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Onlinehandel wächst, doch das Geschäft wird anspruchsvoller. Retouren, Plattformmacht, Regulierung und steigende Marketingkosten machen deutlich: Wer im E-Commerce profitabel skalieren will, braucht mehr als einen funktionierenden Webshop.
Der Onlinehandel ist erwachsen geworden. Was früher als digitaler Zusatzkanal galt, ist heute ein komplexes System aus Technologie, Logistik, Daten, Marketing, Payment und rechtlicher Absicherung. In Österreich stiegen die Ausgaben im Distanzhandel 2025 laut Handelsverband um 14 % auf 12,5 Mrd. €. Gleichzeitig kletterte die Retourenquote auf 44 % – gemeint ist der Anteil der Käufer, die zumindest einen Teil ihrer Bestellung zurückschicken. Wachstum allein ist damit kein Erfolgskriterium mehr. Entscheidend ist, ob aus Umsatz auch Marge wird.
Genau hier entsteht ein Markt, der oft unterschätzt wird: E-Commerce Dienstleistungen. Gemeint ist nicht nur die technische Umsetzung eines Shops. Der eigentliche Wert liegt im laufenden Betrieb. Produktdaten müssen sauber gepflegt, Kampagnen effizient gesteuert, Lagerbestände richtig geplant, Zahlungen reibungslos abgewickelt und Retouren möglichst früh reduziert werden. Der Webshop ist nur die sichtbare Oberfläche. Das Geschäft entsteht dahinter.
Auch die Unternehmensdaten zeigen, wie stark E-Commerce inzwischen in der Breite angekommen ist. Laut Statistik Austria verkauften 2023 rund 31 % der österreichischen Unternehmen Waren oder Dienstleistungen über Websites, Apps, Online-Marktplätze oder elektronische Datenaustauschsysteme. Im Schnitt erwirtschafteten Unternehmen fast ein Fünftel ihres Gesamtumsatzes über E-Commerce. Damit wird digitaler Vertrieb nicht mehr nur für Handelskonzerne relevant, sondern auch für Mittelstand, Industrie, Dienstleister und spezialisierte Nischenanbieter.
Die zentrale Frage hat sich dadurch verschoben. Früher ging es darum, überhaupt online sichtbar zu sein. Heute geht es darum, profitabel zu wachsen. Wer zu viel für neue Kunden zahlt, zu langsam liefert, schlechte Produktseiten hat oder Rücksendungen nicht steuert, verliert Geld – selbst bei steigenden Bestellungen. E-Commerce wird damit weniger zu einem reinen Vertriebskanal, sondern zu einer operativen Disziplin.
Besonders deutlich wird das auf Marktplätzen. In Österreich dominiert Amazon den Onlinehandel wie kaum ein anderer Anbieter: Laut Handelsverband und ECDB laufen mit einem Bruttowarenwert von 4,3 Mrd. € mehr als 40 % aller Online-Ausgaben heimischer Konsumenten über die Plattform. Nur rund ein Drittel davon entfällt auf das eigene Warenangebot von Amazon.de; zwei Drittel gehen an Marken und Händler, die über den Marketplace verkaufen. Für viele Unternehmen ist Amazon damit nicht nur Konkurrent, sondern zugleich Vertriebsinfrastruktur.
Das erhöht den Druck auf Händler. Wer über Plattformen verkauft, muss Suchlogiken, Bewertungen, Preissteuerung, Versandstandards und Werbesysteme verstehen. Wer unabhängig bleiben will, braucht eine eigene Marke, direkte Kundenbeziehungen und belastbare Daten. In beiden Fällen steigt der Bedarf an spezialisierten Dienstleistern – von SEO und Performance-Marketing über Fulfillment bis zu Marketplace-Management und Conversion-Optimierung.
Hinzu kommt Regulierung. Seit Februar 2024 gilt der Digital Services Act für Online-Plattformen und digitale Vermittler in der EU. Die Regeln sollen das Online-Umfeld sicherer, fairer und transparenter machen. Seit Dezember 2024 gilt zudem die neue EU-Produktsicherheitsverordnung GPSR, die Anforderungen an Produktsicherheit und Informationspflichten im Onlinehandel verschärft. Für Händler und Marktplätze wird Compliance damit vom Randthema zum Wettbewerbsfaktor.
Auch Künstliche Intelligenz verändert den Markt. Produktbeschreibungen, Suchfunktionen, Kundenservice, Kampagnensteuerung und Preislogik lassen sich zunehmend automatisieren. Doch KI ersetzt keine sauberen Prozesse. Sie verstärkt vor allem Unternehmen, die bereits strukturierte Daten, klare Verantwortlichkeiten und funktionierende Systeme haben. Für Dienstleister entsteht dadurch ein neuer Beratungsmarkt: nicht KI als Schlagwort, sondern Automatisierung dort, wo sie Kosten senkt, Geschwindigkeit erhöht oder Conversion verbessert.
Die attraktivste Position liegt deshalb nicht im einmaligen Shop-Projekt, sondern im wiederkehrenden Betrieb. Agenturen, Technologieanbieter, Fulfillment-Spezialisten, Payment-Dienstleister und Datenberater können langfristige Erlösmodelle aufbauen, wenn sie messbar zum Wachstum beitragen. Besonders interessant sind Bereiche mit hoher Komplexität: regulierte Märkte, B2B-Commerce, Cross-Border-Vertrieb, Premiumsegmente oder Händler, die sich unabhängiger von großen Plattformen machen wollen.
Für Unternehmen ist die Schlussfolgerung klar: E-Commerce-Dienstleistungen sind keine austauschbare Kostenstelle mehr. Sie sind Infrastruktur. Wer online verkaufen will, braucht nicht nur Reichweite, sondern ein System, das aus Traffic Umsatz, aus Umsatz Marge und aus Kundenbindung Wiederkäufe macht. Der nächste Gewinner im Onlinehandel ist daher nicht zwingend der Anbieter mit dem schönsten Shop – sondern jener, der die beste Maschine dahinter baut.
Foto: John
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