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Gen Z investiert nicht „wie früher“, sondern wie sie konsumiert: mobil, automatisiert, wiederkehrend. Der ETF Sparplan wird damit zum Finanz-Äquivalent eines Abos – und verändert, wie Broker Geld verdienen, wie Produkte gebaut werden und wie sich Anleger verhalten.
Investieren ist in Österreich stärker in der Breite angekommen – besonders bei Jüngeren. Der UniCredit Bank Austria Finanzmonitor 2025 (Umfrage unter Bankkund:innen) zeigt: 37 % besitzen Wertpapiere (2024: 28 %). Bei den Unter-30-Jährigen sind es 41 %.
Der Treiber dahinter ist weniger der „perfekte Kaufzeitpunkt“ als eine neue Routine. Bei jungen Anleger:innen ist Wertpapier-Sparen das dominante Format: 75 % nutzen es regelmäßig, weitere 19 % wollen starten. Investieren wird damit zur wiederkehrenden Gewohnheit – ähnlich einem Abo, das einmal eingerichtet im Hintergrund läuft.
Dass ETFs dabei eine zentrale Rolle spielen, stützt auch eine Auswertung von flatexDEGIRO auf Basis von Transaktions- und Portfoliodaten von mehr als 3 Millionen Kunden in 16 Ländern: Ende 2024 lagen Aktien bei 55 % des Portfoliovolumens, ETFs bei 40 % – mit einem Shift zugunsten der ETFs. Bei Frauen und jungen Anleger überwiegen ETFs bereits. Und regional interessant: In Österreich ist das Verhältnis zwischen Einzelaktien und ETFs umgekehrt – ETFs liegen vorne.
Für Broker und Emittenten ist das mehr als ein Jugendtrend: Wer die nächste Generation gewinnt, stellt planbare, wiederkehrende Flows sicher. Deshalb werden Sparpläne maximal „friktionsfrei“ gebaut – einfache Einrichtung, Automatisierung, kleine Beträge. Die technische Umsetzung variiert je nach Anbieter: Häufig sind Bruchstücke möglich; je nach Produkt kann die Ausführung über Sammel- bzw. Blockorders laufen oder über den regulären Handelsplatz mit ganzen Stücken.
Parallel verschiebt die Regulierung die Monetarisierung von „kostenlosem“ Trading. In der EU ist Payment for Order Flow (PFOF) grundsätzlich untersagt; Mitgliedstaaten, in denen PFOF vor dem 28. März 2024 bereits verbreitet war, können Wertpapierfirmen für rein inländische Kund:innen bis zum 30. Juni 2026 befristet ausnehmen. Das erhöht den Druck, Erlöse transparenter über Gebühren, Zinsmargen oder Zusatzpakete zu verdienen – statt über Order-Routing-Anreize, die Broker für die Weiterleitung von Kundenorders an bestimmte Handelsplätze vergüten.
Wo „Investieren als App-Experience“ entsteht, wächst aber auch das Risiko von Manipulation und Betrug. Die FMA hat Anfang Jänner 2026 darauf hingewiesen, dass Betrüger 2025 verstärkt mit Deepfakes, WhatsApp-Gruppen und KI-Bots gearbeitet haben. Zusätzlich verweist die Aufsicht auf ein ESMA-Factsheet für Finfluencer, das Mindestanforderungen für verantwortungsvolle Finanzkommunikation zusammenfasst.
Unterm Strich ist „ETF im Abo“ die neue Logik: Nicht der einzelne Kauf steht im Zentrum, sondern ein Set-up, das automatisiert läuft – und organisatorisch nicht gegen einen arbeitet. In Österreich gehört dazu auch die steuerliche Praxis rund um Fondsdaten: Die OeKB nimmt als Meldestelle steuerrelevante Fondsangaben entgegen, veröffentlicht sie auf my.oekb und leitet sie an Banken weiter.
Foto: Viarami
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