Architektur ein Werkzeug, um an Orten der Transformation Zukunft aktiv mitzugestalten. Das Ziel ist, am Formen einer Welt mitzuarbeiten, in der man selbst gerne leben würde. „Die Macht der Formgebung besteht darin, dem noch Formlosen Gestalt zu geben – also der Zukunft“, sagt Ingels. Er lehne eine „westlich-zentrierte“ und moralisierende Haltung ab: „Skandinavien macht gerade einmal 0,2 % der Weltbevölkerung aus. In unserem Team arbeiten Palästinenser und Israelis, Ukrainer und Russen. Es wäre provinziell, zu glauben, dass unsere westliche Sichtweise die einzig gültige ist.“
Grenzen zieht Ingels dennoch – Projekte, „deren Zweck ins Destruktive kippt“, werden abgelehnt. Das zeigte sich etwa bei der Absage von Aufträgen in Russland nach Ausbruch des Ukraine-Kriegs oder bei einem Industrieprojekt, als der Fokus von Photovoltaik auf ferngesteuerte Waffensysteme verlagert wurde. „In solchen Fällen sehen wir keinen Sinn in unserer Beteiligung“, betont Ingels.
Heute steht die BIG an einem Punkt, an dem es weniger darum geht, bloß neuen Ideen nachzujagen, sondern darum, diese Träume zu verwirklichen. Die Bucketlist von 2020 hat den Kurs des Büros nachhaltig verändert – der Großteil der Wunschliste befindet sich in der Umsetzung. Auf eine Anekdote angesprochen, die Ingels besonders auszeichne, verweist CEO Søgaard auf eine Aussage, die ihr im Kopf geblieben ist: „Bjarke hat einmal in einem Interview gesagt: ‚Solange unsere Gebäude nur auf dem Zeichenbrett existieren – und bis sie erwachsen sind –, müssen wir für sie sprechen und sie vertreten. Danach sprechen die Gebäude dann für sich selbst.‘ Das bringt perfekt auf den Punkt, wer er ist – er ist quasi der ‚Geburtshelfer‘ dieser Gebäude.“
Diese Rolle wird Ingels noch eine Zeit lang ausüben; denn bis die aktuellen Großprojekte in der physischen Welt stehen, werden noch Jahre vergehen. Ingels erinnert sich an den Moment, als die BIG den Zuschlag für den Flughafen Zürich erhielt: „Ich war 45 Jahre alt, als wir den Wettbewerbsaufruf für Zürich bekamen – ich werde 60 sein, wenn wir den Bau eröffnen. Das ist dann ein Viertel meines Lebens, das ich investiert habe, um dieses Versprechen einzulösen.“ •
Fotos: Gianmaria Gava