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„Personalentscheidungen gehören zu den schwierigsten Entscheidungen in einer Führungsrolle, weil sie Menschen unmittelbar betreffen. Gleichzeitig sind sie immer auch unternehmerische Entscheidungen mit Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit, die Kultur und die Zukunft eines Unternehmens“, sagt Angela Kramer, HR-Leiterin der Merkur Versicherung.
Nach vielen Jahren in der Banken-, Industrie- und Pharmabranche wechselte Angela Kramer vor einem halben Jahr zur Merkur Versicherung. Ihre internationale Erfahrung verbindet sie dabei mit der Überzeugung, dass Personalarbeit verstehen muss, wohin sich ein Unternehmen entwickeln will, und dafür sorgen muss, dass die richtigen Menschen, Kompetenzen und Rahmenbedingungen vorhanden sind. Im Gespräch spricht die Kärntnerin über HR als unternehmerische Gestaltungsfunktion, gute Führung und darüber, warum der Mensch auch im Zeitalter der KI im Mittelpunkt bleibt.
Sie sind seit einem halben Jahr HR-Chefin bei der Merkur Versicherung. Was macht den Reiz an dieser neuen Aufgabe aus?
Angela Kramer (AK): Ich war viele Jahre im Banking, in der Industrie und zuletzt in der Pharmabranche tätig. In einen neuen Bereich zu wechseln und ein großes, regional stark verwurzeltes Versicherungsunternehmen kennenzulernen ist für mich eine spannende Veränderung – und Veränderung ermöglicht Entwicklung. Mich interessiert: Wie entwickelt man eine Organisation weiter? Wie nutzt man das vorhandene Know-how, um das Unternehmen noch stärker zu machen? Die Merkur Versicherung ist die älteste Versicherung Österreichs und gilt als Pionier. Gleichzeitig bietet ihre Größe die Möglichkeit, wirklich zu gestalten.
Sie verstehen HR als unternehmerische Gestaltungsfunktion. Was bedeutet das konkret?
AK: HR ist für mich keine klassische Personalverwaltung, sondern ein integraler und zentraler Teil des Unternehmens. Wir sprechen über Strategie, Organisation, Führung und Kompetenzen; und über die Frage, welche Menschen wir brauchen, um unsere Ziele zu erreichen. HR sollte unternehmerische Entscheidungen mitgestalten – denn letztlich sind es Menschen, die Strategien umsetzen, Innovation vorantreiben und Kunden begeistern. Ich sehe HR als Fundament für ein starkes und gesundes Unternehmen, und gutes Personalmanagement muss einen konkreten Beitrag zum Unternehmenserfolg leisten. Es soll unser Unternehmen leistungsfähiger machen, Kompetenzen für die Zukunft aufbauen und sicherstellen, dass wir unsere strategischen Ziele erreichen können.
Damit wird HR auch zu einer Frage der Unternehmenskultur. Was bedeutet das für die Führung?
AK: Eine gute Führungskraft organisiert und trifft Entscheidungen – eine außergewöhnliche Führungskraft schafft darüber hinaus ein Umfeld, in dem andere Menschen ihr Potenzial entfalten können. Dazu gehören Klarheit, Vertrauen und Feedback – aber es gehört auch die Fähigkeit, unangenehme Entscheidungen zu treffen, dazu. Führung darf nicht nur empathisch sein, sie muss auch konsequent sein. Gerade in Zeiten großer Veränderungen müssen Führungskräfte mehr erklären und Orientierung geben.
Sie betonen Empathie und gleichzeitig Konsequenz. Wie passt das zusammen?
AK: Sehr gut. Empathie bedeutet für mich nicht, jeder Erwartung nachzugeben – Empathie beginnt mit Zuhören und dem ernsthaften Versuch, unterschiedliche Perspektiven zu verstehen. Konsequenz bedeutet, auf dieser Grundlage Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gerade Personalentscheidungen zeigen, dass beides zusammengehört. Sie gehören zu den schwierigsten Entscheidungen einer Führungskraft, weil sie Menschen unmittelbar betreffen. Gleichzeitig sind sie unternehmerische Entscheidungen, die Auswirkungen auf ein ganzes Team und auf die Zukunft einer Organisation haben.
Was erwarten Mitarbeitende heute von einem Arbeitgeber?
AK: Die Erwartungen sind vielfältiger geworden. Menschen wünschen sich sinnvolle Aufgaben, Entwicklungsmöglichkeiten, gute Führung und ein Umfeld, in dem Leistung zählt. Gleichzeitig gilt es, unterschiedliche Lebenssituationen und Vorstellungen miteinander zu verbinden. Unternehmen haben die Verantwortung, gute Rahmenbedingungen zu schaffen. Die Mitarbeitenden wiederum tragen Verantwortung für ihre eigene Leistung und Entwicklung. Eine ausgewogene Arbeitskultur funktioniert nur dann, wenn beide Seiten Verantwortung übernehmen. Das ist für mich ein wichtiger Punkt: Ein Unternehmen kann Entwicklung ermöglichen, aber es kann sie den Mitarbeitenden nicht abnehmen.
Was bedeutet dieser ganzheitliche Blick auf HR aus Kundensicht?
AK: HR wird manchmal zu stark nach innen gedacht. Für mich hat HR immer auch eine Außenwirkung. Die Erfahrungen, die Kunden und Partner mit einem Unternehmen machen, sind wesentlich davon geprägt, wie Mitarbeitende geführt, entwickelt und befähigt werden.
Welche Rolle spielt künstliche Intelligenz dabei? Wird KI die Personalarbeit verändern?
AK: Technologie kann Prozesse erleichtern, Informationen strukturieren und neue Möglichkeiten eröffnen. Was sie nicht ersetzen kann, sind Werte, die Menschen auszeichnen: Empathie, soziale Verantwortung, Vertrauen und echte zwischenmenschliche Beziehungen. Voraussetzung dafür sind der gezielte Aufbau und die kontinuierliche Weiterentwicklung der erforderlichen KI-Kompetenzen der Mitarbeitenden. Diese sollen dazu ermutigt werden, KI bewusst, reflektiert und zielgerichtet einzusetzen, um Innovationen voranzutreiben und nachhaltige Fortschritte im Unternehmen zu erzielen. Bei der Merkur werden Menschen weiterhin mit Menschen sprechen. Gerade in einer Versicherung sind persönliche Gespräche, Vertrauen und das Verständnis individueller Lebenssituationen entscheidend.
Foto: Kanizaj Photography