EIN ABO AUF SCHÖNES WOHNEN

Jeder soll schön wohnen können – das findet zumindest Carlo Badini. Sein Start-up Pabio bietet als erstes Unternehmen Europas Möbel via Abo-Modell an; ein Einrichtungskonzept vom Profi gibt es obendrein. Bei Pabio ist man überzeugt, auf diese Art vor allem junge Kunden sehr gut erreichen zu können.

„Warum sehen diese Wohnungen bloß alle so schrecklich aus?“, dachte sich Carlo Badini 2019, als er gerade wieder einen Besuch bei Freunden hinter sich hatte. In der Wohnung reihten sich Möbel der diversesten Marken und Stile aneinander, bunt durcheinandergewürfelt und gemischt. Alle erfüllten zwar zweifellos ihren Zweck, doch von Ästhetik oder gar einem einheitlichen Stil war keine Spur. Badini, der sieben Jahre lang die von ihm gegründete Designagentur Cleverclip leitete, hat ein Auge für solche Dinge. Die Führung dieses Unternehmens hatte er damals gerade abgegeben und war auf der Suche nach einer neuen unternehmerischen Idee. Genaue Vorstellungen hatte er anfangs keine, nur mit Design sollte es wieder etwas zu tun haben. Badini besuchte in dieser Zeit viele Freunde, traf Bekannte auf einen Kaffeeplausch oder ein gemütliches Essen. Die „explorative Phase“ nennt er diese Monate heute; er „wollte herausfinden, wo der Schuh drückt, wo sich Möglichkeiten auftun“.

Also fing er an, seine Bekannten zu fragen, warum ihre Einrichtung so ist, wie sie ist. Nach wiederholtem Nachfragen kristallisierten sich schließlich Gründe heraus. Es lag keineswegs an fehlendem Sinn für Ästhetik oder gar mangelndem Interesse an schönerem Wohnen – vielmehr waren die hohen Kosten für bessere Möbel und die Tatsache, dass viele der Wohnungen nur gemietet waren, die Hauptgründe. Für drei oder vier Jahre will sich niemand eine teure, hochwertige Einrichtung anschaffen; von der Inanspruchnahme eines Interior Designers ganz zu schweigen.

Genau das möchte Badini ändern: „Man kann auch dann eine tolle Wohnung haben, wenn man nur für drei Jahre mietet.“ Mit seinem Unternehmen Pabio bietet der Schweizer ein Subscription-Modell an, das hochwertige Einrichtungsstücke, professionelle Gestaltung durch einen Innendesigner sowie Lieferung und Aufbau bietet – alles gegen eine monatliche Abogebühr. Aktuell liegt diese Rate irgendwo zwischen 150 und 670 Schweizer Franken, abhängig von der Wohnungsgröße und den ausgewählten Stücken. Die Laufzeit beträgt zwischen einem und fünf Jahren; ähnlich wie bei einem Leasingmodell kann man die Möbel auch aus dem Vertrag herauskaufen. „Unsere Kunden sind meist Millennials, urban, verdienen gut und wollen erstmals etwas besser wohnen“, so Badini.

Das Einrichtungserlebnis ist für Pabios Kunden denkbar simpel und geradlinig: Auf Basis des Grundrisses und des gewünschten Stils wird ein 3D-Modell erstellt und von einem Interior Designer virtuell eingerichtet. Innerhalb von ein bis drei Werktagen liefert Pabio den maßgeschneiderten Einrichtungsvorschlag – der Kunde kann nun im interaktiven Modell seine neue Wohnung „begehen“, sich jeden Raum, jedes Möbelstück ansehen und Stücke bei Bedarf auch auswechseln.

Pabios Modell bietet laut seinem Gründer eine ganze Reihe an Vorteilen. Das meist wenig glamouröse Einkaufserlebnis bei Möbeln wird nun dadurch interessanter, dass man die fertige Wohnung tatsächlich vorab virtuell sehen kann. Man bekommt also einen genauen Eindruck davon, wie die eingerichtete Wohnung aussehen könnte. Zusätzlich werden nur Stücke berücksichtigt, die rasch lieferbar sind, es kommt also zu keinen Wartezeiten. „What you see is what you get“, erklärt Badini. „Es gibt keine bösen Überraschungen.“

Carlo Badini
...gründete 2013 die Designagentur Cleverclip in Bern. 2019 schaffte er es auf die „30 under 30 DACH“-Liste von Forbes. Nachdem er die operative Leitung von Cleverclip abgegeben hatte, gründete er gemeinsam mit Anand Chowdhary das Möbel-Abo-Start-up Pabio.

Badini hat das Unternehmertum im Blut. Gleich nach der Matura gründete er seine erste Firma: Cleverclip, eine digitale Designagentur, wuchs im Laufe der Jahre auf 30 Mitarbeiter heran. 2020 gab er die operative Leitung ab und gründete gemeinsam mit Anand Chowdhary das nächste Unternehmen – Pabio, das damals noch Koj hieß. Badini erhielt den Global Student Entrepreneur Award, war von EY als Unternehmer des Jahres nominiert und schaffte es 2019 auf die Forbes-„30 under 30“-Liste für die deutschsprachige Region.

Das Geschäft mit den Möbeln ist ein großes. Laut dem Datenanbieter Statista beträgt der Umsatz mit Möbelstücken in Europa im Jahr 2021 etwa 230 Milliarden €. Ein Großteil wird von etablierten Playern dominiert, darunter Ikea, XXXLutz oder die dänische Jysk-Gruppe. „Selbst wenn man von diesem Markt nur einen kleinen Teil abschöpft, kann man das nächste Unicorn werden“, rechnet Badini vor.

Der Anteil der Möbelkäufe, die online erfolgen, beträgt in Europa etwa 10 % – in den USA ist er schon doppelt so hoch, so Badini. Dies ist mit ein Grund dafür, dass der Umsatz des Onlinegeschäfts um jährlich rund 17 % steigt. Akteure wie das Münchner Unternehmen Westwing, das sich auf den Onlineverkauf von Möbeln fokussiert und eine Marktkapitalisierung von über 500 Millionen € hat, zeigen, dass durchaus Platz am Markt ist. „Die Customer Journey ist beim Onlinekauf von Möbeln bisher nicht vergleichbar mit beispielsweise Kleidung. Auch der Service ist nicht gut. Hier können wir punkten“, so Badini.

Mit seiner Überzeugung steht er nicht alleine da. Als eines der ersten Schweizer Start-ups reüssierte Pabio mit einer Bewerbung bei Y Combinator. Das kalifornische Gründerzentrum gilt seit über 15 Jahren als anerkannte Instanz der Szene und gab über 3.000 Start-ups Starthilfe, darunter Airbnb oder Dropbox.

Angesichts der Bewerberflut von etwa 10.000 Unternehmen pro Halbjahr und einer Aufnahmequote von nur rund 2 % ist Pabios Freude verständlich. Das Start-up hat nun zu 50 % europäische und zu 50 % US-amerikanische Investoren hinter sich und kann sich voll auf seine Mission fokussieren. Aktuell werden die Services in der Schweiz und in Berlin angeboten. Im kommenden Jahr sollen weitere deutsche Städte folgen, danach ist die Expansion in Nachbarländer geplant.

Text: Silvan Mortazavi
Fotos: Pabio

Dieser Artikel erschien in unserer Ausgabe 9–21 zum Thema „Handel“.

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