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fiskaly sorgt dafür, dass Kassenbons in ganz Europa fälschungssicher sind – und ist damit zu einem der wichtigsten Compliance-Player des Kontinents gewachsen. Jetzt vollzieht das Wiener Scale-up den nächsten Schritt und stellt sich an der Spitze breiter auf. Mit David Feichter übernimmt ein Mann Verantwortung, der fiskaly von der Kundenseite kennt wie kaum ein Zweiter.
Sieben Jahre nachdem Johannes Ferner, Simon Tragatschnig und Patrick Gaubatz in Wien fiskaly gründeten, steht das Unternehmen an einem Punkt, an dem ein einzelner CEO nicht mehr ausreicht. Das FinTech-Scale-up, das sich der gesetzlich vorgeschriebenen, fälschungssicheren Erfassung und Speicherung von Kassenumsätze und Transaktionen verschrieben hat, holt mit David Feichter einen Co-CEO an Bord. Seit 1. September steht er offiziell an der Spitze gemeinsam mit Gründer Johannes Ferner.
Was fiskaly macht, erklärt Ferner so: Jedes Mal, wenn irgendwo in Europa an einer Kasse bezahlt wird, muss belegbar sein, dass dieser Vorgang tatsächlich so stattgefunden hat und nachträglich nicht mehr manipuliert werden kann. fiskaly liefert genau diesen Beweis – mittlerweile nach acht verschiedenen nationalen Gesetzen, in dem Moment, in dem der Bon gedruckt wird. Die Daten laufen dafür an das Unternehmen als vertrauenswürdige Instanz, werden signiert, gespeichert und im Fall einer Steuerprüfung mit den Voranmeldungen und Kassenbeständen abgeglichen. Was zunächst nach einem schmalen regulatorischen Nischenthema klingt, hat sich zu einem der am stärksten wachsenden Compliance-Felder Europas entwickelt.
Der Ursprung liegt in Deutschland, wo die Kassensicherungsverordnung – verzögert durch mehrere Übergangsfristen – Anbietern erstmals vorschrieb, ihre Kassensysteme fälschungssicher zu machen. fiskaly gehörte zu den wenigen Playern, die früh auf eine cloudbasierte, API-first gebaute Lösung setzten, statt auf Hardware. Darin liegt auch die Erklärung für den steilsten und zugleich härtesten Markteintritt des Unternehmens: Deutschland gilt intern als hochkomplex und hochreguliert – und ist zugleich der stärkste Markt geblieben. Was schwer zu betreten ist, so die Logik dahinter, ist auch schwer zu verlassen.
Bis 2024 finanzierte sich fiskaly nahezu ausschließlich aus eigenem Umsatz. Nach einer kleinen Angel-Runde entschied sich das Gründerteam dafür, aus dem eigenen Cashflow zu wachsen – eine Mentalität, die nach eigenen Angaben bis heute die sogenannte „Rule of 40” deutlich übererfüllt, mit Werten von 50 und mehr. Der Schritt zu einem externen Investor kam nicht aus finanzieller Notwendigkeit, sondern aus dem Wunsch, schneller zu wachsen, als es organisch möglich gewesen wäre. Mit Verdane, einer auf technologiegetriebene Unternehmen spezialisierten europäischen Growth-Equity-Gesellschaft, fand fiskaly einen Partner mit Erfahrung in Skalierung und M&A. Zum Einstiegszeitpunkt lag der Umsatz bei rund 10 Mio. €, etwa 800 B2B-Partnerkunden nutzten die Lösung auf rund 500.000 Kassensystemen.
Seither hat sich diese Zahl fast vervierfacht: fiskaly hat über 1.900 B2B-Kunden, mehr als eine Million angebundene POS-Systeme, ein Team von über 150 Mitarbeitenden aus mehr als 30 Nationen und ist in acht Ländern aktiv – Deutschland, Österreich, Italien, Spanien, Frankreich, Portugal, Schweden und Belgien. Zwei Übernahmen trugen wesentlich dazu bei: die des deutschen Marktbegleiters, der Deutschen Fiskal GmbH, einer Tochter der GK Software SE, sowie jene von Infrasec Sweden AB, dem führenden cloudbasierten Fiskalisierungsanbieter Schwedens. Das Wachstum von 60 % im Jahresvergleich, das fiskaly zuletzt auswies, gelang dabei laut Unternehmen überwiegend organisch. Die Zukäufe dienten eher dazu, Zeit, Marktzugang und regulatorisches Know-how einzukaufen, nicht Umsatz, so die Co-CEOs.
Mit wachsender Größe, so beschreibt es Ferner, hätten sich immer mehr Entscheidungen an der Unternehmensspitze gebündelt – parallel zu Akquisitionen, neuen Markteintritten und einem Team, das in wenigen Jahren von einer Handvoll Menschen auf über 150 gewachsen ist. Die Fragen, mit denen sich ein CEO an einem einzigen Tag beschäftigt, sollten auf mehr Schultern verteilt werden, sagt er – und beschreibt das Co-CEO-Modell als Antwort auf diese Wachstumsphase. „Sich die Rolle des CEO zu teilen, ist eine strategische Entscheidung, die es uns ermöglicht, unsere sich ergänzenden Stärken optimal zu nutzen und das Wachstum fokussierter und strukturierter zu beschleunigen", sagt Ferner dazu. „Das ist ein Erfolg, auf den ich besonders stolz bin – ein Beweis dafür, dass in Österreich gemachtes Wachstum nach wie vor möglich ist."
„fiskaly hat sich eine starke Position im Bereich Transaction Compliance erarbeitet und das Ausmaß der Marktchance aufgezeigt", sagt Feichter zu seinem Antritt. „Unser Ziel ist es, diese Führungsposition weiter auszubauen und zu definieren, wohin sich die Kategorie als Nächstes entwickelt."
Für die Rolle wählte fiskaly einen Mann, der das Unternehmen von der anderen Seite des Tisches kennt. David Feichter war als Produktverantwortlicher beim Kassenanbieter orderbird – fiskalys erstem Kunden überhaupt – über Jahre selbst auf der Seite jener, die von den Lösungen des Scale-ups abhängig waren. Zuvor hatte er unter anderem beim US-Konzern NCR sowie beim Zahlungsdienstleister Clover in San Francisco Erfahrung im internationalen POS- und FinTech-Geschäft gesammelt. Die vertrauensvolle Basis zwischen ihm und Ferner sei über Jahre gewachsen, betonen beide. Sie ist nicht erst in einem klassischen Auswahlprozess entstanden. „Ich war ja der erste Kunde von fiskaly, damit auch der Erste, der sich beschwert hat, wenn es Probleme gab", erinnert sich Feichter mit einem Lachen. „Jetzt kann ich die Lösung sein."
Eine klare Aufteilung der Verantwortlichkeiten ist beiden wichtig: Ferner konzentriert sich auf strategische Weichenstellungen, internationale Partnerschaften, M&A und die externe Repräsentation des Unternehmens einschließlich Investor Relations. Feichter verantwortet den operativen Betrieb und die Skalierung der Organisation – die Frage, wie aus einer Vision der nächsten fünf Jahre konkrete Meilensteine im kommenden Quartal werden. Offiziell im Amt ist Feichter seit 1. September, inoffiziell arbeiten beide seit rund einem halben Jahr eng zusammen und stellten das Modell dem Team bereits im Sommer vor.
Der Blick nach vorne bleibt ambitioniert. fiskaly baut derzeit mit E-Invoicing ein zweites Standbein neben der klassischen Fiskalisierung an der Ladenkasse auf, um Kunden auch im E-Commerce und Omnichannel-Handel abzudecken. Parallel dazu bleibt das Unternehmen aktiv auf Akquisitionssuche, systematisch entlang des europäischen Marktes, mit dem Ziel, in jedem neuen Land die Marktführerschaft zu erreichen, wie es in Portugal bereits gelungen ist. Der Blick über Europa hinaus ist Teil der Vision, die Ferner und Leichter für fiskaly teilen. Für Ferner ist die Ernennung eines Co-CEO auch ein Statement, das über das eigene Unternehmen hinausreicht: ein Beleg dafür, dass in Österreich gebautes Wachstum nach wie vor möglich ist.
Fotos: David Feichter