GESUNDHEIT IM ABO

Penta-Mitgründer Luka Ivicevic launchte im Januar 2021 sein neues Unternehmen: Mit dem Healthtech-Start-up Index Health bietet er einen personalisierten und völlig digitalen Ansatz auf Abobasis zur Verbesserung und Aufrechterhaltung der Gesundheit für Führungskräfte und Gründer.

Luka Ivicevic will das ameri­­kanische Gesundheitssystem um­krempeln: Mit seinem neu ge­gründeten Healthtech-Start-up Index Health in Florida bietet er eine Alterna­tive für die Gesundheitsversorgung. „Die durchschnittliche Dauer eines Arzt­besuchs in den Vereinigten ­Staaten beträgt 15 Minuten“, sagt ­Ivicevic. Der Grund dafür ist, dass „Ärzte von den Versicherungen für eine begrenzte Zeit pro Patient bezahlt werden, was zu einer schnellen Diagnose im Fließbandstil führt, die auf den Symptomen der Menschen basiert und nicht auf der Ursache ihrer Gesundheitsprobleme“, so Ivicevic.

Die Idee dazu kam ihm, als seine Mutter von chronischer Müdigkeit, Kopfschmerzen sowie weiteren Beschwerden geplagt von Arzt zu Arzt ging – alle taten im Grunde das Gleiche: Sie verschrieben ihr Medikamente, um die Symptome zu lindern, anstatt das zugrunde liegende Problem zu behandeln. Das ging so weiter, bis sie schließlich einen Arzt fand, der sich im Gegensatz zu anderen die Zeit nahm, sie zu allen Aspekten ihres Lebens zu befragen, um ein voll­ständiges Bild zu erhalten. Schließlich diagnostizierte er bei ihr eine Autoimmunerkrankung – im Alter von 63 Jahren.

Mit Index sollen Nutzer stets Überblick über die Funktionsweise ihres Körpers und ihre Gesundheit haben.

Frau Ivicevic ist nicht allein. Nahezu jeder zweite Amerikaner hat in den letzten 30 Tagen ver­schreibungspflichtige Medikamente eingenommen: Ein 2019 von CDC (Centers for Disease Control) veröffentlichter Datensatz zeigt, dass 45,8 % der amerikanischen Erwachsenen Medikamente einnehmen, wobei zentralnervöse Stimulanzien bei den 12- bis 19-Jährigen und Anti­depressiva bei den 20- bis 59-Jährigen am häufigsten vor­kommen. Größtenteils von Ivicevic selbst und einigen Angel-Investoren finanziert (die genaue Investitions­summe nennt er nicht), umgeht Index nun die traditionelle amerika­nische Gesundheitsindustrie, indem es eine digi­tale, abonnement­basierte und personalisierte Alternative bietet. Dafür müssen Interessierte eine Einladung für Index erhalten, um den Service überhaupt nutzen zu können. „Wir wollen sicherstellen, dass wir die richtigen Leute bedienen. Wir sind nicht für jeden geeignet. Man muss einen proaktiven und lang­fristigen Ansatz für seine Gesundheit wählen wollen. Deshalb ist Index ­‚invitation only‘“, so Ivicevic. Nachdem Nutzer einen kurzen Frage­bogen über ihre Gewohnheiten, ihren Lebensstil und ihre Probleme oder Schmerzen aus­gefüllt haben, weist Index auf Basis der Auswertungen auf not­wendige Labor­tests hin. Anschließend erstellt das Start-up – auf Grundlage der Labortest­ergebnisse – ein daten­basiertes Modell zur Funktions­weise des Körpers und gibt personali­sierte Empfeh­lungen bezüglich Ernährung, Lebens­weise und anderer Faktoren (etwa Stress), die die Gesundheit belasten. Danach wird auf Basis dieser Daten ein Gesundheitsplan erstellt: „Oftmals werden gesundheitliche Probleme durch Nahrungs­mittelunverträglichkeiten, Allergien oder Arbeitsstress ver­ursacht“, sagt Ivicevic – alles Dinge, die nicht unbedingt mit Medika­menten behandelt werden sollten, wie es etwa bei einem 15-­minütigen Standard­besuch bei einem Arzt der Fall wäre, ­erklärt er weiter. Gänzlich ohne Ärzte kommt Index dennoch nicht aus: Die Empfehlungen und Bewertungen auf Index werden von Ärzten abgegeben, die einen personalisierten Ansatz bei der Behandlung ihrer Patienten verfolgen. Umsatz generiert Index, indem Nutzer ein Abonnement abschließen, bei dem monatlich eine Gebühr zwischen 129 US-$ und 245 US-$ anfällt – je nach individuellen Bedürfnissen. Der Preis mag manchen hoch erscheinen, doch die Über­wachung der eigenen Gesundheit jetzt könnte später Tausende, wenn nicht Hundert­tausende US-$ an Krankenhaus­rechnungen ersparen. Ivicevic: „Unsere Aufgabe ist es, die Mentalität der Menschen zu ändern und ihnen zu zeigen, dass es einen besseren Weg gibt, gesund zu werden. Unser Ziel ist es, sie nicht nur gesund zu machen, sondern sie auch langfristig gesund zu halten.“

Luka Ivicevic
... absolvierte ein Studium in Philosophie und Informatik an der American University of Paris und gründete 2017 das Fintech Penta mit. 2021 startete er nun mit seinem neuen Unternehmen Index.

Ivicevic ist in der deutschen Start-up-Szene bereits bekannt: 2017 gründete der Amerikaner zusammen mit Lav Odorovic, Jessica Holzbach und Igor Kuschnir im Alter von 22 Jahren das deutsche Fintech Penta, nachdem er sein Studium der Philosophie und Informatik an der American University of Paris abge­schlossen hatte. Das in Berlin ansässige Unternehmen startete mit dem Ziel, einfaches Onlinebanking für Start-ups und KMUs anzubieten. Innerhalb der letzten drei Jahre half Ivicevic dabei, das Unternehmen auf 150 Mitarbeiter und 25.000 KMU-Kunden zu skalieren und 45 Millionen US-$ an Risikokapital einzusammeln. „Einer meiner ­Vorteile war meine Naivität. Sie erlaubte mir, Banking anders zu denken“, sagt Ivicevic über die Gründungszeit von Penta – und weiter: „Das Gleiche gilt für Index. Ich stelle mir einfach vor, wie Medizin anders funktionieren könnte.“ Weiters gilt für Index: „Es ist unser Anliegen, das Entwicklerteam klein zu halten, dafür aber nur Top-Talente zu haben. Damit liefern wir einen größeren Mehrwert, schneller und mit bes­serer Qualität.“

Index ist seit Januar auf dem Markt – während des ersten Testmonats wurde die Zielgruppe weiter eingeschränkt: Das Start-up spezi­alisiert sich derzeit nur auf hoch­rangige Kunden, also Gründer und Führungskräfte. „Unser Team besteht aus Gründern und Managern; das sind die Personen, die wir am besten verstehen“, erklärt ­Ivicevic – „ob wir diese Zielgruppe in Zukunft erweitern, ist noch unklar.“ Derzeit arbeitet Index mit ein paar Dutzend Kunden zusammen und will nur „organisch“ und gezielt skalieren. Denn für Ivicevic hat Kundenzufriedenheit höchste Priori­tät: „Wir wollen gezielt mit nur einer Gruppe zu­sammenarbeiten und sicher­stellen, dass jeder höchst zufrieden ist, bevor wir Richtung ­anderer Ziel­gruppen und Märkte expan­dieren.“ Dafür brauche es ungefähr einen Arzt pro 300 bis 500 Patienten; in einer ­normalen Praxis beträgt dieses Verhältnis laut Ivicevic etwa 1 zu 800 bis 1000. Mit seinem Start-up scheint er den Nagel auf den Kopf getroffen zu haben: Nicht nur ist das Gesundheits­bewusstsein in Zeiten der Coronavirus-Pandemie ge­stiegen, auch klettert der globale Umsatz im digitalen Gesundheitsmarkt in den letzten Jahren stark nach oben – im Jahr 2025 soll der globale Branchenumsatz laut dem Beratungsunternehmen Cap­gemini 933,6 Milliarden US-$ erreichen. „Wir dachten am Anfang, dass man das Konzept oft erklären müssen wird. Wir waren aber von den Reaktionen sehr überrascht: Viele meinten, sie hätten nach genau so einem Angebot gesucht. Und das ergibt Sinn – die Menschen wollen sich besser fühlen. Sie wollen wissen, wie ihr Körper funktio­niert, wie man durch Prävention das Erkranken an Diabetes oder Krebs verhindern kann. Sie wollen sich einfach jeden Tag gut fühlen“, sagt Ivicevic.

Text: Sophie Spiegelberger
Foto: Index Health

Dieser Artikel erschien in unserer Ausgabe 2–21 zum Thema „Health & Wealth“.

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