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Katharina Kreutzer kam 2023 mit dem Mehrwegverpackungs-Start-up Boomerang auf die Forbes 30 Under 30-Liste. Mittlerweile hat sie ein neues Unternehmen mitbegründet: Muvn, eine Transportplattform, die freie Kapazitäten in Fahrzeugen nutzbar macht.
Muvn soll Mitfahrgelegenheiten für Gegenstände vermitteln. Privatpersonen, die ohnehin von A nach B fahren, bieten über die Plattform freie Kapazitäten in ihren Fahrzeugen an. Auf der anderen Seite stehen Versender mit sperrigen Gegenständen, die nicht in ein klassisches Paket passen – Möbelstücke, Fahrräder, Autoteile. Laut Kreutzer kann Muvn bis zu 80 % günstiger sein als herkömmliche Logistiker. Die Fahrer erhalten den vollen Transportpreis, Muvn verdient über eine Pauschale von 3 € pro Auftrag plus eine Vermittlungsgebühr von 8 %. Alle Fahrten sind versicherbar. Innerhalb der Branche werden solche Einzeltransporte von Stückgut mitunter als „Unkraut der Logistik“ bezeichnet – niemand will sie übernehmen, erzählt Kreutzer. Genau diese Lücke will Muvn schließen.
Muvn ist seit April 2025 am Markt und verzeichnet rund 85.000 App-Downloads und 15.000 monatlich aktive Nutzer. Auf der Plattform werden aktuell 400 bis 500 Transporte pro Monat abgewickelt, sagt die Gründerin Katharina Kreutzer. Seit kurzem ist außerdem Muvn Pro live – ein Angebot für professionelle Logistikunternehmen. Knapp 180 Spediteure und Logistiker sind bereits Teil des Netzwerks, rund 10 % aller Fahrten gehen in europäische Nachbarländer. Kooperationen bestehen unter anderem mit Hertz, Movacar und Arndt Mobility.
Wie ist es dazu gekommen? Als Kreutzer vor einigen Jahren von Regensburg nach Hamburg zog, merkte sie, dass es keine einfache Möglichkeit gab, einzelne Gegenstände über diese Distanz zu transportieren. Die Angebote von Speditionen waren teuer und aufwändig. Am Ende organisierte sie den Umzug, indem sie Freunden, die ohnehin zwischen den Städten pendelten, die Autos vollpackte und sie dafür zum Essen einlud. Doch die Idee blieb zunächst in der Schublade: Kreutzer war mit Boomerang beschäftigt, einem Start-up, das im E-Commerce Einwegverpackungen durch eine Mehrwegalternative ersetzt, wo sie als CPO die Produktentwicklung verantwortete. Anfang 2024 zog sie sich dort aus dem operativen Geschäft zurück, Ende 2025 dann auch aus dem Advisory Board.
Im Urlaub erzählte sie ihrem heutigen Muvn-Co-Founder Massimo Sabatino von dem Problem. Der war sofort überzeugt. Gemeinsam mit Emre Aydin – er war zuvor beim Start-up Orderfy involviert, das eine Bestell- und Bezahllösung für die Gastronomie aufgebaut hat – gründeten sie Muvn im Jahr 2024. Noch bevor das Produkt am Markt war, hatten sie die ersten Investoren an Bord. Im September 2025 schloss das Start-up eine Pre-Seed-Runde im niedrigen siebenstelligen Bereich ab. Heute sind unter anderem Daniel Beutler (ehemals Trainline und Deutsche Bahn), Benjami Otto (About You) und das Investmentunternehmen Baltic Business Angels in das Start-up investiert.
Aktuell arbeitet das Team an einer Seed-Runde von 2,5 Mio. €. Langfristig will Kreutzer Muvn als europäische Infrastruktur für den Straßengüterverkehr positionieren – über Schnittstellen sollen freie Kapazitäten bei Logistikern automatisch erkannt und auf der Versenderseite in die Checkout-Prozesse von Online-Shops integriert werden. Ende 2026 sollen die ersten Expansionen in europäische Nachbarländer folgen. Denn, so Kreutzer: „Wir wollen ein europäisches Problem lösen.“
Foto: Muvn