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Der Boom rund um künstliche Intelligenz schafft Vermögen in hohem Tempo. Auf der Forbes Billionaires List 2026 stehen mindestens 86 KI-Milliardäre – 45 davon sind erst im vergangenen Jahr neu dazugekommen.
Künstliche Intelligenz verändert nicht nur Geschäftsmodelle, sondern auch die Vermögensverteilung im Technologiesektor. Laut Forbes kommen die KI-Milliardäre auf der Billionaires List 2026 gemeinsam auf ein geschätztes Vermögen von 2,9 Bio. US-$. Allein 45 Personen schafften im vergangenen Jahr erstmals den Sprung in den Milliardärsclub.
Der Hintergrund ist eine Bewertungswelle, die weite Teile der Branche erfasst hat. OpenAI wurde im Zuge einer Finanzierungsrunde mit 840 Mrd. US-$ bewertet, Anthropic mit 380 Mrd. US-$, xAI im Zuge der Übernahme durch SpaceX mit 250 Mrd. US-$. Auch Unternehmen mit vergleichsweise geringen Umsätzen oder noch unbewiesener Profitabilität erreichen inzwischen Bewertungen im zweistelligen Milliardenbereich.
Der reichste neue KI-Milliardär ist Edwin Chen, Gründer von Surge AI. Forbes schätzt sein Vermögen auf 18 Mrd. US-$. Das Unternehmen ist auf Datenlabeling spezialisiert – also auf die Aufbereitung jener Daten, mit denen KI-Modelle trainiert werden. Chen profitierte besonders davon, dass er weitgehend auf klassisches Venture Capital verzichtete und mehr als 75 % an Surge AI hielt.
Auf ihn folgen Liu Debing, Mitgründer und Chairman des chinesischen KI-Unternehmens Z.ai, mit geschätzten 9,1 Mrd. US-$, sowie Daniel Nadler von OpenEvidence mit 7,6 Mrd. US-$. OpenEvidence entwickelt eine KI-gestützte Suchmaschine für Ärzte und zeigt damit, dass der KI-Boom nicht nur bei großen Sprachmodellen, sondern zunehmend auch bei spezialisierten Anwendungen Vermögen schafft.
Ein Teil der neuen Milliardäre kommt aus Unternehmen, die Basismodelle entwickeln. Dazu zählen Z.ai, MiniMax, ElevenLabs und Mistral. Andere profitieren vom wachsenden Bedarf an hochwertigen Trainingsdaten, etwa Surge AI, Scale AI und Mercor. Besonders auffällig ist auch der Aufstieg von KI-Softwarefirmen und Coding-Tools: Cursor, Perplexity, Harness, Lovable, Sierra und Cognition zählen zu jenen Unternehmen, deren Gründer durch den aktuellen Marktzyklus zu Milliardären wurden.
Daneben entstehen neue Vermögen in Branchen, die nicht klassisch als KI-Sektor gelten. Applied Intuition entwickelt Software für Fahrzeuge und autonome Systeme, OpenEvidence adressiert den Medizinbereich, Anduril und Helsing stehen für den Einsatz von KI in der Verteidigungstechnologie. Auch die Infrastruktur hinter der KI-Welle schafft neue Gewinner: Rechenzentren, Chips, Energieversorgung und Spezialkomponenten werden zu zentralen Engpässen – und damit zu lukrativen Märkten.
Insgesamt zählt Forbes 2026 468 Tech-Milliardäre mit einem gemeinsamen Vermögen von 4,8 Bio. US-$. Das sind 1,1 Bio. US-$ mehr als im Vorjahr. Zu den größten Profiteuren zählen Elon Musk, die Google-Mitgründer Larry Page und Sergey Brin sowie Nvidia-CEO Jensen Huang.
Ob diese Bewertungen dauerhaft halten, ist offen. Anders als in früheren Technologiezyklen werden viele der höchsten Bewertungen derzeit nicht an öffentlichen Börsen, sondern von privaten Investoren gesetzt. Das erhöht die Unsicherheit. Erste Risse sind bereits sichtbar: CoreWeave notierte deutlich unter früheren Höchstständen, Oracle-Mitgründer Larry Ellison verlor seit September fast 200 Mrd. US-$ an geschätztem Vermögen, und die Mitgründer des Nuklear-Start-ups Oklo fielen nach einem starken Kursrückgang wieder aus dem Milliardärsclub.
Trotzdem bleibt der Trend vorerst intakt. KI ist nicht mehr nur ein Thema für Forschungslabore oder Softwarekonzerne. Sie wird zur Infrastrukturfrage, zur Kapitalmarktstory und zum Vermögensmotor. Die entscheidende Frage für viele dieser Unternehmen wird sein, ob sie ihre hohen Bewertungen in belastbare Geschäftsmodelle übersetzen können.
Text: Phoebe Liu
Foto: illustration von Neil Jamieson für Forbes