Executive Education: Weiterbildung wird Pflicht

Der globale Markt für Führungskräfte-Seminare wächst auf knapp 78 Mrd. US-$ bis 2030. Der EU AI Act zwingt Unternehmen erstmals zur KI-Schulung ihrer Belegschaft. Warum Executive Education 2026 kein Luxus mehr ist – und was Österreichs Entscheider jetzt tun sollten.

Der globale Markt für Executive-Education-Programme erreichte 2025 ein Volumen von rund 50 Mrd. US-$. Marktforschungsberichte prognostizieren bis 2030 ein Wachstum auf knapp 78 Mrd. US-$ – bei einer jährlichen Wachstumsrate von rund 9,7 %. Treiber sind die digitale Transformation, der Fachkräftemangel auf Führungsebene und eine regulatorische Entwicklung, die Unternehmen in der gesamten EU zum Handeln zwingt.

Seit dem 2. Februar 2025 gilt Artikel 4 der europäischen KI-Verordnung – des sogenannten AI Acts. Er verpflichtet sämtliche Unternehmen, die künstliche Intelligenz entwickeln oder einsetzen, sicherzustellen, dass ihr Personal über ausreichende KI-Kompetenz verfügt. Die Regelung unterscheidet nicht nach Branche oder Unternehmensgröße: Selbst wer nur gelegentlich Tools wie ChatGPT oder Microsoft Copilot im Arbeitskontext nutzt, fällt unter die Schulungspflicht. Verstöße sind aktuell nicht direkt bußgeldbewehrt, ziehen jedoch zivilrechtliche Haftungsrisiken nach sich.

Lange galten Executive-Education-Programme als prestigeträchtige Zusatzqualifikation – ein MBA an einer renommierten Business School, absolviert in der zweiten Karrierehälfte. Dieses Bild hat sich grundlegend gewandelt. Die Nachfrage verschiebt sich weg von klassischen Langzeitformaten hin zu modularen, kompakten Programmen, die unmittelbar auf operative Herausforderungen zugeschnitten sind. Alexander Bari, Head of Executive Education an der WU Executive Academy, identifiziert in einer aktuellen Analyse vier zentrale Schwerpunkte, die für Führungskräfte 2026 an Bedeutung gewinnen: Corporate Purpose als strategischer Referenzpunkt, organisationale Resilienz, der souveräne Umgang mit künstlicher Intelligenz und Strategic Foresight als Kernkompetenz für unsichere Zeiten. Entscheidend sei nicht mehr operative Exzellenz allein, sondern die Fähigkeit, Organisationen auch unter instabilen Rahmenbedingungen handlungsfähig zu halten.

Künstliche Intelligenz dominiert die Curricula der führenden Business Schools. Es geht dabei längst nicht nur um die technische Anwendung einzelner Tools, sondern um tiefgreifendere Fragen: Wie verschieben sich Entscheidungslogiken in Organisationen, wenn Algorithmen Empfehlungen aussprechen? Welche Führungskultur braucht es, um Mensch und Maschine in der Wertschöpfung zu verbinden? KI verändert laut WU Executive Academy nicht nur Prozesse, sondern auch Machtverhältnisse und Formen der Zusammenarbeit. Hybride Führung bedeute, technologische Möglichkeiten mit menschlicher Urteilskraft zu verbinden – und bewusst zu entscheiden, was automatisiert werden darf und was nicht. Die WU Executive Academy bietet mit dem Zertifikatskurs „AI Transforming Business" ein praxisnahes Format an, das sich gezielt an Führungskräfte im mittleren Management sowie KMU-Verantwortliche richtet. Im deutschsprachigen Raum positionieren sich weitere Institutionen: Die Frankfurt School of Finance & Management offeriert ein zweitägiges KI-Mindset-Seminar um 1.950 €, die EBS Executive School ein Intensivprogramm ab 2.800 €, die Universität St. Gallen verbindet ihr Kompaktseminar zu KI und Leadership 2026 mit dem jährlichen Leadership-Tag unter dem Leitmotiv „Heartbeat".

Nach dem pandemischen Vollschwenk Richtung Online-Lehre hat sich ein Mittelweg etabliert. Hybridformate, die digitale Module mit Präsenzphasen kombinieren, machen mittlerweile mehr als 40 % aller Executive-Education-Angebote weltweit aus. Asynchrone Lernformate steuern nahezu ein Drittel der gesamten Unterrichtszeit bei. Führungskräfte, die parallel zu einem Vollzeitjob lernen, benötigen maximale Flexibilität. Gleichzeitig bleibt der persönliche Austausch unter Peers ein entscheidendes Differenzierungsmerkmal gegenüber reinen Online-Plattformen.

Maßgeschneiderte Programme – sogenannte Customized Programs – werden voraussichtlich einen Marktanteil von 57 % am gesamten Executive-Education-Segment halten. Unternehmensfinanzierte und individuell zugeschnittene Formate bilden das am schnellsten wachsende Teilsegment. Der Grund: Unternehmen erwarten von Weiterbildungsinvestitionen messbare Ergebnisse. Generische Kurse reichen nicht mehr aus. Gefragt sind Programme, die sich exakt an die strategischen Herausforderungen eines Unternehmens anpassen lassen – ob es um digitale Transformation, ESG-Compliance, interkulturelle Führung oder den Aufbau von KI-Governance-Strukturen geht. Im jüngsten Financial-Times-Ranking für Executive Education (2025) sicherte sich die London Business School den ersten Platz bei offenen Programmen – zum vierten Mal in Folge mit verbesserter Platzierung. Bei maßgeschneiderten Programmen führt das IMD in der Schweiz das Feld an. Michigan Ross wurde als führender Anbieter in den USA ausgezeichnet.

Für Führungskräfte im deutschsprachigen Raum ergeben sich drei strategische Handlungsfelder. Erstens: Die KI-Kompetenzpflicht ist keine abstrakte Regulierung, sondern operative Realität. Unternehmen sollten ein KI-Inventar aller eingesetzten Systeme erstellen, Rollen und Verantwortlichkeiten klären und die bestehenden Kompetenzen ihrer Belegschaft systematisch erfassen. Dokumentation der Schulungsmaßnahmen ist zwar nicht explizit vorgeschrieben, dient aber im Haftungsfall als entscheidende Absicherung. Zweitens: Investitionen in Executive Education sind keine Kostenstelle, sondern Wettbewerbsvorteil. Die Experimentierphase bei KI ist vorbei – 2026 trennt sich, wer die Technologie strategisch nutzt, von jenen, die sie nur als Spielerei betrachten. Drittens: Die Wahl des richtigen Programms entscheidet über den Return on Education. Akkreditierungen, Peer-Qualität, hybride Flexibilität und der Praxistransfer sind die zentralen Bewertungskriterien.

Executive Education[Anzeige] ist 2026 kein Luxusgut mehr – es ist eine strategische Notwendigkeit. Die Kombination aus regulatorischem Druck durch den EU AI Act, dem rasanten Tempo technologischer Veränderungen und einer zunehmend volatilen Weltwirtschaft macht kontinuierliche Führungskräfteentwicklung zum Pflichtprogramm. Österreich verfügt mit der WU Executive Academy über eine international anerkannte Institution vor der Haustür. Die Frage ist nicht mehr, ob sich Weiterbildung lohnt – sondern wie schnell sie umgesetzt wird.

Foto: Kenny Eliason

 

 

 

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