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Valerie Hillebrand ist auf Baustellen aufgewachsen, heute gestaltet sie als vierte Generation die Zukunft des Salzburger Familienunternehmens Hillebrand Bau, Holz & Immobilien. Als Unternehmerin stellt sie sich nun die Frage, wie sich ein Unternehmen verändern muss, um zukünftig relevant zu bleiben – und was es hinterlassen muss, das über ein Gebäude hinausgeht.
Sonntag war bei den Hillebrands Familientag – und dieser spielte sich meistens auf der Baustelle ab. „In meiner Kindheit hat es das Unternehmen nie nicht gegeben“, erinnert sich Valerie Hillebrand, deren Urgroßvater 1941 in Wals bei Salzburg eine kleine Zimmerei aufmachte. Heute beschäftigt die Unternehmensgruppe Hillebrand rund 220 Mitarbeitende an Standorten in Wals, Zell am See und Südbayern. Im operativen Bereich erzielte das Unternehmen zuletzt einen Jahresumsatz von mehr als 80 Mio. €. Dazu trägt auch der über Generationen hinweg aufgebaute Immobilienbestand bei, der sich über verschiedene Assetklassen erstreckt.
Von der Projektentwicklung über Planung, Bau und Holzbau bis zum Verkauf vereint die Gruppe sämtliche Bereiche unter einem Dach. Seit März 2026 ist die 30-jährige Valerie Hillebrand Prokuristin der Holding und verantwortet die verschiedenen Stabsstellen. Als vierte Generation und erste Frau in der Nachfolge bereitet sie sich auf eine neue Rolle vor. Ihr Vater Bernd und ihr Onkel Wolfgang Hillebrand bleiben vorerst Eigentümer und Geschäftsführer, während die Anteile und die operative Verantwortung schrittweise an sie übergehen sollen. Zusätzlich bereiten sich auch weitere Familienmitglieder aus der nächsten Generation auf künftige Rollen im Haus vor.
Der Schritt ins Familienunternehmen stand zunächst nicht auf Hillebrands Plan. „Ich wollte meinen eigenen Weg selbst finden, und genau deshalb ist er heute der richtige“, sagt Hillebrand. Also studierte sie erst Wirtschaftspsychologie und Entrepreneurship in Salzburg, sammelte Erfahrungen in Politik, Marketing und Medien und arbeitete schließlich in Wien in der Projektentwicklung und der Energiewirtschaft. Nach sieben Jahren in der Hauptstadt wurde ihr dann klar, dass sie im eigenen Familienunternehmen mehr gestalten kann als Gebäude: „Da hat bei mir das Wort Verantwortung geklingelt“, erzählt sie.
Ich möchte, dass wir heute das Bestmögliche tun, um etwas zu hinterlassen.
Valerie Hillebrand
Wie Hillebrand Führung versteht, zeigte sich in den letzten Monaten. Anfangs führte sie täglich mehrere Gespräche, um die Organisation und die Arbeit der einzelnen Unternehmensbereiche kennenzulernen. Ihr ging es darum, zuzuhören, statt vorschnell Veränderungen anzustoßen. „Veränderung löst auch Angst aus“, sagt sie. „Du kannst die fachlich beste Person sein, aber wenn du die Menschen nicht an Bord hast, steht niemand zu dir, wenn es schwierig wird“, so Hillebrand, die zeitnah in die Geschäftsführung eintritt und zusätzlich durch ein Management Board im Haus unterstützt wird.
Menschlichkeit und wirtschaftliche Verantwortung gehen für sie Hand in Hand: „Am Ende des Monats müssen die Löhne bezahlt sein, wir dürfen keine Existenzen bedrohen“, sagt Hillebrand. Neue Ideen dürften deshalb das Kerngeschäft nicht existenziell gefährden. Innovationsprojekte müssten vielmehr „ein wesentliches Zusatzrad sein, das sich mitdreht“, erklärt Hillebrand. Derzeit läuft ein großes Digitalisierungsprojekt, geleitet von ihrem Bruder David, der auch die Stabsstelle Innovation verantwortet. „Innovation verlierst du, wenn du sie in ein eigenes Silo abstellst“, sagt Hillebrand. 2027 soll zudem eine Nachhaltigkeitsstrategie folgen. „Nachhaltigkeit ist eine unternehmerische Notwendigkeit, ein wirtschaftlicher Treiber“, sagt sie. „In den letzten Jahren ist das Wort oft für reine Imagezwecke verwendet worden. Die Empowering Consumers Directive, EmpCo, zwingt uns jetzt, im Wording sauberer zu werden.“
Außerdem ist Hillebrand davon überzeugt, dass Bau und Energie nicht getrennt gedacht werden dürfen. „Man muss die Energie aus der Immobilie heraus denken und die Immobilie aus der Energie“, erklärt Hillebrand. Ein Beispiel aus dem eigenen Unternehmen ist eine 480 Quadratmeter große Photovoltaikanlage, die Strom für betriebseigene Liegenschaften in Großgmain liefert.
Zu den größten Nachhaltigkeitsprojekten von Hillebrand zählt „Das Limberg“ in Zell am See – rund 180 Wohnungen, die größtenteils über Biomasse versorgt werden, schaffen lebenswerten Wohnraum. Ein Grund, sich zurückzulehnen, sei das jedoch nicht: „Wir haben einen langen Weg vor uns. Wir arbeiten daran, mehr von den Dingen zu machen, die aus unserer Sicht richtig und ehrlich sind“, sagt Hillebrand. Ziel sei es, vollständig energieautark zu werden.
Auch beim Wohnen stellt die angehende Geschäftsführerin gängige Geschäftsmodelle infrage: Immer mehr Menschen könnten sich das Wohnen kaum leisten, während Einsamkeit zu einem gesellschaftlichen Problem werde. „Es wird immer Menschen geben, die genug Geld für Luxusobjekte haben. Aber sind das wirklich ausschließlich die Zielgruppen, die wir bedienen wollen?“, fragt sie sich. Statt von leistbarem Wohnen spricht Hillebrand lieber von leistbarem Leben: Gemeint sind Quartiere, die unterschiedliche Lebens- und Arbeitsformen zusammenbringen und Begegnungszonen sowie eine funktionierende Infrastruktur bieten. Hillebrand sieht das als gesellschaftliche Aufgabe, wofür man sich früh mit wesentlichen Akteuren wie Gemeinden, Investoren und Politik austauschen sollte. „Ich möchte, dass wir heute das Bestmögliche tun, um etwas zu hinterlassen. Große Visionen sind keine Utopie“, sagt Hillebrand.
Foto: Andrew Phelps