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Vom kleinen Mittelständler für Ladetechnik zum Infrastrukturanbieter: Frank Steinbacher hat mit eLoaded auf Gleichstrom gesetzt und die Energieversorgung ganzheitlich gedacht. Damit wächst das Unternehmen in einem Markt, den viele Wettbewerber bereits verlassen mussten. Denn aus Strom wird im DC-Netz der eLoaded nicht nur Mobilität, sondern Wärme, Kälte, Kraft für Maschinen – alles, was die Menschheit in Zukunft antreibt.
2020 nannte Forbes seine Vision eine „revolutionäre Wette“: Gleichstrom statt Wechselstrom, regional statt zentral, ein Energiesystem für Mobilität, Wärmeerzeugung und Industrie zugleich. Damals zählte eLoaded zwölf Mitarbeiter und rund 1 Mio. € Umsatz. Heute liegt der Jahresumsatz bei 15 bis 20 Mio. €, und das in einem Markt, den viele Anbieter bereits verlassen mussten. „Wir sind eines der wenigen Unternehmen, die sich im Bereich der Ladeinfrastruktur einen Platz sichern konnten, gerade auch gegenüber asiatischen Anbietern“, sagt Frank Steinbacher, Gründer und CEO. Geglückt ist das ohne Fremdkapital und ohne Investoren.
Die Grundidee ist unverändert: Immer mehr Erzeuger und Verbraucher arbeiten von Haus aus mit Gleichstrom, von Solaranlagen und Batteriespeichern bis zum E-Auto. Im Wechselstromnetz muss die Energie dafür mehrfach umgewandelt werden. Je nach Standort spare ein Gleichstromnetz (DC-Netz) laut eLoaded mindestens 15 bis 25 % Energie, brauche rund 20-mal weniger Kabelmaterial und könne die bereitzustellende Leistung oft halbieren.
Aus dieser Idee hat das Unternehmen ein Ökosystem gebaut. Herzstück ist ein selbst entwickelter Gleichstromtrafo, der direkt am 10- oder 20-Kilovolt-Verteilnetz andockt und öffentliches Netz und die Kundenanlage an einer klaren Schnittstelle trennt. Dahinter lassen sich auf einem Areal Megawatt an Leistung verteilen, ohne Mittelspannungsstationen und AC-Unternetze. Dazu kommt Ladetechnik, die laut Steinbacher als einzige am Markt bereits Spannungen bis 1.250 Volt für das Megawatt-Charging liefert, sowie Anlagen, die die Abwärme beim Laden für Heizung, Warmwasser oder Kühlung nutzbar machen. „Ob das Megawatt in die Mobilität, in Wärme oder Kälte oder in die Industrie fließt, ist vollkommen egal“, sagt der CEO. Die Plattformlösung funktioniere überall, nicht nur in Europa. „Das ist das Problem, dem wir uns in den letzten zehn Jahren angenommen haben und, würde ich behaupten, gelöst haben.“
Die Zukunft wird nur noch aus Strom bestehen.
Frank Steinbacher
Wie belastbar das ist, zeigen die Referenzen: Für den Münchner Flughafen hat eLoaded zwei Gleichstrom-Energienetze aufgebaut, für Hafenanlagen entstehen derzeit ähnliche Lösungen. Wer kritische, resiliente Energieinfrastruktur bauen wolle, komme am DC-Netz kaum vorbei, sagt Steinbacher. Wenn Mobilität und künftig auch Wärme und Kälte am Strom hängen, sei das schließlich der Kern der Wertschöpfung.
Den größten Sprung bringt ein Auftrag mit der Strabag. Gemeinsam erhielten beide Unternehmen den Zuschlag für das Lkw-Ladenetz des Bundes an den unbewirtschafteten Rastanlagen entlang der Bundesfernstraßen in Süddeutschland, von Bayern und Baden-Württemberg über Teile Hessens und Nordrhein-Westfalens bis ins Saarland. Das Auftragsvolumen liegt bei rund 250 Mio. €. Für den Bau bleiben dreieinhalb Jahre, danach betreibt die gemeinsame Gesellschaft R:Loaded die Standorte mindestens zehn Jahre für den Staat. Der Umsatz wird dadurch einen Riesensprung machen, so Steinbacher.
Als Blueprint für alle weiteren Standorte gilt weiterhin Zusmarshausen. Im bayerischen Innovationspark Sortimo hatte eLoaded ein Energiequartier mit einem der größten Schnellladeparks für E-Autos aufgebaut, ausgelegt auf 144 Ladesäulen. Seit 2021 läuft der Betrieb, und leistungsmäßig übertreffe der Standort noch immer vieles, was heute neu geplant werde. Andere Anlagen mussten bereits überplant und erweitert und ganze Ladehardware und deren Verkabelung ersetzt werden, da sie nicht skalierbar war in Leistung. „Für uns ist es immer noch ein Showcase, wo wir jeden gerne hinführen“, sagt der CEO.
Im Wandel des Energiemarkts sieht Steinbacher besonders für den ländlichen Raum eine Chance: Dezentrale Energieinfrastruktur lasse sich dort leichter aufbauen, Regionen könnten Energie für Einwohner, Mobilität und Industrie günstiger bereitstellen und so die Wertschöpfung vor Ort halten. Auch im öffentlichen Nahverkehr führt an Strom kein Weg vorbei, so der Unternehmer: „Die Elektrifizierung im ÖPNV ist unaufhaltbar, sie ist EU-technisch vorgeschrieben.“ Entscheidend sei, sie sinnvoll umzusetzen, etwa indem Energie- und Tiefbau zusammengedacht werden. Bei Kabeltrassen lasse sich auf diese Weise viel Geld sparen. In Städten setzen Betreiber zunehmend auf Microgrids, die sie unabhängiger vom vorgelagerten Netz machen, die Energienetze werden dort eher in die Vertikale gedacht: In Asien realisiert eLoaded erste Projekte, bei denen drei Megawatt über zwei Kabel durch ein Hochhaus geführt werden – demonstriert und im Einsatz bereits an der BMW Welt in München.
Der Blick geht über Europa hinaus. Mit der Umstellung der Netze wird Energie kein lokales Produkt mehr sein, ist Steinbacher überzeugt: Gleichstromtrassen verbinden Regionen über Zeitzonen hinweg, künftig komme Energie für Europa auch aus Afrika, den arabischen Ländern und Asien. Für Saudi-Arabien hat eLoaded bereits ein Konzept erarbeitet. „Das, was heute die Ölpipelines sind, die von den arabischen Ländern nach Europa führen, werden in Zukunft die Stromtrassen sein.“ Oder, wie er es zuspitzt: „Die Zukunft wird nur noch aus Strom bestehen.“ Die Wette von 2020 scheint aufzugehen.
Foto: GermanDesignAward