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Compliance ist kein Backoffice-Thema mehr. Mit DORA, verschärftem Geldwäscherecht und akutem Fachkräftemangel wird Regulatorik zum Vorstandsthema – und für viele Institute zum Wachstumsrisiko. Outsourcing-Lösungen für Interne Revision und Compliance verschieben die Frage von Inhouse oder gar nicht zu: Welcher Funktionsmix trägt unser Geschäftsmodell?
Der Finanzsektor hat ein neues Kostenproblem: Kontrolle. Was lange als interne Pflichtfunktion galt, ist heute ein hochreguliertes, personalintensives und haftungsrelevantes Managementthema. Banken, Asset Manager, Zahlungsinstitute und Fintechs stehen im DACH-Raum vor einer Regulierungsdichte, die sich kaum noch nebenbei bewältigen lässt.
Mit der DORA-Verordnung gelten seit Jänner 2025 strengere Anforderungen an digitale operationale Resilienz, IKT-Risikomanagement und Drittanbietersteuerung. Parallel werden Geldwäscheprävention, Sanktionen, Auslagerungen und Governance stärker geprüft. Für Vorstände und Geschäftsführer bedeutet das: Compliance ist kein Backoffice-Thema mehr, sondern Teil der Unternehmenssteuerung.
Gleichzeitig verschärft sich der Fachkräftemangel. Erfahrene Compliance-Officer, Revisoren und Spezialisten für regulatorische Vorgaben sind auf dem österreichischen und deutschen Arbeitsmarkt schwer zu finden. Besonders kleinere Institute, spezialisierte Asset Manager, Zahlungsdienstleister und Fintechs konkurrieren mit Großbanken, Beratungshäusern und internationalen Konzernen um dieselben Profile.
Damit wird Regulierung zum Wachstumsrisiko. Neue Produkte, Märkte oder Geschäftsmodelle lassen sich nur dann skalieren, wenn die Kontrollfunktionen mithalten. Wer Compliance erst nachzieht, wenn das Geschäft bereits wächst, baut operative Schulden auf. Diese können später teuer werden – durch Prüfungsfeststellungen, Sonderprojekte, externe Gutachten oder aufsichtsrechtliche Maßnahmen.
Mittlerweile werden Interne Revision und Compliance nicht mehr ausschließlich als klassische Inhouse-Strukturen gedacht. Immer mehr Institute prüfen, welche Aufgaben intern bleiben müssen, wo Co-Sourcing sinnvoll ist und welche Funktionen rechtlich zulässig an externe Spezialisten vergeben werden können.
Der Begriff „Compliance as a Service“ beschreibt diesen Wandel nur teilweise. Denn Verantwortung lässt sich nicht auslagern. Diese bleibt bei Geschäftsleitung und Aufsichtsorganen. Was externe Anbieter leisten können, ist etwas anderes: Sie bringen Fachwissen, Kapazität, Prüfungserfahrung und regulatorische Methodik in eine Organisation, ohne dass diese dauerhaft große interne Abteilungen aufbauen muss.
Der wirtschaftliche Hebel ist klar. Statt hoher Fixkosten für Recruiting, Gehälter, Weiterbildung, Tools und Vertretungsregelungen entstehen planbare Kostenmodelle. Leistungen können laufend, projektbezogen oder im Rahmen eines strukturierten Outsourcings erbracht werden. Für das Top-Management bedeutet das Entlastung – und mehr Fokus auf Kerngeschäft, Produktentwicklung, Vertrieb und Wachstum.
Entscheidend bleibt die saubere Steuerung. Auslagerungsverträge, Berichtslinien, Prüfungsrechte, Eskalationsprozesse und Qualitätskontrollen müssen klar definiert sein. Die Aufsicht erwartet, dass Institute ihre Dienstleister verstehen, überwachen und deren Arbeit in die eigene Risikosteuerung einbinden. Outsourcing ersetzt daher keine Governance. Richtig eingesetzt, macht es sie belastbarer.
Für den Finanzplatz Österreich ist das ein strategisches Thema. Gerade kleinere und mittlere Institute brauchen professionelle Kontrollfunktionen, ohne ihre Organisation zu überfrachten. Eine schlanke Struktur mit interner Verantwortung und externer Expertise kann hier zum Wettbewerbsvorteil werden.
Wer Compliance und Interne Revision nur als Kostenstelle betrachtet, reagiert spät. Wer sie als skalierbare Infrastruktur versteht, schafft die Grundlage für Wachstum, Vertrauen und regulatorische Stabilität.
Foto: Robert Anasch
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