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Der US-Videospielhändler will eBay übernehmen – mit einem Angebot über rund 55,5 Mrd. US-$. Doch der Deal wirft vor allem eine Frage auf: Wie soll die Transaktion finanziert werden?
Der Konzern hat eBay ein unverbindliches Übernahmeangebot vorgelegt. Geboten werden 125 US-$ je Aktie; bezahlt werden soll je zur Hälfte in bar und in Aktien des Käufers. Insgesamt bewertet der Vorschlag den Online-Marktplatz mit rund 55,5 Mrd. US-$. Bereits jetzt hält der Videospielhändler nach eigenen Angaben eine wirtschaftliche Beteiligung von 5% an eBay – über Derivate sowie direkt gehaltene Aktien.
Der Plan ist ambitioniert: Das Unternehmen ist deutlich kleiner als eBay, will den Online-Marktplatz unter CEO Ryan Cohen aber neu ausrichten. Cohen argumentiert, bei eBay könnten innerhalb von zwölf Monaten rund 2 Mrd. US-$ an annualisierten Kosten eingespart werden. Zudem sollen die rund 1.600 US-Filialen der Kette als physisches Netzwerk für Authentifizierung, Warenannahme, Fulfillment und Live-Commerce dienen.
Der kritische Punkt bleibt die Finanzierung. Der potenzielle Käufer verweist auf rund 9,4 Mrd. US-$ an liquiden Mitteln und Investments per 31. Jänner 2026 sowie auf eine Zusage von TD Securities für mögliche Fremdfinanzierung von bis zu 20 Mrd. US-$. Dennoch bleiben Fragen offen, wie die Bar-Komponente und die Gesamtstruktur des Deals tatsächlich umgesetzt werden sollen. Cohen sagte in einem Interview mit CNBC, dass zusätzliche Aktien ausgegeben werden könnten, um die Transaktion abzuschließen. Genau das nährt am Markt Sorgen vor einer Verwässerung bestehender Aktionäre.
Auch eBay reagierte zurückhaltend. Das Unternehmen bestätigte den Erhalt des unaufgeforderten und unverbindlichen Angebots, erklärte aber, es habe vorab keine Gespräche gegeben. Der Verwaltungsrat werde den Vorschlag prüfen; Aktionäre müssten vorerst nichts unternehmen.
An der Börse wurde die Skepsis sichtbar: eBay-Aktien stiegen nach Bekanntwerden des Angebots zwar, notierten aber weiter deutlich unter dem Angebotspreis von 125 US-$ je Aktie. Das deutet darauf hin, dass Investoren nicht sicher von einem erfolgreichen Abschluss ausgehen. Analysten verweisen zudem auf die unterschiedlichen Geschäftsmodelle: eBay betreibt einen globalen Online-Marktplatz, während der mögliche Käufer weiterhin stark vom klassischen Einzelhandel geprägt ist. Ob daraus ein skalierbarer E-Commerce-Konzern entstehen kann, bleibt offen.
Text: Ty Roush
Foto: M. Dean